Als Dörthe Rupprecht und Eva Sailer zum ersten Mal das Hinterhaus in der Egenolffstraße 17 betraten, da haben sie sich sofort in die Räumlichkeiten verliebt. Das war der ideale Ort, um ihren Traum von einem Café mit angeschlossener Boutique zu verwirklichen. Kennengelernt hatten sie sich während ihrer Studienzeit beim Jobben in der Gastronomie. Nach dem Examen bekamen beide ihr erstes Kind und beschlossen, sich mit ihrer Idee selbstständig zu machen. „Beruflich war dies die beste Entscheidung“, sagt Sailer, die Mediendesign studiert hat. „Karrierestart in einer Agentur mit Kind? Das wäre kaum möglich gewesen.“ Als junge Mütter vermissten sie in Frankfurt eine Gastronomie, in der man gemütlich Kaffee trinken kann und Kinder ausdrücklich erwünscht sind. So kamen sie auf die Idee, Café und Boutique mit einem Spielzimmer zu verbinden, in dem sich die kleinen Gäste austoben können.

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EINE GUTE IDEE IST ERST DER ANFANG
Als die beiden ihre Kostenkalkulation aufstellten,merkten sie schon bald, dass eine Renovierung der Räume nicht ausreichen und eine Vollsanierung auf sie zukommen würde. Um einen Kredit aufnehmen zu können, bedurfte es eines umfangreichen Businessplans. Hierfür nahmen sie an einem Existenzgründungsseminar der Industrie- und Handelskammer teil und stellten ihren Businessplan mit Hilfe einer Vorlage der IHK auf. „Wichtig ist, dass man den Plan immer wieder von anderen überprüfen lässt. Schnell übersieht man Kleinigkeiten, die letztlich enorme Kosten verursachen“, sagt Rupprecht. Auch Michael Höppner, stellvertretender Geschäftsführer des IHK-Teams für Starthilfe und Unternehmensförderung, kennt dieses Problem. „Bei vielen Existenzgründern sind Qualifizierungsmängel im betriebswirtschaftlichen Bereich vorhanden. Um dauerhaft Erfolg zu haben, bedarf es umfangreicher steuerlicher und arbeitsrechtlicher Kenntnisse, das sollte man nicht unterschätzen.“ Empfehlenswert ist auch der Gegencheck des Businessplans durch einen Profi. „Neben der IHK bieten diesen Service beispielsweise der KfW Beraterpool oder das RKW an“, so Höppner. Bereits die erste Bank befand die Geschäftsidee der jungen Mütter als erfolgversprechend und das Abenteuer Existenzgründung konnte beginnen. So reibungslos klappt das allerdings selten. „Ein Bankgespräch sollte gut vorbereitet werden“, betont Höppner. „Der Businessplan muss aussagekräftig sein und die eigenen Vorstellungen über die nötigen finanziellen Mittel müssen mit realistischen Kalkulationen belegtwerden.“ Neben der eigenen Hausbank kann man sich beispielsweise an die KfW Mittelstandsbank wenden, die Darlehen und Kredite zu günstigen Konditionen anbietet. Für kostspielige Beratungen gibt es Förderungsgelder vom Bund und vom Land Hessen. Nachdem Sailer und Rupprecht alle nötigen Konzessionen erworben hatten, rückte der Tag der Eröffnung näher. „In den Wochen zuvor merkten wir, wie schnell man sich zeitlich verschätzt. Auf einmal fehlte uns die Zeit, unser Werbekonzept umzusetzen“, erzählt Sailer. Geschadet hat das allerdings nicht. Seit neun Monaten ist der Familienbetrieb geöffnet. In der Boutique findet man Mode von jungen Designern und ausgefallene Accessoires für Mutter und Kind. Das geschmackvoll eingerichtete Restaurant-Café und der idyllische Hinterhofgarten sind zu einem beliebten Treffpunkt für junge Familien geworden.

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EINE CLEVERE IDEE
Auch Susanne Stahl, Inhaberin des Galerieladens Designe, kleine!, hat das Abenteuer Existenzgründung erfolgreich bestanden. Ihr Geschäftskonzept ist allerdings eher durch Zufall entstanden. „Im Sommer 2006 war ich auf der Suche nach einem geeigneten Raum für meine Arbeit als Architektin. Der Ladenraum in der Brückenstraße hat mir gefallen, aber er lag über meinem gesetzten Budget“. So entstand die Idee, den Raum gleichzeitig als Verkaufsort für eigene kleine Designprodukte zu nutzen und die Miete mit anderen Designschaffenden zu teilen.

