Manchmal helfen selbst Gewaltdiäten und ein eisernes Fitnessprogramm nicht. Die 20-jährige Carmen aus Düsseldorf hat es probiert: „Ich hatte mich von 58 Kilo auf knapp 50 Kilo runtergehungert und war mehr als zwei Jahre lang dreimal die Woche im Fitnessstudio. Aber die Fettpolster an den Innenseiten meiner Oberschenkel gingen einfach nicht weg.“ Die ein Meter sechzig große Abiturientin entschied sich für eine Fettabsaugung als letzte Möglichkeit und freut sich über ihr neues Lebensgefühl:“Meine Beine haben früher aneinander gescheuert. Ich konnte keine Röcke tragen und ging mit Boxershorts statt Bikinihöschen ins Freibad. Jetzt kann ich anziehen, was ich will.“

Kleiner Eingriff mit großer Wirkung. Trotzdem sollte man sich den Schritt gut überlegen. Eine Operation ist auch ein Einschnitt ins Leben. Schlankere Schenkel machen nicht glücklicher, wenn die Selbstwahrnehmung gestört ist. Besonders junge Menschen setzen die Maßstäbe für die Schönheit immer höher und orientieren sich an unerreichbaren Vorbildern: Beine wie Uma Thurman, Brüste wie Christina Aguilera oder ein Sixpack wie 50 Cent. Seriöse Spezialisten behandeln deshalb nur Minderjährige mit drastischen Befunden und schicken Patienten nach Hause, die offensichtlich an Schönheitswahn leiden – für die wäre jede OP nur der Einstieg in einen Teufelskreis. In Carmens Fall war die Liposuktion (Lipo = Fett, Suktion = Absaugung) trotz ihres jungen Alters vertretbar. Ab dem 40. Lebensjahr sitzt das Fett besonders hartnäckig an den Problemzonen, je früher man genetisch bedingte Polster wegnimmt, desto weniger können sie sich mit zunehmendem Alter ausbreiten. Ein weiteres Argument für eine frühe Fettabsaugung: Ab 40 erschlafft das Gewebe, und die Haut strafft sich nicht mehr so gut.

100 000 Menschen lassen sich jedes Jahr in Deutschland ihr Fett absaugen. Circa 90 Prozent davon sind Frauen zwischen 18 und 38 Jahren. Sie lassen sich die meist hartnäckigen Fettdepots an Hüften, Po, Oberschenkeln oder Bauch entfernen. Die Problemzonen der Männer: Taille, Bauch und Brust. Die Verweiblichung der Männerbrust (Gynäkomastie) ist übrigens hormonell bedingt: „Ich hatte vor kurzem einen 45-Jährigen mit einem Brustumfang von 100 Zentimetern und B-Körbchengröße in meiner Klinik. Aber auch junge Manager, Fitnesstrainer oder Polizisten kommen zu mir, die sich für eine weibliche Brust schämen“, sagt der Düsseldorfer Liposuktionsspezialist Dr.Axel Neuroth, der seit 25 Jahren Fettabsaugungen durchführt.

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Fettabsaugen statt Fasten? Auf keinen Fall. Die Liposuktion darf nicht eingesetzt werden, um auf die Schnelle ein paar Kilos loszuwerden. Sie ist nur für Disproportionierte, die unter sehr hartnäckigen Fettpolstern wie Reiterhosen oder Hüftspeck leiden und bei denen weder Hungerkuren noch Gymnastik helfen. Eine Frau, die T-Shirts in Größe 34 trägt, aber Hosen in Größe 42 braucht, weil ihre Beine stämmig wie Litfaßsäulen sind, erreicht nur mit gezielter Fettabsaugung übliche Proportionen. Maximal drei Liter reines Fett sollten pro Eingriff abgesaugt werden. Kostenpunkt: An den Beinen muss man mit einer Rechnung zwischen 2000 und 6000 Euro kalkulieren, am Bauch sind etwa 2000 bis 4000 Euro fällig – und rund 4000 Euro für die vergrößerte Männerbrust.

Einmal abgesaugte Fettzellen wachsen nicht mehr nach. Wer später wieder zunimmt, setzt zunächst an anderer Stelle an. Da aber niemals alle Fettzellen in den Problemregionen abgesaugt werden, kann auch dort noch bei einer Gewichtzunahme von mehr als fünf Kilo weiteres Fett eingelagert werden – wenn auch nur in wesentlich geringerem Umfang und ohne die alte Betonung.

Es gibt verschiedene Methoden der Fettabsaugung (siehe Kasten auf der nächsten Seite). Und keine ist völlig risikofrei. Wie bei jeder Operation kann es während oder nach dem Eingriff zu Komplikationen wie Wundinfektionen oder Blutgerinnseln (Thrombosen) kommen. Unbefriedigende Ergebnisse wie Asymmetrien, Dellen oder schlaffe Haut treten dann auf, wenn ein unerfahrener Operateur ungleichmäßig abgesaugt hat. Viele Ärzte wie Dr. Gerhard Sattler von der Rosenparkklinik bevorzugen die Fettabsaugung in örtlicher Betäubung: „Der wache Patient kann sich während der Absaugung drehen und wenden, einzelne Muskelpartien anspannen oder auch der Symmetrie wegen aufstehen“, erläutert Sattler. Der Operateur habe so die Möglichkeit, das Absaugergebnis von allen Seiten zu kontrollieren und eventuell nachzusaugen. Wer den Eingriff lieber verschlafen möchte oder an einer sehr empfindlichen Stelle wie der Innenseite der Oberschenkel behandelt wird, kann auch in Dämmerschlaf oder Narkose versetzt werden. Erfahrene Ärzte erzielen mit dieser Methode gute Ergebnisse. Dr. Neuroth aus Düsseldorf: „Ich zeichne vorher am wachen Patienten an, was ich später absaugen werde. Wenn er schläft, werden eventuelle Verspannungen und Fehlreaktionen vermieden, und ich kann exakter arbeiten.“

