THE POLICE
Sting, Andy Summers und Stewart Copeland gehörten 1977 zu den aufregendsten Musikern Englands – mit Songs wie „So Lonely“,“Roxanne“, „Message In A Bottle“ und später „Every Breath You Take“ stürmte das Trio die vorderen Plätze der weltweiten Charts. Schnell spielten sie in großen Hallen, wie im Januar 1982, als ich The Police vor 7000 Zuschauern in der Hamburger Ernst-Merck-Halle sah. Streitigkeiten zwischen Copeland und Sting, die in Faustkämpfen und Rippenbrüchen gipfelten, gaben der Band 1986 den endgültigen Knockout. Warum wollen die zerstrittenen Kinder nach 30 Jahren jetzt wieder zusammen spielen? Sting: „Ich wollte etwas machen, was die Leute überrascht. Mich überrascht.“ Und wirklich: Die ersten Konzerte in Nordamerika waren energiegelandene Rockshows mit einem erstaunlich bewegungs- und spielfreudigen Trio, das nicht wie befürchtet hüftsteif und lustlos sein Best-of-Programm herunterleierte. Neue Songs gab es trotzdem nicht zu hören. Allein 100 Millionen US-Dollar kassieren die drei für ihre Nordamerika-Tour. „Natürlich ist Geld auch ein Grund für die Reunion“, gibt Copeland offen zu, „aber viel wichtiger: Wir gingen im Streit auseinander, jetzt wollen wir endlich Frieden schließen.“

TAKE THAT
Als Gary Barlow, Mark Owen, Jason Orange und Howard Donald im Herbst 2005 bekannt gaben, Take That ohne Robbie Williams wieder zu vereinen, hielt ich das für einen schlechten Scherz.Wie soll das denn funktionieren? Gary Barlows und Mark Owens Solokarrieren nach der Auflösung von Take That waren nur mäßig erfolgreich. Howard Donald arbeitete wieder als DJ, Jason Orange als Schauspieler.Nur Robbie Williams hat es auf größere Bühnen geschafft. Elf Jahre sind seit der tränenreichen Trennung vergangen. Was letztes Jahr zunächst noch abwegig war, wurde plötzlich sehr verlockend: Take That gingen im Frühjahr 2006 auf große England-Tour, und ich wollte unbedingt dabei sein, der alten Zeiten willen. Ich hatte mir schon ausgemalt, wie es wohl wäre, mit allen Freundinnen wieder vor irgendwelchen Konzerthallen zu campen, um dann total hysterisch in der ersten Reihe zu stehen.Ob das alte T-Shirt noch passt, und wo sind eigentlich die Zeitungsschnipsel, die ich vier Jahre lang akribisch ausgeschnitten hatte? Einziger Schönheitsfehler in dieser Vorstellung: Innerhalb von 30 Minuten waren alle Karten ausverkauft. So musste ich mir, wie viele andere auch, einen Reim aus der Berichterstattung machen. Und da gab es eine Lobeshymne nach der anderen. Zwar tragen Take That statt Hotpants und Kettenhemden jetzt schnieke Anzüge, aber ansonsten hat sich nicht viel verändert. Die Tanzschritte wurden ihrem Alter angepasst, die größten Hits aneinandergereiht und so allen gezeigt, dass sie die coolste Boyband waren. Entstanden ist eine kleine Reise in die eigenen Teenager-Tage ohne die peinlichen Bilder mit Zahnspange und Pickeln. An ein richtiges Comeback hatte ich immer noch nicht geglaubt, doch mit „Beautiful World“ gab es vergangenen November plötzlich Album Nummer vier.Dazu dann auch den ersten Fernsehauftritt bei uns – passenderweise bei „50 Jahre Bravo“. „Patience“ wurde die erste Single, und dass sie sich auf Anhieb Platz eins in den Charts sicherte, überraschte mich nicht. Eher die Tatsache, dass mir der Song sofort gefiel. „Du kannst eine Tour mit Nostalgie verkaufen. Das haben wir getan“, so Jason Orange. „Aber du kannst kein neues Album verkaufen auf dieser Basis – es muss einfach gut sein.“ Aus der befürchteten in die Jahre gekommenen Teenie-Sensation ist eine gereifte Popband geworden. Mich freut es sehr, dass aus ihrem Comeback keine Lachnummer geworden ist, auch wenn Take That mittlerweileWerbe-Jingles für Pro Sieben singen. Vielleicht interessieren sie mich musikalisch nicht mehr wirklich – ihre Deutschlandtour lass ich mir dennoch nicht entgehen. Allein schon, um während „Could It Be Magic“ Robbie Williams als Hologramm umringt von den anderen vier zu sehen.

FREUNDESKREIS
„Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte“, rät uns eine schwäbisch gefärbte Stimme eindringlich – und klärt im gleichnamigen Song zu jazzig-lässigen Klängen über CIA-Verstrickungen, ABC-Waffen und Bürgerkriege in der Welt auf. Politische Themen im Reimgewand, dazu elaborierte Instrumental-Kompositionen – was Max Herre, Don Philippe und DJ Friction alias Freundeskreis 1997 in den deutschen Hip- Hop brachten, hatte es bis dato nicht gegeben. Ein Vorhaben mit Vorsatz: „Wir haben damals geglaubt, die deutsche Musik zu revolutionieren“, erinnert sich Don Philippe heute. Es folgten weitere Hits wie „A-N-N-A“, „Esperanto“ und „Tabula Rasa Pt.1“, bis passierte, was mit jeder guten Revolution irgendwann passiert – sie frisst die eigenen Kinder: „Irgendwann wollten alle, dass ich zu sämtlichen politischen Themen eine Meinung habe. Das wurde mir zu ernst“, sagt Max. Im Jahr 2000 lösen die drei den Freundeskreis auf – jetzt knüpfen Sie die alten Bande wieder, für einen Sommer zumindest. „Es gab eine Anfrage vom Splash-Festival, ob wir zu deren und unserem zehnjährigen Geburtstag was machen wollen, und aus dieser Idee ist dann eine ganze Festivaltour geworden sowie das Best-of-Album ,FK 10‘“, erzählt Frontmann Max Herre. Und betont gleichzeitig, dass es dabei bleiben wird: „Als Freundeskreis war es das, wir haben alle unsere eigenen Projekte. Aber es ist ein schönes Gefühl zu merken, dass man nach wie vor geschätzt wird. Wir machen uns jetzt einen schönen Sommer und freuen uns sehr darauf.“

