PRINZ: Das „Fornika“-Comeback der Fantastischen Vier liegt noch nicht lange zurück. Wann ist dein Entschluss gereift, so zeitnah mit einem neuen Solo-Album nachzulegen?
Thomas D: Es war einfach so, dass „Fornika“ echt gut lief. Besonders Michi und ich als Textschreiber-Duo hatten einen Lauf. Ich hatte einfach das Gefühl: Das ist geil, das macht Spaß – wieso sollte ich jetzt aufhören? Ich bin so im Fluss, das sollte ich nutzen. Und dann habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich mit solo? Ich hab dann einfach ohne ein großes Thema, ohne eine „Überschrift“ sozusagen, losgelegt. Ich habe befreundete Musiker angerufen und sie gefragt: Wie hört sich Thomas D für dich an? Das war ein spannender Ansatz, um Einflüsse von außen zu bekommen. Und plötzlich war ich mit 20 verschiedenen Songs beschäftigt.

PRINZ: Dein erstes Solo-Album war 1997 auch dank des Songs „Rückenwind“ eine Platte, die vielen 17-, 18-Jährigen der damaligen Zeit sehr wichtig war. Die sind jetzt aber, genau wie du, elf Jahre älter. Was denkst du, welche Leute die Musik des Thomas D heute anspricht?
Thomas D: Ich wollte definitiv dieses Gefühl wieder hinkriegen, für das „Rückenwind“ damals stand: diesen Spaß. Ich denke aber, dass das Album eine sehr große Bandbreite abdeckt: Klar sind da diese „Rückenwind“-Sachen drauf, wie zum Beispiel „Get on board“ oder „Ride on“. Aber natürlich finden sich unter den 18 Tracks auch Perlen für die Leute, die auf „Krieger“ stehen oder mit „Lektionen in Demut“ ihren Thomas D gefunden haben. Ich glaube, mir ist ein leichtes Album gelungen, das trotzdem über genügend Tiefe verfügt.

PRINZ: Wem ist der aggressive Rundumschlag „Vergiftet im Schlaf“ gewidmet?
Thomas D: Es richtet sich gar nicht speziell gegen irgendjemanden. Der Song ist mehr so eine Funktion, die ich jedem zur Verfügung stelle, der einen Hass auf irgendwas hat. Ich wollte einfach mal wieder so ein richtiges Abkotzstück schreiben, mit dem ich sage: „Fickt euch doch alle!“ Damit bin ich jetzt durch, und jetzt kann ich mich auch wieder den angenehmen Seiten des Lebens widmen.

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PRINZ: Hast du „Neophyta“, einen Song, der sich sehr speziell an deine Tochter richtet, absichtlich so konzipiert, dass er in der Zukunft spielt?
Thomas D: Natürlich kannst du so einen Song nicht deiner fünfjährigen Tochter vorspielen und sagen: „Guck mal, das hat der Papa für dich gemacht!“ Mich hat einfach dieser Gedanke beschäftigt, dass der Abnabelungsprozess eines Kindes sprichwörtlich mit der Geburt beginnt und ein ständiger Prozess bleibt. Ich kümmere mich schließlich auch nicht darum, was meine Eltern jetzt gerade machen. Um diese Entwicklung geht es in dem Song. Aber obwohl der Song durch meine Tochter inspiriert wurde, hat letztens ein Mädchen zu mir gesagt, dass sie das Stück auf ihre beste Freundin bezogen hat. Ich glaube, dann ist es Kunst: Wenn man es auf sein Leben anwenden kann, auch wenn man – wie in diesem Fall – keine Kinder hat.

PRINZ: Das Leitmotiv des Albums scheint die „Hoffnung“ in all ihren Facetten zu sein. Außer in „Symphonie der Zerstörung“ …
Thomas D: Der Song ist eine Betrachtung der Liebe, wie ich sie immer wieder bei anderen Leuten beobachte. Bei Leuten, die sich nicht mehr verlieben wollen, nichts mehr fühlen und keine Zuneigung mehr empfinden wollen – weil sie irgendwann einmal verletzt worden sind. Dieses Gefühl wollte ich auf den Punkt bringen. Aber ich gebe zu, dass der Song schon ziemlich bitter und der Text auch echt hoffnungslos ist.

PRINZ: Stimmt es, dass du „Rückenwind“ erst ungefähr fünfmal live performt hast? Wirst du den Song bei deiner Tour im Dezember denn im Programm haben?
Thomas D: Bei der Tour zu „Lektionen in Demut“ hat „Rückenwind“ atmosphärisch einfach nicht ins Set gepasst. Da hab ich außer dem Album nur noch „Krieger“ und „Liebesbrief“ gespielt. Aber zusammen mit den neuen Abgehnummern wie „Get on board“ wird es auf der neuen Tour sicher ein Highlight sein.

Interview: Tim Sohr