„Ich habe mich immer wohler gefühlt bei Menschen, die ihr Leben nicht ganz auf die Reihe kriegen“, gesteht Gisbert zu Knyphausen. Verständlich. Denn er ist selbst einer von ihnen. So handelt sein Debütalbum auch von glücklosen Beziehungen, Depressionen, innerer Einsamkeit und Momenten der Schwäche. Unprätentiös poetisch verpackt der schluffige 28-Jährige sein Innenleben in bitter-romantische, trotzig-traurige Songwriter-Balladen und aufgewühlte Indierocknummern, die durchaus humorige Haken schlagen. Alles daran ist echt – genau wie sein herrschaftlicher Name. Wider alle familiären Erwartungen studierte der 28-jährige Baronssohn statt BWL oder Jura erst Musikwissenschaft, dann Musiktherapie, beides ohne Abschluss. Dann stellte er seine Demo-CD in einen Hamburger Plattenladen und wartete ab. „Ich hab mich nie so richtig drum bemüht. Und plötzlich kommt ein Label und sagt: ,Wir finden das cool.‘ Ist eigentlich ungerecht, ne?“ Ist es definitiv nicht. Musikalisch konnte Gisbert die kleine Erfolgsgeschichte allerdings noch nicht umsetzen. „Ich finde es immer schwierig, einen richtig fröhlichen Song zu schreiben. Aber ich habe einen angefangen.“
Sascha König