Es gibt viele Gründe, um ein eigenes Unternehmen zu gründen. Bei den einen ist es der Wunsch nach Selbstbestimmung, bei den anderen die Aussicht auf mehr Geld. Es gibt aber auch Fälle, in denen ist es der pure Idealismus. Die Berliner Kunstsammler Tine und Mo Whiteman sind so ein Fall. Sie vertreten die Meinung, Kunst sollte für jedermann zugänglich sein, unabhängig von der Größe des Geldbeutels. Deshalb machten sie aus einer „Schnapsidee“ ein Geschäft und gründeten den Berliner Posterverlag. Dort erscheinen nun alle drei Monate vier neue Poster, die von jungen Gegenwartskünstlern exklusiv für den Verlag entworfen werden. Eine Besonderheit des Konzepts ist die Preispolitik: Jedes Poster kostet zehn Euro, unabhängig vom Bekanntheitsgrad des Künstlers. Dabei stand nie der Profit im Vordergrund, sondern vor allem Transparenz und Ehrlichkeit gegenüber Künstlern und Kunden. Die unlimitierten Kunstwerke können im Laden in der Auguststr. 52 in Mitte oder ganz einfach im Internet gekauft werden (www.berlinerposterverlag. com). Die Whitemans sehen in diesem Unternehmen keinen Widerspruch zu ihrer Sammelleidenschaft: „Wir sind nur der Meinung, dass jeder die Möglichkeit haben sollte, Kunst zu sammeln. Der Wert von Kunst sollte nicht immer mit ihrer Verfügbarkeit verbunden sein.“

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EINE GUTE IDEE IST NUR DER ANFANG
Noch vielfältiger als die Anlässe für eine Existenzgründung sind die möglichen Gründe ihres Scheiterns. Adalbert Kurkowski, Leiter des Kompetenzcenters zur Spezialbetreuung von Firmenkunden der Berliner Bank, kennt sie und weiß deshalb, dass eine sorgfältige Vorbereitung nötig ist. „Der Weg in die Selbstständigkeit ist kein Standardweg, sondern immer ein individueller. Deshalb ist die Entwicklung eines persönlich zugeschnittenen Gründungs- und Finanzkonzeptes das A und O.“ Neben Personal- und Materialeinsatz müssen eine Vielzahl von Faktoren berechnet und geplant werden. Zum Konzept gehören auch eine umfassende Marktanalyse und ein Marketingplan. Da die wenigsten Neugründer das nötige Know-how für diese Planung haben, sollte man eines der zahlreichen Beratungsangebote von Gründungs- und Steuer- bzw. Unternehmensberatern in Anspruch nehmen. Auch die eigene Persönlichkeit des Gründers muss auf den Prüfstand. Nicht nur die fachliche Qualifikation ist ein wichtiger Faktor für das Gelingen des Unternehmens, sondern auch die gesamte Lebenseinstellung. „Selbstständigkeit ist kein Beruf, sondern ein Lebens-modell. Selbstständigkeit sollte man wollen, nicht müssen.“ Diese Voraussetzung erfüllen Tine und Mo Whiteman voll und ganz. Sie waren nicht auf die Gründung ihres Posterverlages angewiesen, sondern ließen sich von ihrer Liebhaberei lenken. Umso mehr freuen sich die beiden, dass sich die Ertragskurve nach oben entwickelt. Von Liebhaberei allein kann man eben doch nicht leben.

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WIE VIEL GELD BRAUCHE ICH?
Nicht jedes neue Unternehmen braucht dringend großes Startkapital. Manche Ideen lassen sich auch mit wenig Geld realisieren. Meistens ist jedoch eine größere finanzielle Spritze nötig, um ein viel versprechendes Konzept erfolgreich umzusetzen. Die Spanne, in der sich der benötigte Betrag bewegen kann, ist gewissermaßen unendlich. Für manch eine Idee braucht man nicht mehr als die Gebühr für den Gewerbeschein und einen Stapel Papier nebst Kugelschreiber. Andere Unternehmen dagegen fordern Investitionen in scheinbar astronomischen Höhen, bevor sie den ersten Euro einbringen. Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage nach den Kosten gibt es nicht. Wie hoch die Summe tatsächlich ist, muss von Fall zu Fall individuell errechnet werden. Dabei sollte man sich unbedingt von einer fachkundigen Stelle beraten lassen. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) ist Finanzmangel durch unvollkommene Planung die Ursache für 70 Prozent aller gescheiterten Neugründungen. Ein solider Finanzplan ist neben einem funktionierenden Businessplan eben das unverzichtbare Fundament eines Unternehmens.