ZUSAMMEN IST MAN STARK
Gegen einen Monatsbeitrag von 20 Euro haben junge Designer die Möglichkeit, eine der zahlreichen Wandboxen des Geschäftes als Präsentations- und Verkaufsplattform für ihre Produkte zu mieten. „Der Name Designe, kleine! ist als Aufforderung zu verstehen, eigene Ideen einfach mal umzusetzen“, sagt Stahl. Das Konzept funktioniert. Seit der Eröffnung hat sich die Anzahl der Boxen verdoppelt. Und da die gesamte Ware auf Kommissionsbasis geliefert wird, muss Stahl nicht in Vorleistung gehen. Um die Kosten für die Gestaltung des Ladens gering zu halten, verwendete sie für die Einrichtung zu einem großen Teil Recyclingware oder Möbel vom Sperrmüll, die sie mit Hilfe von Freunden und Familie nach eigenen Ideen verarbeitet hat. In den ersten Monaten nach der Eröffnung stellte sich heraus, dass auch ganz Alltägliches wie eine Baustelle oder ein monatelang parkender Laster vor dem Schaufenster zu einem Problem werden kann. „Die Laufkundschaft hat meine Galerie deshalb manchmal gar nicht bemerkt“, erzählt sie. Da das Konzept ursprünglich nur als Nebenprojekt geplant war, bedarf es noch kleiner Optimierungen, die aber schon in konkreter Planung stehen. Auch Michael Höppner empfiehlt, das eigene Konzept immer wieder zu überprüfen. „Es ist entscheidend, sich ein funktionierendes Rechnungswesen, ein Controlling System und ein Personalwesen aufzubauen, um Fehlentwicklungen sofort entgegensteuern zu können.“ Susanne Stahl ist glücklich, dass sie ihre zwei Leidenschaften Architektur und Design so gut miteinander verbinden kann und mit dem Schritt in die Selbstständigkeit nicht lange gewartet hat.

Sarah Dionisius

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Nützliche Adressen für Frankfurter Existenzgründer

SERVICE-CENTER DER INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER FRANKFURT
City, Schillerstr. 11, Tel. 21 97 20 80, www.ihk-frankfurt.de
Bei der IHK werden junge Gründer kompetent beraten. Regelmäßig gibt es Business Plan-Workshops, Sprechtage und Seminare zum Thema Existenzgründung.

KFW BERATUNGSZENTRUM
Bockenheim, Bockenheimer Landstr. 104, Tel. 74 31 30 30, www.kfw.de
Die KfW Mittelstandsbank hilft mittelständischen Gründern bei der Finanzierung ihres Konzeptes zu besonders günstigen Konditionen. Sie bietet für jeden das passende Förderprogramm und steht beratend zur Seite.

RKW HESSEN
Eschborn, Düsseldorfer Str. 40, Tel. 06196/ 97 02 00,
Im Auftrag des Landes Hessen führt das RKW geförderte Gründungsberatungen durch. Der Berater überprüft gemeinsam mit dem angehenden Selbstständigen das Konzept auf seine Tragfähigkeit und gibt Rückmeldungen und Anstöße.

BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT UND TECHNOLOGIE
Infohotline 0180/56 15 001, www.existenzgruender.de
Auf der Homepage des Existenzgründerportals des BMWI findet man eine bundesweite Seminarübersicht, einen Businessplaner und Adressen zu Beratung, Finanzierung und Förderprogrammen.

BUNDESSTEUERBERATERKAMMER
Berlin, Neue Promenade 4, Tel. 030/24 00 870, www.bstbk.de
Ein Steuerberater hilft bei betriebswirtschaftlichen und steuerrechtlichen Fragen und der Wahl der Rechtsform weiter. Die Bundessteuerberaterkammer unterstützt bei der Suche und Auswahl des passenden Beraters.

KOMPASS ZENTRUM FÜR EXISTENZGRÜNDUNGEN
Fechenheim, Hanauer Landstr. 521, Tel. 21 97 80, www.kompassfrankfurt.de
Die gemeinnützige Gesellschaft bietet Existenzgründungsberatung von A bis Z. Es werden Seminare, Einzel-Coachings und Trainings veranstaltet und der Aufbau von Netzwerken gefördert. Kompass versteht sich als Koordinierungsstelle für Gründerinnen und Gründer aller Nationen. Darum werden auch Seminare angeboten werden, die sich speziell an angehende Selbstständige mit Migrationshintergrund richten.

BUNDESWEITE GRÜNDERINNENAGENTUR
Infohotline 01805/22 90 22, www.gruenderinnenagentur.de
Die Gründerinnenagentur ist das erste bundesweite Informations- und Servicezentrum für Frauen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen. Alle auf der Website gelisteten Beratungseinrichtungen sind auf Frauen spezialisiert. Regionale Kontaktdaten werden aber auch über die Infohotline vermittelt.