Wenn Milka-Bubi Martin Schmitt und der hagere Hannawald das können, schaffe ich das ja wohl auch. Ganz sicher. Gehockt und nach vorn geneigt halte ich mich an der Absprungvorrichtung fest, während die ungewohnt großen Bretter an meine Füßen bereits über die Skischanze lugen.Nur das Zwitschern der Vögel in den Tannenwipfeln durchbricht die idyllische Ruhe. Pass bloß auf, Vogelvieh, gleich bekommst du Konkurrenz. Die Signalampel springt auf Grün. Schwung holen, Arme anlegen, Gleichgewicht halten. Mit 80 Sachen rase ich dem Ende der Schanze entgegen. Explosionsartig presse ich mich aus der Hocke und spreize die Skier zu einem V. Zwischenzeitlich zu einem X. Dann wieder zum V. Ich fliege.Und fliege und fliege und fliege. 150 Meter weit, bis mein Höhenflug mit einem metallischen Knall abrupt beendet wird. Schlapp wie ein nasses Handtuch baumele ich am Stahlseil, das mich vor dem Sturz in die Tiefe bewahrt. Das ist der Skiflyer: Deutschlands einziger Skisprung- Simulator, mitten im Thüringer Wald. Seit 2003 bietet Inhaber Heiko Walter hier Ungeübten die Möglichkeit, prominenten Skiadlern nachzueifern. „Fast alle Sportarten kann man selbst ausprobieren. Nur beim Skispringen blieb einem nichts anderes übrig als zuzuschauen. Das wollte ich ändern“, sagt der 39- Jährige. Statt auf Schnee rutscht man beim Skiflyer auf Rollen die Schanze herunter. Der Rest funktioniert im Prinzip wie eine Seilbahn auf einem Kinderspielplatz, allerdings mit modernster Bergsteigertechnik. „Der Skiflyer soll Menschen vermitteln, wie sich so ein Sprung anfühlt und was man bei diesem Sport beachten muss. Mit Superman- Feeling hat das nichts zu tun.“ Als ich mithilfe eines Sicherungsseils auf den hölzernen Vorsprung am Ende des Geländes gezogen werde, fühle ich mich trotzdem wie ein Held. Drei weitere Male steige ich die rund 200 Stufen zum Absprung heute noch hinauf. Bis zum Auftakt der Vierschanzentournee bleiben mir schließlich nur noch sechs Monate.

Sascha König