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WER HILFT BEI DER FINANZIERUNG?
Die Whitemans waren durch ihre Berufe – sie als Künstlerin, er in der Werbung – finanziell so weit abgesichert, dass sie kaum Hilfe von außen benötigten. Auch öffentliche Fördergelder nahmen sie nicht in Anspruch. „Wir wollten mit unserer Schnapsidee nicht den Steuerzahlern auf der Tasche liegen“, sagt Mo Whiteman in herzerfrischender Bescheidenheit. Wer da weniger Hemmungen hat, oder schlicht und einfach darauf angewiesen ist, sollte sich umfassend über die verschiedenen staatlichen Finanzierungshilfen informieren. Auch für Beratungskosten kann man finanzielle Unterstützung beantragen. Für die weitere Finanzierung sollten Jungunternehmer eine Bank wählen, die über Spezialisten mit Erfahrung in Beratung und Begleitung von Existenzgründern verfügt. In Berlin begleitet die Berliner Bank junge Gründer mithilfe des Kompetenzcenters unter Adalbert Kurkowski. Dort werden bei der Finanzierungsberatung auch öffentliche Fördermittel und Ratschläge zur Unternehmenskonzeption mit eingebunden. Eine weitere Anlaufstelle für Finanzierungsfragen ist die Investitionsbank Berlin (IBB). Darüber hinaus kann man sich an diverse Steuer- und Unternehmensberater wenden. Eine wichtige Adresse für Neugründer ist in jedem Fall auch die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK). Sie bietet Beratung zu allen Bereichen des Gründungsvorganges, auch zur Finanzierung. Daneben gibt es dort eine Fülle von Seminaren zur Weiterbildung, zum Beispiel in richtigem Marketing oder Personalwesen. Für Gründungen in einem handwerklichen Gewerbe hält die Handwerksammer Berlin ein entsprechendes Angebot bereit.

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WIE HOCH IST DAS RISIKO?
Egal wie generalstabsmäßig die Gründungsplanung verläuft – eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Das Risiko des Scheiterns kann aber durch ein sorgfältiges Konzept stark minimiert werden. In der erwähnten Studie des BMWi werden neben unzureichender Finanzplanung auch Gründe wie Informationsdefizit, Qualifikationsmangel und Familienprobleme genannt. Die meisten dieser Faktoren können durch einen funktionierenden Businessplan und ein sauberes Finanzkonzept entschärft werden. Dabei helfen Werkzeuge wie Investitions- und Liquiditätsplan oder Aufstellungen über die Ertrags- und Bilanzentwicklung. Deshalb ist es umso wichtiger, dass jede zur Verfügung stehende Hilfe von Fachleuten und Beratungsstellen genutzt wird Auch die eigene Belastbarkeit kann zum Stolperstein für unerfahrene Gründer werden. Adalbert Kurkowski weiß: „Wichtig ist die moralische und zum Teil auch konkrete Unterstützung des persönlichen Umfeldes in Form von Familie, Freunden und Bekannten, um Durststrecken überstehen zu können. Entscheidend ist die Lust am Unternehmertum – und der Drang nach Freiheit in der Gestaltung des eigenen Lebens.“ Auch hierfür sind Tine und Mo Whiteman ein gutes Beispiel: Mo räumt ein, den tatsächlichen Arbeitsaufwand unterschätzt zu haben. Doch durch eine vernünftige Planung und ein starkes Umfeld kamen trotzdem keine Zweifel am eigenen Unternehmen auf. Natürlich gibt es Dinge, die sie heute anders machen würden. Auch das beste Konzept wird mal von Unwägbarkeiten durcheinander gebracht. Bei guter Planung werden diese aber nicht zur Gefahr für die Existenz des Unternehmens. So haben die Whitemans auch den Kopf frei für die anderen Dinge, die für den Erfolg wichtig sind. In Mos Augen sind dies vor allem Originalität und Sympathie.

