Was soll man über das Rock am Ring 2010 schreiben – Rekordfestival, 25-Jahre-Jubiläumsfestival, das größte Festival des Landes… Das Rock am Ring ist einfach ein Erlebnis. Auf das man sich einfach mit Haut (schmutzig-staubig) und Haaren (schwitzig-fettig) einlassen muss. Oder man sagt „Mir ist es auf dem Soundso schon viel zu voll, das RaR (= cool und handysprachlich für Rock am Ring) könnte ich mir niemals geben!“ Irrtum.

Anreise oder Organisatorisches

Könnte man aber eben DOCH, denn wie professionell und organisiert das Festival vom Warsteiner- oder T-Shirt-Verkäufer bis zum Ordner aufgestellt ist, das grenzt schon fast an helle Freude. Mein Secu mit Pferdeschwanz und Lederhose am Eingang zum Zeltplatz D1 zum Beispiel ist tatsächlich seit neun Jahren oder so der gleiche, auf die zahlreichen und gut platzierten Schilder, die mich zum VIP-Parkplatz, zur nächsten Toilette oder eben zu D1 leiten, brauche ich schon gar nicht mehr zu schauen und die Budenbetreiber erfreuen sich seit Jahr und Tag an sehr vorausschauenden und freundlichen Ein- und Anweisern, die schon rumrennen, wenn es anfängt zu regnen („Bei Euch auch alles in Ordnung?“). Man könnte jetzt sagen, dass das bei einem Festival dieser Größe (2010 waren ausverkaufte 85.000 Menschen vor Ort) ja wohl selbstverständlich sein muss, aber ich kenne garantiert zu jedem Kritikpunkt von Internettern mindestens fünf internationale Beispiele, bei denen dieser oder jener Punkt sicherlich nicht so professionell behandelt wird.

Letztendlich ist es bei jedem Kritikpunkt eh häufig subjektiv: „Die Karten werden immer teurer!“ – alles wird immer teurer, dafür kannst Du Rammstein, Rage Against The Machine, Muse, Slayer und Dave Grohl auf einmal sehen, vor Ort ist für alles gesorgt, über 1500 Menschen achten auf Deine Sicherheit, 400 Duschen, 1500 Toiletten, Partyzelt, 450 gefundenen Handys und Portemonnaies (in 2009), 1,3 Millionen Watt Licht auf der Center Stage… Mach das erstmal für 150 Euro! „Die Secu hat keine Ahnung“ Hast Du mal die teilweise Bauerntrampel auf anderen großen Festivals nach dem Weg zur nächsten Porzellantoilette gefragt? „Seit dieser bescheuerten Ampel kann ich die Bands gar nicht mehr richtig sehen, die ich sehen will“ Das System funktioniert aber!

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Wetter

Dieses Jahr traumhaft. Traumhaft! Nachdem ich im letzten Jahr bei Bodenfrost mit dem Schlafsack am Zeltboden festgefroren bin und 2008 fast weggeschwemmt wurde (die Liste lässt sich jetzt noch ein wenig weiterführen), saßen wir fast das ganze Wochenende im strahlenden Sonnenschein zwischen knallroten Unvorbereiteten und Besoffenen und haben oben ohne gegrillt. Fast, weil es zum Beispiel bei den Hives – sagen wir einmal – aus Eimern geschüttet hat, die ziemlich ziemlich groß waren.

