Sermin ist eine bildhübsche, junge Frau. Schlanke Figur, dichte schwarze Mähne und ebenmäßige Gesichtszüge. Aber die 22-Jährige mag sich trotzdem nicht. Sie ist unglücklich über ihre Körperbehaarung, die sich teilweise auch im Gesicht, am Bauch und am Rücken zeigt. Wenn Sermin Hüftjeans und bauchfreies Top trägt, ist der dunkle Flaum am unteren Bauch und Rücken sichtbar. Die Jurastudentin hat fast alles versucht: Rasieren, Bleichen, Zupfen. Sie ist genervt von den Folgen der lästigen Prozeduren wie Rötungen, Stoppel und Pickel. Und erst recht von den Blicken der anderen, wenn sie die Haare mal sprießen
lässt. „Meine Oma hat einen Damenbart und borstige Haare am Kinn. So werde ich auch mal aussehen, wenn ich vorher nichts dagegen tue“, sagt die Jurastudentin und plant eine dauerhafte Epilation. Kosten: ab 50 Euro für die Oberlippe, 70 Euro für den Bauch, mehrere 1000 Euro für die Ganzkörperbehandlung.

Für die dauerhafte Haarentfernung, auch Epilation genannt, haben sich drei Techniken bewährt: die Nadelepilation, die Laser- und die IPL-Technologie (IPL = engl. Intense Pulsed Light). Bei der Nadelepilation wird eine Sonde entlang des Haarkanals bis zur Haarwurzel geführt. Dort gibt sie einen kurzen Stromimpuls ab, der das Haar an der Wurzel zerstören soll. Die Methode ist erfolgreich, aber leider aufwendig und schmerzhaft. Beim Laser- und IPL-Verfahren wird die Haarwurzel auf über 65 Grad Celcius erhitzt und dadurch abgetötet. Das Licht des IPL-Systems reicht nur wenige Millimeter in die Haut hinein – das reicht, um die unerwünschten Haare zu entfernen. Am besten lassen sich hellhäutige Patienten mit dunklen Haaren behandeln – so wie Sermin. Denn Haare enthalten das Pigment Melanin, das die Lichtenergie aufnimmt und in Hitze umwandelt. Blonde, rote und weiße Haare enthalten wenig bis sehr wenig Melanin und können daher nicht so wirkungsvoll behandelt werden. Auch die obere Hautschicht, die Epidermis, enthält Melanin. Dunkelhäutige oder sonnengebräunte Patienten können daher nur mit weniger Energie bearbeitet werden, weil sonst ihre Haut verbrennen könnte. Prof. Dr. Albert Hofmann von der Ulmer Klinik Rosengasse wendet in seinem Laserzentrum mehrere unterschiedliche Laser der neuesten Generation für Entfernungen von Haaren, Besenreisern oder Tätowierungen an. „Es können nie alle Haare in einer Sitzung entfernt werden, da sich die einzelnen Haare in unterschiedlichsten Phasen des Wachstumszyklus‘ befinden“, sagt der Facharzt für plastische Chirurgie mit Spezialisierung im ästhetischen Bereich.

Normalerweise sind mindestens vier bis sechs Behandlungen erforderlich, um so gut wie alle unerwünschten Haare einer Region zu beseitigen. Nach klinischen Untersuchungen können rund 90 Prozent der Haare dauerhaft entfernt werden. Wenn die behandelten Haare eventuell aus hormonellen oder anderen Gründen wieder anfangen zu wachsen, müssen sie erneut unter den Laser. Vor der Epilation sollten die Zonen rasiert, aber nicht gezupft, gewachst oder mit Enthaarungscreme behandelt sein. Denn die Haare müssen für ein erfolgreiches Ergebnis noch mit Wurzeln vorhanden sein.

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EPILATION – ALLE FAKTEN AUF EINEN BLICK

Methoden, Kosten, die richtige Arztwahl bei Haarentfernungen

Methoden: Nadelepilation, Laser- und die IPL-Technologie. Meist sind drei bis sechs Behandlungen im Abstand von ein bis zwei Monaten nötig.

Arztwahl: Dermatologen, Fachärzte für ästhetische Chirurgie und Ärzte mit fachlicher Weiterbildung für die angewandten Methoden.

Kosten: Ab 50 Euro für kleine Zonen wie Oberlippe, 70 Euro für den Bauch, 200 Euro für den Rücken, Ganzkörper ab 1200 Euro.

Folgen: Hautrötung direkt nach der Behandlung. Selten kleine Blasen und Pigmentveränderungen.

Kathrin Kunterding