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Nützliche Adressen für Berliner Existenzgründer

BERLINER BANK AG & CO. KG
Hardenbergstr. 20, Charlottenburg, Ansprechpartner Herr Baum, Tel. 31 09 25 04, Bitte aktivieren Sie JavaScript um diese E-Mail-Adresse anzuzeigen.
Die Spezialisten der Berliner Bank geben Feedback zur Unternehmenskonzeption und übernehmen die Finanzierungsberatung unter Einbindung öffentlicher Fördermittel. Sie geben Empfehlungen zu Netzwerkpartnern innerhalb bestimmter Branchen sowie zu Rechts- und Steuerberatern und unterstützen bei der Realisierung von unternehmerischen Initiativen und Visionen.

INVESTITIONSBANK BERLIN
Bundesallee 210, Wilmersdorf, Tel. 21 25 47 47, www.investitionsbank.de
Die IBB unterstützt Berliner Existenzgründer mit diversen finanziellen Förderprogrammen und ausführlicher Beratung.

IHK BERLIN Fasanenstr. 85, Charlottenburg, Tel. 31 51 06 00, www.berlin.ihk24.de
Die Industrie- und Handelskammer Berlin berät sie zu allen Gründerbelangen, egal ob Planung oder Finanzierung. Außerdem bietet sie diverse Seminare zur Weiterbildung.

HWK BERLIN Blücherstr. 68, Kreuzberg, Tel. 25 90 34 67, www.hwk-berlin.de
Für Gründungen in einem handwerklichen Gewerbe hält die Handwerkskammer Berlin Seminare und Beratungsangebote bereit. Letztere sind hier sogar kostenlos.

BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT Tel. (018 01) 55 51 11, www.arbeitsagentur.de
Wer aus der Arbeitslosigkeit eine Existenz gründen will und Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, der kann bei der örtlichen Arbeitsagentur einen Gründungszuschuss beantragen. Dieser wird in Höhe des Arbeitslosengeldes plus 300 Euro genehmigt.

WER SONST NOCH HELFEN KANN
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) hat im Internet ein Existenzgründerportal eingerichtet (www.existenzgruender.de). Dort gibt es umfassende Informationen zu vielen Gründungsthemen. Aus den USA stammt die Idee für die Initiative der Business Angels Berlin-Brandenburg e.V. (www.business-angels-berlin.de). Deren Mitglieder unterstützen ehrenamtlich erfolgversprechende Unternehmen mit Rat und unter bestimmten Voraussetzungen auch mit Finanzierungsmitteln. Außerdem finden sich im Internet zahlreiche Informationsportale und Softwareangebote, mit denen man sich Orientierung verschaffen kann.

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CHECKLISTE FÜR EXISTENZGRÜNDER
Von der Ideenfindung bis zur Finanzierung. PRINZ sagt, woran man bei einer Existenzgründung denken muss

Ideenfindung
Wer gründen will, braucht eine funktionierende Geschäftsidee. Wer noch keine hat, aber trotzdem wild entschlossen ist, der findet im Internet zahlreiche Anregungen. Auch eine bereits existierende Idee sollte durch gründliche Recherche auf ihre Tauglichkeit geprüft werden.

Gründungsperson
Prüfen Sie sich selbst. Sind Sie überhaupt der Typ für die Selbstständigkeit? Wie steht es mit Ihrer Belastbarkeit und Flexibilität? Und haben Sie auch die richtigen Qualifikationen?

Businessplan
Ein ausgereiftes Geschäftskonzept ist das unverzichtbare Fundament jedes Unternehmens. Es ist auch für die Anerkennung der Geschäftsidee bei Banken und Behörden nötig. In jedem Fall sollten Sie sich von einer fachkundigen Person beraten lassen. Auch die Anmeldung bei einem Gründerwettbewerb kann dem Erfolg auf die Sprünge helfen.

Formalitäten
Bevor das Unternehmen starten kann, gibt es eine Menge zu erledigen. Die richtige Rechtsform muss angemeldet, Genehmigungen und Konzessionen beantragt und Versicherungen müssen abgeschlossen werden.

Finanzierung
Für ein sicheres Finanzkonzept ist eine ausführliche Beratung von mehreren Stellen unumgänglich. PRINZ gibt die nötigen Adressen dazu. Nutzen Sie, wenn möglich, auch die staatliche Beratungsförderung.