Paris Kosmidis sitzt, nur einen Katzensprung vom Schweizer Platz entfernt, in einer charmanten Bar. Seiner Bar. Dabei ist Kosmidis kein klassischer Gastronom. Viele Jahre hat er als Regisseur und Autor für Theater und Film gearbeitet. Jetzt konzentriert er sich ganz darauf, seinen Gästen das „Beste vom Besten“ zu bieten. Exquisite Weine und Delikatessen wie zum Beispiel eine Perlhuhnterrine oder französische Tartes. Das hat sich im Viertel schnell herumgesprochen. Drei Jahre nach der Eröffnung ist die Paris‘ Bar fest etabliert. Paris Kosmidis liebt die Gegend, in der sein Bistro steht. „Die Schweizer Straße ist der urbanste Teil Frankfurts“, sagt er, „hier wohnen so kosmopolitische Menschen wie der Museumsdirektor Max Hollein und der Schriftsteller Bodo Kirchhoff. Es ist zwar nur ein kleiner Teil der Welt, aber durchaus mit dem Atem der großen Welt. Meine Bar ist ein Treffpunkt von nicht-kleinkarierten Menschen.“ Von der Attraktivität der Sachsenhäuser Einkaufsmeile mit ihren vornehmen Altbauten, den vielen Feinkostgeschäften, Cafés, Bars, Restaurants, Apfelweinlokalen und kleinen Läden spricht man sogar schon in Fernost. Seit 2002 ist die Schweizer Straße fest im Reiseprogramm der japanischen Delegation verankert. Edda Reyl, Vorsitzende der „Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße“, hat bereits vier Mal Verwaltungsbeamte und Geschäftsleute aus Japan durch ihren Kiez geführt. „Die kommen aus Millionenstädten. Dort ist der Individuelle Einzelhandel völlig verloren gegangen. Aber ich habe gehört, dass die Entscheidungsträger planen, in ihrer Heimat eine Einkaufsstraße nach dem Vorbild unserer Schweizer Straße zu bauen.“ Reyl ist so etwas wie die „Mutti der Schweizer Straße“. Mit viel Engagement kümmert sie sich seit 30 Jahren um Image und Gestaltung der Shoppingmeile. Dazu gehört auch die Organisation des Schweizer Straßenfestes, das 2008 zum 25. Mal stattfindet (am 21.6.) und das zu den beliebtesten Straßenfesten der ganzen Stadt zählt. „Es gibt Leute, die verschieben ihren Urlaub, nur damit sie beim Fest dabei sein können“, weiß Reyl.

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Noch nicht annähernd so bekannt wie die alljährliche Sommerparty, aber mindestens so besuchenswert ist das Couturehaus von Lili Maras: Einmal auf die Klingel der Schweizer Straße 7 drücken und man wird eingelassen – in eine andere Welt. Kronleuchter, edle Tapeten, knarziges Parkett, Räume die das Flair großbürgerlicher Jugendstilvillen ausstrahlen. Darin: Mode, die gleichzeitig klassisch-feminin und modern ist. Die limitierten Stücke der Frankfurter Designerin sind allerdings nicht ganz billig. 400 Euro kostet ein Rock, bis zu 1300 Euro muss man für einen aufwändigen Mantel hinlegen. „Ich finde, die Schweizer Straße hat französisches Flair. Das passt zu gut meiner Mode: chic und trotzdem lässig“, sagt Lili Maras. Tolle und teure Designermode bekommt man auch eine Gehminute weiter bei Allure. Dort locken Entwürfe von Patrizia Pepe oder Jean Paul Gaultier fashionbegeisterte Frauen an. Etwas günstiger, aber dennoch sehr trendy sind die Klamotten italienischer Labels, die man in den Läden Incognito und Kristor kaufen kann. Wer nach dem Shoppingbummel eine Pause braucht, sollte sich ein Eis, Pralinen oder Kuchen von Dulce gönnen. Dort wird alles handgemacht und mit natürlichen Produkten zubereitet. Oder man flaniert zum nahe gelegenen Mainufer mit seinen vielen Museen und dem bombastischen Blick auf die Hochhaus-Skyline auf der anderen Seite des Flusses. „Früher war das Mainufer ein Ort, den man abends eher gemieden hat“, erzählt Melanie Bareuther. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Und dazu hat Bareuther ein großes Stück beigetragen. Seitdem die Architektin gemeinsam mit ihrem Kollegen Felix Nowak im Jahr 2002 das Maincafé eröffnete, bevölkern, sobald es draußen etwas wärmer wird, etliche Frankfurter das Café und die umliegenden Wiesen und Bänke. Szeniges Publikum, schräge Gestalten, Familien und Senioren genießen gemeinsam die Sonnenstunden am Fluss. „Die Leute haben sich ein Naherholungsgebiet zurückerobert“, sagt Bareuther, die vor einiger Zeit selbst auf die südliche Seite des Mains gezogen ist. „Dieser Teil Sachsenhausens ist ein eigener Kosmos. Hier bekommt man alles. Die Kaufkraft und die Lebensqualität sind hoch. Und außerdem ist der Stadtteil gar nicht so versnobt wie sein Ruf.“

Sylvia Meilin Weber