Surround ist Psychologie. So wie ein guter Wein aus schönen Gläsern besser schmeckt, gewinnt ein Film an Spannung und Dramaturgie, wenn er den Zuschauer in seine Mitte nimmt und mit Klang umhüllt. Schade nur, dass der Kinofreund hierfür meterlange Kabel unter Fußleisten klemmen oder quer durchs Wohnzimmer verlegen muss – und am Ende von lauter Boxen umzingelt ist. Denn ein klassisches 5.1-Surroundsystem besteht aus je zwei hinteren und vorderen Lautsprechern sowie einer vorn zentral platzierten Center-Box. Hinzu kommt Subwoofer für spürbare Bässe. Das Kürzel 2.1 dagegen steht für neue Bescheidenheit: Nur zwei Lautsprecher plus Bass sind nötig, damit ein Hubschrauber akustisch nicht nur von links nach rechts fliegt, sondern den Zuschauer sogar das unheimliche Gefühl hat, etwas hinter seinem Rücken zu hören, obwohl er weiß, dass dort keine Boxen stehen. Die Phantom-Lautsprecher sind das Ergebnis raffinierter Tricks. Zum einen gaukelt eine Elektronik dem Ohr per Frequenzmanipulation Raumklang vor. Zum anderen stecken häufig in den Chassis jedes Speakers zwei Lautsprecher, die die Schallwellen unterschiedlich abstrahlen und so einen weiteren Beitrag zum virtuellen Surround- Sound liefern. Die Reflexion des Schalls durch Zimmerwände verstärkt das akustische Trugbild noch.

Der fehlende mittlere Lautsprecher (Center), der häufig die Filmdialoge wiedergibt, wird ebenfalls durch ein Zusammenspiel der zwei Lautsprecher simuliert. Um alle Effekte optimal wahrnehmen zu können, muss der Zuschauer aber möglichst zentral sitzen. Deshalb arbeiten manche Hersteller auch mit rundum ausgestrahlten Klangfeldern, die den Zuschauer überall mitten ins akustische Geschehen setzen. So kompliziert ihre Technik, so einfach ist die Installation einer 2.1-Anlage: drei Kabel, ein Netzstecker, fertig. Das Bassmodul fällt gern klobig aus, doch man darf es ja an beliebiger Stelle platzieren, da unser Ohr die Quelle tiefer Töne ohnehin nicht orten kann. Die 2.1-Anlagen links unterscheiden sich in technischen Details und vor allem in der Ausstattung. Neben DVDPlayer, Radio und Verstärker besitzen einige Festplatten, um Musik zu speichern. Andere können ans Heimnetzwerk angeschlossen werden und so MP3-Dateien vom PC laden oder Internetradio empfangen.

Kritiker werfen der 2.1-Simulation vor, dass sie mit echtem Surroundklang nicht mithalten kann. Doch ziehen sie den falschen Vergleich. Man darf eine 2.1-Anlage nicht mit einer 5.1-Installation vergleichen, sondern mit der Stereowiedergabe. Dann erkennt man den Gewinn. Natürlich schaffen es 2.1-Anlagen nicht, dass ein knackender Ast im Rücken des Zuschauers den Anschleicher verrät. Doch erzeugen sie ein voluminöses Klangbild, das den Betrachter mit dem Sound des Films umhüllt und so emotional an das Geschehen bindet. Und genau das ist Heimkino. Mit Preisen ab 1000 Euro bieten die Systeme viel Leistung für wenig Geld, zumal sie Stereoanlage und DVD-Spieler ersetzen. Und hinter manchen Türen retten sie auch den häuslichen Frieden, weil sie im Gegensatz zum 5.1-Gerätepark nicht das Wohnzimmer verunstalten.

Hartmut Krafczyk

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