Manche Patienten gehen schon am selben Tag wieder ins Büro, andere müssen sich eine Woche lang schonen. Bei der Tumeszenz- Anästhesietechnik läuft die Betäubungsflüssigkeit über drei Tage aus den Injektionsstichen heraus. Diese Nassperiode entfällt bei der OP in Dämmerschlaf oder unter Narkose. Kompressionsmieder oder Strümpfe müssen rund vier Wochen getragen werden, damit sich die Haut an die neue Kontur anpasst und festigt. Der Muskelkaterähnliche Schmerz hält maximal drei Wochen an. Dann sind auch Schwellungen und blaue Flecken verschwunden. Und spätestens nach sechs Wochen kann man seine neue Silhouette im Spiegel bewundern. Im Idealfall ist dann das gewünschte Fett weg und die Haut schön straff. Bei der 27-jährigen Kerstin aus Berlin hätte eine Fettabsaugung allein nicht gereicht. Nach zwei Schwangerschaften und Diäten mit Jojo-Effekt hing ihr Bauch, war vernarbt und faltig. Die hässliche Fettschürze ließ sie sich durch eine Bauchdeckenstraffung plus Liposuktion entfernen. „Ich wog nach meiner ersten Schwangerschaft mit 19 Jahren 113 Kilo. Ich habe dann zwar 45 Kilo abgenommen, aber meine Haut hing immer schlimmer“, erzählt Kerstin. Nun erinnert nur noch eine schmale Narbe an die alten Zeiten. „Ich habe noch immer keine Modelfigur, aber mein Bauch ist so gut wie weg.“

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FETT ABSAUGEN – ALLE FAKTEN AUF EINEN BLICK

TLA, Vibrationskanüle, Laserlipolyse: PRINZ erläutert die entscheidenden Fachbegriffe und Methoden, nennt Vor- und Nachteile. Außerdem alles über Kosten, Risiken, Nebenwirkung und die richtige Arzt-Qualifikation

Methoden: Die häufigste, weltweit angewandte Methode ist die Tumeszenz-Fettabsaugung ohne oder mit Lokalanästhesie (TLA). Der Operateur spritzt dabei eine Mischung aus Kochsalzlösung, Adrenalin und gegebenenfalls lokal wirkendem Betäubungsmittel in das Gewebe der abzusaugenden Körperregion. Das Adrenalin begrenzt den Blutverlust. Die Lösung pumpt das Fettgewebe auf und sorgt dafür, dass sich die Fettzellen von umliegenden Nerven und Blutgefäßen lösen. Über winzige Schnitte werden nun zwei bis drei Millimeter dünne Mikrokanülen unter die Haut geführt. Seit Ende der neunziger Jahre werden für die meisten TLA-Eingriffe vibrierende Kanülen benutzt. Sie gleiten besonders sanft durch das Gewebe, rütteln das Fett förmlich heraus und schonen dabei Lymph- und Blutgefäße. Damit später keine entstellenden Dellen und Furchen entstehen, arbeiten die meisten Operateure ausschließlich in der mittleren und tiefen Fettschicht. Sehr erfahrene Ärzte können auch extrem dicht, nur ein bis zwei Millimeter unter der Hautoberfläche, arbeiten. Dadurch ist es möglich, eine bessere Glättung und Straffung der Haut zu erzielen. Feinste Vibrationskanülen werden teils fächerförmig, teils parallel in die Haut eingeführt, um ein engmaschiges Bindegewebsgeflecht, ähnlich der festeren männlichen Hautstruktur, zu erzeugen und sogar leichte Cellulite zu bekämpfen. Die Ultraschallfettabsaugung ist nur für dicke Fettschichtlagen wie die Bauchdecke geeignet, weil das zusätzlich erforderliche Kühlmantelrohr die Kanüle wesentlich verdickt und der Operateur deshalb nicht so fein arbeiten kann. Auch bei dieser Methode wird das Gewebe vorher mit einer Tumeszenzlösung gelockert. Durch Übertragung der Hochfrequenzwellen werden die aufgeweichten Fettzellen zum Implodieren gebracht und vorsichtig aus dem Gewebe gedrückt. Verbliebenes Fett wird mit dünnen Kanülen abgesaugt. Es gibt nur wenige Spezialisten, die diese riskantere Methode beherrschen. Auch die Laserlipolyse zerstört die Fettzellen, bevor sie abgesaugt werden. Allerdings besteht hier die Gefahr, dass nicht alle Fettzellen entfernt werden.

Arztwahl: Fachärzte für ästhetisch-plastische Chirurgie, spezialisierte Dermatologen, HNO- und MKG-Ärzte sowie Gynäkologen, die seit mehreren Jahren nach bewährten Methoden wie Tumeszenz- und Vibrationstechnik absaugen.

Kosten: Zwischen 1500 Euro und 6000 Euro inklusive Narkose. Die Krankenkasse übernimmt keine Kosten. Zu beachten: Schönheitschirurgie ist mehrwertsteuerpflichtig.

Folgen: Bis zu drei Wochen Schwellungen, Blutergüsse und eventuell leichte Schmerzen. Schonzeit ein bis fünf Tage. Sichtbares Ergebnis nach frühestens vier Wochen, endgültiges Resultat spätestens nach sechs Monaten.

Kathrin Kunterding