„Die Menschen haben verstärkt den Wunsch, Produkte selbst zu gestalten. Das Geschäftsfeld personalisierte Produkte hat einen geschätzten Wert von mehr als 20 Millionen Euro“, doziert Lukasz Gadowski, Gründer von Spreadshirt. Mit seiner Website kommt er dem steigenden Bedürfnis nach Individuellem nach. Auf der Seite können User T-Shirts nach eigenen Wünschen gestalten und online zum Verkauf anbieten. Für Produktion, Versand und Zahlungsabwicklung ist sein Unternehmen mit Hauptsitz in Leipzig zuständig. Eine simple Geschäftsidee, die Spreadshirt 2006 laut Mittelstandsranking zur Nummer fünf der am schnellsten wachsenden Unternehmen in Europa machte. Der heute 30-Jährige gründete seine Firma noch während seines BWL-Studiums – kurz nachdem die erste New-Economy-Blase geplatzt war. „Das Internet hatte damals einen sehr schlechten Ruf, und ich konnte keine Investoren für mein Vorhaben finden“, erzählt Gadowski am Telefon zwischen zwei Geschäftsterminen von Paris aus. „Also habe ich Spreadshirt eben ohne Budget gegründet.“

Heute wird sein Umsatz auf mehr als 15 Millionen Euro geschätzt. Aus anfangs zwei Mitarbeitern sind mehr als 250 geworden – darunter auch sein eigener Vater, den Gadowski als technischen Werksleiter einer seiner Produktionsstätten in Polen beschäftigt. 300 000 Shoppartner umfasst das Spreadshirt-Imperium, dazu zählen Pro Sieben oder Bands wie Fettes Brot, die mithilfe der Seite Shirt-Merchandising betreiben. Sogar den amerikanischen Markt hat Gadowski mit Spreadshirt erobern können, seit 2005 ist die Firma dort mit einem Tochterunternehmen vertreten. Binnen fünf Jahren ist er in den internationalen Kreis der Internet-Überflieger aufgestiegen. Auch Facebook-Millionär und Studienabbrecher Mark Zuckerberg hat Gadowski getroffen. „Kurz nach dem Start von Studi-VZ, an deren Gründung ich beteiligt war, kreuzten sich unsere Wege in Silicon Valley. Ich erzählte Mark, dass wir in Deutschland mit einer ähnlichen Seite wie Facebook an den Start gegangen seien und bereits 120 User hätten. Er fragte zurück: ,Ah, 120 000 User?‘ Als ich sagte: ,Nein, 120′, verlor er das Interesse.“

Gadowski ist mit 30 Jahren an einem Punkt seiner Karriere angelangt, an dem er sich auf seinem Erfolg ausruhen könnte. Doch eine Pause gönnt er sich nicht. „Mein Job bringt mir einfach zu viel Spaß.“ Zwei Tag pro Woche arbeitet er von seinem Büro in Leipzig aus, den Rest der Zeit wirbt er in Europa und dem Rest der Welt für seine Firma. Nebenbei investiert der umtriebige Unternehmer in hoffnungsvolle Internet-Start-ups – unter anderem besitzt er Anteile an Mymuesli. Gadowski gibt zu: „Ich könnte mich bereits zur Ruhe setzen. Aber was soll ich in einem Haus in der Karibik? Da würde ich mich nach einer Woche langweilen.“