Die Bodenhaftung hat er schon mal verloren. „Eigentlich ist es nichts Besonderes, dass meine Single noch vor Madonna in die UK-Charts eingestiegen ist“, sagt Sam Sparro lässig. „Ihr neuer Song klingt furchtbar veraltet. Totaler Müll.“ Der Ausstralier mit dem Spatz als Markenzeichen kann es sich durchaus leisten, seinen Schnabel so weit aufzureißen. In der englischen Presse raunt man seinen Electro-Soul-Song „Black And Gold“ in einem Atemzug mit Winehouses „Rehab“ und Gnarls Barkleys „Crazy“. Der Hit des Jahres soll winken. Wie um Himmels willen sollte er da nicht abheben? Und nicht nur britische Medien verleihen dem 25-Jährigen Flügel. Auch Produzent Mark Ronson fand flugs Gefallen am schrägen Soul-Vogel und lud ihn ein, gemeinsam ein paar Shows zu spielen – weitere Kooperationen in Zukunft nicht ausgeschlossen. Doch das Album, das Sam Sparro im Alleingang geschrieben, produziert, eingespielt und eingesungen hat, muss sich nicht mit fremden Federn schmücken. Auch ohne prominente Hilfe erreicht sein Sound die Massen. „Ich dachte eigentlich, dass keiner meine Musik verstehen würde. Aber die Leute gehen voll drauf ab“, bemerkt Sparro erfreulich verwundert.

So schwer ist das auch nicht zu verstehen: Anstatt im Retrotrend möglichst authentisch die Vergangenheit aufleben zu lassen, wie das derzeit viele Kollegen erfolgreich bewerkstelligen, trägt der schillernde Allrounder Soul und Funk auf Electro-Schwingen in die Zukunft. Sein wichtigster Auftrieb ist dabei seine Stimme. Mal erreicht sie die dynamischen Höhen von Prince („21st Century Life“). Mal steuert sie im Steilflug die Scissor Sisters und Mika („Cut Me Loose“) an. Oder sie wagt sich gentlemanlike an Dave Gahan heran („Sick“). An Eigenständigkeit mangelt es ihr trotz dieser unüberhörbaren Referenzen aber nicht. Beste Voraussetzungen also, um auch diesseits des Kanals sanft in den oberen Wipfeln der Charts zu landen. Die richtige Einstellung dafür wurde dem Weltenbummler, der in Sydney geboren wurde, in Los Angeles pubertierte und in London den beruflichen Erfolg suchte, wohl von seiner Musikerfamilie ins Nest gelegt, doch Sparro relativiert: „Es ist genauso schwer, ein Popstar zu bleiben, wie einer zu werden. Beides bedeutet harte Arbeit.“ Hört, hört. Sein Höhenflug dürfte auf jeden Fall erst mal noch andauern. Und wer weiß: Vielleicht klopft ja auch Madonna eines Tages an, um gemeinsam mit ihm zu trällern.
Sascha König