Der Tag startet mit acht Jungdesignern. Was Karstadt mit dem New Generation Award, ist Peek & Cloppenburg mit dem Designer for tomorrow. Unterschied: es gibt sogar zwei Gewinner, die dann von P&C ein halbjähriges Sponsoring-Programm bekommen. Die Namen sollte ich vielleicht noch erwähnen (schließlich könnte hier der neue Lagerfeld dabei sein): Michael Sontag, Joel S. Horwitz, Julia Knüpfer, Bianca Bannach, Josefine Jarzombek, Frida Weyer, Dawid Tomaszewski und Cem Cako. Will jetzt auch nicht mit detailliertem Kram langweilen. Gewonnen haben: Joel S. Horwitz und Julia Knüpfer. Fand’s nur schade, dass Frida Weyers wirklich hübschen-hübschen Abendkleider nichts gewonnen haben. Aber die dicken Kuschelstrickkleider von der Berlinerin Knüpfer waren auch sehr überzeugend. Mal sehen, was wir von den frisch gekürten Newcomern noch so hören.

Nach einer kurzen, schnellen Mittagspause (Zeit für lange Späße draußen ist zwischen zwei Shows nicht, dafür ist der Plan einfach zu straff) macht Marcel Ostertag (www.marcelostertag.com) weiter. Der sympathische Münchner hat im letzten Jahr den Karstadt New Generation Award gewonnen und zeigt diesmal seine Kollektion und die ist mal echt umfangreich. Und er schafft es, seinen Klamotten seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Der Wiedererkennungseffekt ist gerade für noch junge Designer nicht zu verachten, schließlich sieht man auf so einer Fashion Week durchaus einige Teile, die man meint, schon mal gesehen zu haben. Ostertag setzt auf erwachsenen Glamour mit Kaschmir und Leder, Pelz, Seide und Chiffon. Sowohl der Reiterhosen- als auch der Lagenlook bleiben uns wohl auch im nächsten Winter noch erhalten. Auf die funkelnden, goldenen Kleider könnte ich persönlich verzichten, ist vielleicht eher was für Jenny Elvers-Elbertzhagen, die vor mir in der Reihe sitzt. Ansonsten sehr avantgardistisch, sehr sexy, sehr eigen.

Das Gegenteil ist bei Eastpak (www.eastpak.com) der Fall. Sexappeal ist mal komplett ausgeblendet. Hier kommt Streetwear, die irgendwie an die amerikanische Baseball-Jugend erinnert. Jeans, Longsleeve und Sneaker. Yeah. Für den einzig bleibenden Eindruck sorgte die ganz in Weiß gekleidete Band Polarkreis 18, die nebst zwei anderen Liedern ihren Smasher „Allein, allein“ zum Besten gab. Naja, und vielleicht noch der ein oder andere sportliche Rollkoffer.

Dann haben wir uns fernab des Zeltrummels am Bebelplatz eine kleine, charmante Show von Von Wedel & Tiedeken (www.vonwedel-tiedeken.de) im Shop in der Almstadtstraße angesehen. Der komplett weiße Laden war leer geräumt, bis auf die vielen weißen Luftballons an der Decke. Es folgte eine nicht minder charmante Show im kleinen Kreis. Die Sachen sind toll. Alltagslook, der aber dabei sehr besonders aussieht. Eine sehr schöne Abwechslung zu den großen Shows!

Um 17 Uhr zeigte Sisi Wasabi (www.sisiwasabi.com) alias Zerlina von dem Bussche, dass sie bei den ganz Großen mitspielt. Wir hatten ein Standing-Ticket, was wir aber ziemlich frech fanden. Gesetzt haben wir uns trotzdem. Unter die vier illustren, barocken Kronleuchter, die über dem Catwalk baumelten. Es folgte ein Augenschmaus aus viel Seide, weich fließenden, zarten Kleider, sehr femininen hoch taillierten Röcken (Röcke sind entweder hoch tailliert und sehr eng oder aber in knapper Ballonform, ist mir schon aufgefallen). Alles sehr schmeichelnd und lieblich. Die Trachten sind in nicht mehr so ganz greifbare Weiten entrückt. Einzig die schwarzen Hüte ließen davon noch etwas erahnen. Eine gelungene Show!

Ein kurzer Abstecher zum Omero-Strumpfhosen-Event (www.omerocollant.com) führte mich in eine Suite des Hotel de Rome. Hätte ich auch nicht für möglich gehalten, dass ich so ein Zimmer mal von innen sehe. Sehr opulent. In diesen Räumen zeigten Models Bein und vor allem natürlich elegante Strümpfe. Sehr nett für zwischendurch!

So, und dann der Höhepunkt des Tages: die Michalsky-Show in der sehr hübschen Zionskirche. Be happy to be invited, könnte das Motto lauten. Als ich über eine Stunde in der Kirche stand, weil ja ein pünktlicher Start um 21 Uhr angekündigt wurde und weil meine Sitzreihen hinten schon komplett voll waren, war ich nicht mehr ganz so glücklich. Hab ich mich eben einfach mal eine Stunde in Gedanken verloren, dafür ist eine Kirche nun auch nicht der schlechteste Ort. Und dann ging’s los: zuerst kam ganz viel Weiß (noch erträglich) gefolgt allerdings von sehr viel Glitzer- und Proll-Outfits, von denen ich mir wahrhaft nicht vorstellen kann, wer das bitteschön tragen soll. Mein „Lieblings“-Teil: ein schwarzer Zottelpelz, hinten soviel Zotteln, das Haare mal definitiv keinen Platz haben, und vorne bauchfrei, äh, öh. Die letzte Kollektion hatte mich tatsächlich ziemlich begeistert, aber mit dieser hat sich Herr Michalsky irgendwie doch wieder in die Ecke befördert, in die ihn Kritiker ganz gern stellen. Ganz großartig waren aber die Musik und die Location, das muss man ihm lassen.

Danach begab sich die feierfreudige eMenge in’s Stadtbad Oderberg, um gehörig zu zelebrieren. Die Promis wurden von Michael Michalsky persönlich nach oben in den ViP-Bereich geholt (ich hab nur kurz David Garrett gesehen, der eine so prollige Kette um hatte, dass mir dazu schon gar nix mehr einfällt). Unten war’s einfach eine ordentliche, ziemlich volle Party. Und ich muss dringend, schleunigst und schnell in’s Bett, um morgen noch so einigermaßen fit zu sein.