Ihre Plattenfirma Warner hatte geladen: Vor ein paar Dutzend Journalisten und handverlesenen Fans gab Alanis Morissette am Montag in der Hamburger Speicherstadt ein exklusives Mini-Konzert. Anlass war die Vorstellung ihres neuen Albums „Flavors of Entanglement“, das Ende Mai in Deutschland erscheint (noch vor dem US-Release).

Zu Beginn wurden die Wartenden mit 7 Stücken aus diesem neuen Album beglückt – vom CD-Player. Fazit: Ja, irgendwie typisch Alanis – die Stücke beginnen immer sanft und harmlos und dann knallt ein rockiger Refrain durch. Aber man spürt, dieser rotzig-rockige Druck kommt nicht mehr aus ihrer Persönlichkeit, sondern vor allem aus der fetten Produktion von Guy Sigsworth, der schon Björk produziert hat: harte Gitarrenflächen, durchmischt mit etwas Elekronik, jeder Menge Tablas und indisch anmutenden Streicheinlagen. Ganz nett, aber bis auf ein, zwei Stücke bleibt da nichts in Erinnerung.

Ganz anders ist das mit der Person Alanis Morissette: Die 33jährige, die danach die kleine Bühne betritt, ist eine strahlend schöne Erscheinung, die nicht nur die männlichen Gäste beeindruckt. Allerdings fragten sich viele, warum sie sich die schönen langen Locken blond gefärbt hat und in einer hautengen Wurstpelle samt langen Stiefeln steckte, die eher an Britney Spears erinnerte. Egal: Was sie da mal eben lächelnd mit zwei Gitarristen an ihrer Seite vom Hocker haute, zeigte ihre eigentliche Stärke: ganz pur, unplugged, ist sie einfach am stärksten.

Im anschließenden Interview mit dem netten, ein wenig selbstverliebten Moderator Alan Bangs erzählte sie denn auch, dass sie die Stücke in London und L.A. ratz-fatz eingespielt hat, dass sie teilweise quasi live im Studio entstanden – und dass sie den Rest ihrem Produzenten überließ und die Nächte lieber für ihren Schönheitsschlaf nutzte. Diese Schönheit und die Entspanntheit einer Person, die sich bei Reisen nach Indien und Bali, beim Tauchen vor Neuseeland oder beim Malen und Schmuckdesignen ganz der eigenen Vervollkommnung hingeben kann, machten dem Fragesteller sichtlich zu schaffen. Immer wieder versuchte er, Ecken, Kanten und Abgründe in der Persönlichkeit von Alanis freizulegen – und bekam nur entspanntes Lächeln und druckreife Lebensweisheiten. Und dann schwebte Alanis, die strahlende, wieder nach hinten – zu all ihren Freunden und ihren Hunden, die sie überallhin begleiten („They are troopers!“). Aber natürlich nicht, ohne angekündigt zu haben, dass man in Deutschland in diesem Sommer noch viel von ihr zu sehen bekommen wird. Warner sei Dank.
Michael Schömburg