Wohnen

Ich halte mich ja die meiste Zeit auf dem Gelände auf, da entweder bei den Bands oder bei befreundeten Ständen wie Stylefile oder Viva con Agua, ansonsten spaziere ich über den Ring oder bin am Zelt zum Umziehen oder Grillen, in diesem Jahr allerdings habe ich tatsächlich zwei Abstecher zu den Village Peoples ins – sagen wir mal kubistische (jedes Zelt war exakt gleich J) – Warsteiner Village gemacht, um zu duschen und ein paar Döschen zu trinken, die waren nämlich, ganz im Gegensatz zu ungefähr allem anderen in meinem Zelt (zum Beispiel den mitgebrachten 5-Liter-Partyfässchen von Warsteiner), eiskalt. Dann habe ich mir Jared Leto vom Jägermeister Hochsitz aus angeschaut. Und das sind wirklich mal zwei Innovationen, die dem Festivalbesucher etwas bringen und die der dann nämlich auch an- und wahrnimmt. Außerdem mag ich Jägermeister auch sehr gerne, wie ungefähr jeder andere Mensch auf der Welt, der Rockmusik hört, auch. Da ich aber auch Elektro höre, trinke ich den immer mit Red Bull, hihi, ich Weichei. Ansonsten: jeden Morgen meine Luftmatratze aufpumpen, immer wenn die Secus patroullieren artig aus dem Weg gehen und lange lange Schlange stehen (Toilette, Dusche, Einlass, wenn man verpennt hat, rechtzeitig hochzugehen, ..)

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Bands

Rammstein – XXL-Deutschlandfahne, Feuer, Benzin, Provokation, Glühwürmchen im Mund, Sex, Hits
Toten Hosen, Die – Schön, dass sie mal NICHT Headliner oder Überraschungs-Headliner waren
H-Blockx – Schön, Euch mal wiederzusehen, aber etwas zu schmonzettig
Kiss – Hat mich leider noch nie so recht begeistern können, aber angeschaut weil wichtig und weil Lieberberg uns die an einem Extratag geschenkt hat (samt Tortengag und Feuerwerk)
Turbostaat – Gut wie immer, sehr sehr gut

Slash – coole Sau hoch zehn, und: viel mehr
Guns’n’Roses gespielt, als Axl sich überhaupt noch erinnern kann
Jay-Z – mein Top-Konzert des Festivals, richtig coole Beats, coole Show, schön getanzt, New Yoooooork
Rage Against The Machine – Legenden, Legenden, Legenden, aber: ohne neues Material nicht ganz so eine Wiedersehensfreude wie vor 2 Jahren
Kate Nash – süß

Kasabian – coole Schweine – wie immer gut gerockt
Sportfreunde Stiller (unplugged) – chhhhrrrrrrrrrr.
Jan Delay – die geilste Bumssau von Sylt bis zum Bodensee, alle weggeflasht (außer die Park-Rocker)
Dizzee Rascal – 2. Jay-Z Fanact, fast noch mehr Party, aber viel zu früh
Gogol Bordello – Verpassung des Festivals, schade, aber da war die Whiskeybowle in der Sonne gerade so lecker

Gossip – dick, cool, dick, cool, dick, cool, cool!
30 Seconds To Mars – supergeile Rockband, mag ich auch, vor allem das Eisbärlied, aber dieser Iiiiiro!
Muse – die größte Spaceband der Welt! Die neuen Sachen mag ich nich sooo gerne, weil ich keine Lady bin wohl, aber werden das mal neue Queen? Oder bessere U2? Super-Show!
Stone Sour – etwas enttäuschend, aber vielleicht ist Corey auch einfach tüchtig traurig
Alice I Chains – leider verpasst

Slayer – die Götter in Grau, auch wenn sie gerne Metalschwarz wären
Mödörhööd – Leder, Schweiß, Warze, Rockpartynacht!
Zebrahead – im Sitzen trinkend gesehen, schön
Cypress Hill – klasse, coole dicke Säue
Bullet For My Dying – is das schlimm, dass ich da als alter Metalhase da nix mehr mit anfangen kann? Hm.

The Sounds – kein Plan von der Musik, ich weiß nicht mal, wer da NOCH auf der Bühne steht – Maajaaaaah
Die Sterne und Tocotronic – Pflichtprogramm
The Hives – geschüttet wie aus Eimern, aber Vodkapelle und seine maßgeschneiderten Jungs hatten vielleicht die beste Live-
Rockperformance der ganzen Welt, ultracool
Them Crooked Vultures – Gott und Gott und Satan auf einer Bühne, WAS für ein Abschluss, Gott!!!

Kann man diese Auflistung eigentlich glauben? Und das ist nur mein Geschmack und die Hälfte der Bands oder so.

2011

Ich komme!

Text: Jannes Vahl