Es klingt weißgott verlockend. Mit minimalem Zeitaufwand, ja sogar ohne einen Tropfen Schweiß zu vergießen, sollen zahlungskräftige Kunden in den modernsten Fitnesseinrichtungen nach fünf Besuchen bis zu einer ganzen Kollektionsgröße verlieren können. Oft soll gar der Gang ins Fitnessstudio unnötig werden: Hypoxi, Power Plate, Vacustyler und andere Wunderwaffen gegen Fettschicht und Bequemlichkeit stehen in Schönheitssalons, Solarien und ersetzen inzwischen selbst zuhause das Trimmrad aus den Achtzigern. Sting, Barbara Becker und die Deutsche Nationalelf bestätigen öffentlich die formende und Fitness steigernde Wirkung des Power Plate. PRINZ Nürnberg traf im Rahmen der Recherche die wichtigsten regionalen Anbieter von Cyber Fitness, aber auch Dr. med. Rainer Müller-Hörner in der Fürther Euromed Clinic. Er ist Allgemeinmediziner und Sportarzt, betreut die Kader des Olympiastützpunkts Bayern Nord – zum Beispiel die sehr erfolgreichen Tae’kwon-do-Asse aus Franken – und ist selbst nebenbei erfahrener Fitness-Nutzer. PRINZ wollte von ihm wissen: Für wen sind die modernen Methoden überhaupt geeignet und was kann man sich davon an Fitnesszugewinn erwarten.

PRINZ:Herr Doktor Müller-Hörner, Cyber Fitness könnte den Trainingsalltag des Breitensportlers erheblich verändern und vereinfachen. Welche Erfahrungen haben sie persönlich mit diesen Geräten gemacht?

Müller-Hörner: Bei der Frage nach der Wirkung dieser Geräte gilt es zunächst zu klären, was Fitness überhaupt bedeutet. Der Begriff beschreibt vor allem drei wichtige Grundpfeiler: Ausdauer, Kraftaufbau und Flexibilität. Bereits bei der Ausdauer muss jedem Trainierenden klar sein, dass Cyber Training allein medizinisch betrachtet praktisch keine Steigerung bewirken kann. Dazu müsste bei regelmäßigem Sport das Herz-Kreislaufsystem angeregt und langfristig mehr und mehr in seiner Leistungsfähigkeit ausgebaut werden. Zweimal pro Woche für zehn Minuten zu trainieren, halte ich persönlich für eher wenig Erfolg versprechend. Die Intervalle sind schlicht zu kurz und erlauben auch kaum eine zeitliche Ausweitung, also Steigerung. Physiologisch mindestens genauso fragwürdig ist für mich das Versprechen eines schnellen Muskelaufbaus. Darüber kann man sicherlich streiten, jedoch ist auch beim Krafttraining die Dauer der Belastung entscheidend. (Die Hersteller berufen sich auf die Hochfrequenz oder die vielfache Potenzierung jeder einzelnen Übung – es spricht also das Argument Dauer gegen das der Intensivität bei den diversen Geräten. Anm. d. Red.) In Hinblick auf die Flexibilität kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ich selbst Dehnübungen auf einem Vibrationsgerät mache. Da ist ein Erfolg durchaus spürbar und lässt sich auch physiologisch begründen.

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PRINZ: Viele Menschen versuchen primär mit diesen Geräten schnell und bequem Fett abzubauen. Wie sind die Erfolgschancen?

Müller-Hörner:Grundsätzlich gilt: Wenn Fett verflüssigt und angeblich im Blut abtransportiert werden soll, wäre dafür ein Transportprotein nötig. Weiterhin muss das Fett vom Blut zu einer Abbaustelle gelangen, denn würde es im Blut bleiben, käme es über kurz oder lang zu einer Fettembolie. Der Abbau kann vom Blut aus eigentlich nur in Nieren oder Leber stattfinden. Medizinisch ist das mit den Nieren äußerst fragwürdig, denn Fett im Urin wäre eine sehr außergewöhnliche Sache. Gelangt das Fett in die Leber, kann das ebenfalls negative Folgen haben. Gesunder Fettabbau bedeutet Verbrennung. Schilddrüsenüberfunktionen oder konsumierende Tumore bauen auch Fett ab, sind aber medizinisch eine Gefahr.

PRINZ: Herkömmliches Fitnesstraining behält also seine Berechtigung für jedermann?

Müller-Hörner: Ich persönlich empfehle klassische Fitnessstudios und zirka zweieinhalb Stunden ausgewogenes Training pro Woche, wie es die Gesundheit jeweils zulässt. Stoffwechsel, Herz- Kreislaufsystem und Physiologie lassen sich mit Technik nicht überlisten. Nachhaltige Erfolge kann jeder erzielen, der dauerhaft regelmäßig trainiert. Fettabbau läuft am natürlichsten über Verbrennung, also Energieverbrauch. Als Ergänzung zum herkömmlichen Fitnessstudio ist zum Beispiel das Power Plate durchaus sinnvoll. So kann die Lendenwirbelsäule davon profitieren. Wie gesagt: Ich nutze selbst vergleichbare Geräte. Meine Kollegen aus der Gynäkologie arbeiten mit ihren Patientinnen in der Ästhetischen Medizin ebenfalls auf dem Power Plate. Schädlich ist das Training darauf mit professioneller Anleitung sicherlich nicht. Vor allem, wenn es in Verbindung mit einem Fitnessstudio stattfindet.

PRINZ:Wie erkenne ich denn ein gutes Studio?

Müller-Hörner: Ganz klar: Das ist die subjektive Wahrnehmung eines jeden Einzelnen. Am besten kaufen sich Interessierte erstmal eine Zehnerkarte und testen, ob sie wirklich umfassend betreut und beraten werden. In einem Probetraining wird das immer der Fall sein. Aber über zehn Termine stellt sich oft ein klareres Bild ein. PRINZ: Sollte ich vor dem Training einen Arzt besuchen?

Müller-Hörner: Nach längeren Fitnesspausen genügt ein kurzer Arzttermin, um die Belastbarkeit zu checken. Wer bekannte Verletzungen hat, sollte diese in Bezug auf das Training beurteilen lassen.