Johanna Straubs Debüt hat etwas Voyeuristisches. Der Leser wird ins Leben von Philippa geschubst – und stolpert von Kapitel zu Kapitel über einiges, das Philippa selbst wohl nie erfahren wird. Zum Beispiel, dass ihr Vater in den letzten Stunden vor ihrer Geburt noch einmal einen Fluchtplan durchspielt: „Noch könnte ich. Richtung Süden, solange der VW mitspielt, hoffentlich schneit es nicht. Vögelfrei, wie Rüdiger es nennt. Zu Anagret in Köln. Von vorne anfangen.“ Oder dass ihre erste Liebe bereits anfängt, ihre Beziehung in Gedanken rückwärts zu spulen, weil Philippa für ein Jahr nach Kanada gehen will. Oder – etwas später – dass ihre beste Freundin mit ihrem Freund und späteren Ehemann Daniel rummacht. Zwölf Menschen, die Philippa nahestehen, erzählen in zwölf Kapiteln aus Philippas Leben – von ihrer Geburt bis zur der ihres Enkels. Die Perspektivenwechsel und Zeitsprünge sind zuweilen verwirrend, aber es lohnt sich, das Puzzle zusammenzusetzen. Ein wunderbar erzählter und temporeicher Roman.