„Poesie als Lebensform“ lautet der Slogan des wunderbaren Verlags Kook Books – und Monika Rinck erfüllt ihn voll und ganz: Ihr Gedichtband „Zum Fernbleiben der Umarmung“ besticht durch Sprachgefühl und Raffinesse, und ihr Essay „Ah, das Love-Ding“ ist ein Meisterstück. Es geht um die besondere Dynamik von Gruppen und Cliquen, den Schritt vom Ich zum Wir. Klingt anspruchsvoll – und ist es auch. Die Erzählerin jongliert virtuos mit Theorien von Foucault, Platon und Freud. Ihre Gedankenströme fließen von Robert Musil über Helge Schneider zu Bob Dylan. Währenddessen gleitet sie mit ihrer Dialogpartnerin Veronika durch die Nacht. Sie tanzen, trinken und diskutieren bis in den frühen Morgen. Der Leser bleibt ihnen stets dicht auf den Fersen. Die bemerkenswert leichte, assoziative Sprache trägt ihn spielend durch den Text. Am Ende hat er Erkenntnisse und ebenso viele neue Fragen gewonnen. „Letztlich muss das Denken ja nur ins Leben gerufen werden“, sagt Monika Rinck, „um den Gedanken einen Raum zu schaffen.“