Wer „Grey’s Anatomy“ kennt, der kennt auch Katherine Heigl. Sie ist in der US-Serie die blonde, hochgradig suchtgefährdende Assistenzärztin Dr. Izzie Stevens. Alle anderen dürften schulterzuckend fragen: Katherine – wer? Im Kino war die 28-Jährige aus Washington bislang tatsächlich eine unbekannte Größe. Sieht man von einer Rolle als Gérard Depardieus Tochter in „Daddy Cool – Mein Vater, der Held“ ab, die sie schon 1994 spielte, wusste bestenfalls die nächste Verwandtschaft von Katherines Kino-Auftritten. Oder schon mal was von „Schrei, wenn du kannst“ und „Dabei sein ist alles“ gehört?
Aber die Zeiten ändern sich – und in Hollywood sogar gern über Nacht. Dort gilt Katherine Heigl als Superstar, seit im Frühjahr ihre Beziehungs-Farce „Beim ersten Mal“ wie eine Bombe einschlug – bombige Kritiken („beste Komödie seit langem“), bombiges Einspielergebnis (bis heute rund 150 Millionen Dollar), bombige Stimmung beim Publikum. So etwas, staunten alle, hatte es seit „Harry und Sally“ oder „Verrückt nach Mary“ nicht mehr gegeben: eine Komödie für Erwachsene, intelligent, aber auch herrlich derb, scharf beobachtet, aber keineswegs zynisch. Und deshalb so ungaublich witzig und mehr als bloßer Quatsch, weil in den Helden Alison (Heigl) und Ben (Seth Rogen) viel zu viel drinsteckt, was einem verflixt bekannt vorkommt. Jedenfalls, wenn man die 20 überschritten hat.
Der Sex ist geil, doch das Erwachen am nächsten Morgen ernüchternd. Man könnte auch sagen: Alison trifft der Schlag. Mit dem Kerl soll sie geschlafen haben? Das Warum liegt auf der Hand: Die TV-Redakteurin war sternhagelvoll, als es passierte. Nüchtern und bei Tageslicht betrachtet, entpuppt sich Ben, die Disco-Bekanntschaft, als Anti-Brad-Pitt: pummelig, zu kurz geraten, Minipli-Locken, Motiv-T-Shirt, arbeitsscheu, nicht sonderlich eloquent. Also einfach abhaken, diesen One-Night-Stand? Schön wär’s. Denn acht Wochen später erfährt Alison, dass sie schwanger ist. Weil eine Abtreibung für sie nicht in Frage kommt, bleibt ihr nur eine Alternative: den Samenspender fragen, ob er sich eine gemeinsame Zukunft mit Baby vorstellen kann. Auch wenn es Alison für unwahrscheinlich hält, dass sie sich je in den Vater ihres Kindes verlieben könnte. Schließlich ist er selbst noch ein Kindskopf.
Für Katherine Heigl ist die Partnerfrage privat längst geklärt. Seit zwei Jahren lebt sie mit dem Musiker Josh Kelley zusammen, am Tag vor Heiligabend wollen die beiden auf Katherines Ranch in Utah heiraten. Dabei ist Kelley erst 27, und Katherine Heigl behauptete mal in einem Interview, dass „Männer unter 30 leicht zurückgeblieben sind.“ Sie lacht und räumt ein, dass diese Aussage „echt bescheuert“ war. Jedenfalls habe sie aus früheren Romanzen gelernt: „Wie wichtig es ist, sich in einer Beziehung nicht zu verlieren, sich nicht selbst klein zu machen oder seine Ansprüche zurückzustellen.“ Katherine Heigl ist also deutlich weiter als Alison und Ben. Denn die Helden von „Beim ersten Mal“ müssen überhaupt erst lernen, wie man in einer festen Partnerschaft lebt. Und weil das nicht ohne peinliche Entgleisungen abgeht, ohne brüllkomischen Aufruhr und schrecklich amüsante Spannungen, wachsen einem die beiden schnell ans Herz. Genau wie die zauberhafte Hauptdarstellerin, von der bald keiner mehr sagen kann: Katherine – wer? Karl-Heinz Schäfer

Start: 23.8., USA 2006, OT: „Knocked Up“, Regie: Judd Apatow. Mit Katherine Heigl, Seth Rogen, Leslie Mann, Paul Rudd, Jonah Hill, Harold Ramis u. a., 129 Min.
FAZIT: Musterbeispiel einer Liebeskomödie, trifft massiv das Zwerchfell und mitten ins Herz.
FÜR FANS VON: „Verrückt nach Mary“, „She’s Having A Baby“, „American Pie“ …..