THE SMASHING PUMPKINS
„Gibt es ein Leben nach den Smashing Pumpkins?“, fragten sich die Fans am 2. Dezember 2000 im Chicagoer Club Metro – ihre Helden waren beim Abschiedskonzert nach viereinhalb Stunden von der Bühne gegangen. Für immer, wie Sänger Billy Corgan damals glaubhaft versicherte. Die provokant-nasale Stimme des Sängers gepaart mit druckvollen Gitarrenwänden und morbiden Bühnenoutfits spaltete auch die Alternative-Rock-Gemeinde in zwei Lager, die sich entweder von der homoerotisch-androgynen Ästhetik Billy Corgans angezogen fühlte oder lieber vorlieb nahm mit dem durchsichtigeren Holzfällerhemden und Stiefel Grunge von Pearl Jam und Nirvana. Zu Letzteren ließ sich wohl auf Abifeten eh viel besser abmoshen, da ihre Songs eher Mitgröl Hymnen glichen.Nach der Trennung 2000 versuchte sich Billy Corgan zunächst mit der Band Zwan, später an seiner Solokarriere, doch beides floppte. Im Juni 2005 schaltete er schließlich eine ganzseitige Anzeige in der „Chicago Tribune“: „Ich will meine Band und meine Träume zurück.“ Dieses Jahr im Mai standen die Pumpkins in Paris zum ersten Mal wieder auf der Bühne oder was von ihnen übrig geblieben ist, denn neben dem Frontmann ist nur noch Drummer Jimmy Chamberlin mit dabei. Skepsis war durchaus angebracht, doch es folgte eine fulminante, dreistündige Rockshow, die mit 29 Songs einer umfassenden Werkschau glich. Augenzeugen berichteten begeistert von massiven Progrock Sounds, die sich in Stroboskopgewittern ergossen, während die neuen Bandmitglieder Ginger Reyes (Bass), Jeff Schroeder (Gitarre) und Lisa Harriton (Keyboard) zu schmucken Komparsen in weißen Vampir Outfits degradiert wurden. 2007 sind Konzerte zu Billy Corgans One Man Show geworden. Doch es gibt noch mehr: Das neue Album „Zeitgeist“ ist eine Hommage an alte Tage, so laut und fulminant rockte die Band seit Mitte der Neunziger nicht mehr. Damals sang Billy Corgan in „Tonight, Tonight“: „Believe in me / believe in the resolute urgency of now“. Das gilt auch für heute: So dringend hat man sich die Smashing Pumpkins wirklich zurückgewünscht.

WU-TANG-CLAN
Hat sich der Wu-Tang Clan jemals wirklich aufgelöst? Mastermind und Chef RZA widerspricht dem natürlich, auch wenn das letzte reguläre Album „Iron Flag“ sechs Jahre zurückliegt. Die Geschichte seines neunköpfigen Clans ist aus dem Stoff, aus dem HipHop-Träume und -Albträume gemacht sind: Anfang der Neunziger etabliert er einen neuen, düsteren und surrealen Stil im HipHop. Gegenüber den immer sauberer werdenden Funk- und Popanleihen bei Kollegen setzen RZA und Co experimentellere Beats ein, die schnell zum Erfolg führen. Doch parallel zur Gruppe verfolgen alle Mitglieder (darunter GZA, Ol‘ Dirty Bastard, Method Man, Ghostface Killah) ihre eigenen Solokarrieren, die das eigentliche Anliegen von Wu-Tang immer mehr in den Hintergrund drängen. Ol‘ Dirty Bastard gerät mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt und stirbt 2004 nach heftigem Drogenkonsum an einem Herzinfarkt. Doch Tote leben im Hip-Hop länger, daher ist er auch auf dem neuen Album „8 Diagram“ zu hören, mit dem der Clan im Juli durch Deutschland tourt. Es soll, laut RZA, das letzte Wu-Tang-Album sein. Für viele HipHop-Fans gleicht die Tour der Auferstehung Jesu Christi, doch Vorsicht lustlos vorgetragene Konzerte aus den Neunzigern sind noch in bester Erinnerung. Daher: Erwartungen senken und Neugier walten lassen. GERÜCHTEKÜCHE
Immerhin: Der Wu-Tang Clan konnte Rage Against The Machine dazu bewegen, mit ihm im Juli in den USA zu touren. Ende April gab es bereits das erste Reunion-Konzert der Crossover-Helden auf dem kalifornischen Coachella Festival. Ob die Wiedervereinigung von längerer Dauer ist? Ähnliches gilt für die Libertines, nachdem die einst zerstrittenen Ex-Kollegen Paul Doherty und Carl Barat in England kürzlich eine gemeinsame Akustikshow gespielt haben.Gemunkelt wird auch über eine Reunion von Van Halen, Blur oder Nirvana mit dem New Yorker Songwriter Ben Kweller am Mikrofon. Ein Schock für viele Fans, die schon jetzt Kurt Cobains Raunen aus dem Jenseits hören.