Ja, ich schwächle, die erste Show heute Morgen habe ich ausfallen lassen. Los ging’s also mit Kilian Kerner (www.kiliankerner.de) um 13 Uhr. Ihn wollte ich keineswegs verpassen. Der 29-jährige kreative Kopf hatte seine Lieblingsband Splinter X wie auch beim letzten Mal wieder live dabei, mit eigens für die Show kreiertem Titel. Unter dem Motto „gute nacht, du wunderschöne(r)“ zeigten rund 40 Models die aktuelle Kerner-Kollektion, die – wie zu erwarten war – einfach richtig gut ist. Mit ein paar Ausnahmen in der Männerkollektion, kann ich die Kollektion nur als simpel und einfach sehr gelungen bezeichnen. Pastellfarbene, duftig-leichte Kleider, Bleistiftröcke und hochgeschlossene Minikleider dominieren bei Ihr, für Ihn gibt’s sportlich-elegante Sakkos, Bundfaltenhosen und Kapuzenpullis. Farblich bleibt alles eher gedeckt bei Braun, Gold, Grau oder Schwarz. Witziges Accessoires: goldene Boxhandschuhe, die Kilian auch an seine Publikum verschenkt. Wer weiß, wozu die noch mal gut sind…
Ihm würde ich den Preis für die Show des Tages geben.

Scherer González (www.scherergonzalez.com) haben aber allein für diese phantasievollen Haarkreationen einen goldenen Oscar verdient. „Es lebt“ – ist man sich fast sicher, wenn man diese Geweihe, Blumen und anderlei aufgetürmte Verästelungen in den Haaren der Models sieht. Am Anfang ist einiges Tragbares, sehr Feminines dabei, darauf folgen die opulenten Abendroben, für die die beiden Berliner Designer seit ihrer letzten Show im Juli schon bekannt sind. Das war natürlich auch wieder eine echte Herausforderung für die Models. Aufwendig mit Perlen bestickt, mit handvernähter Spitze verziert oder eigens angefertigte Gamaschen zeigen die Detailverliebtheit dieses Labels. Besonders witzig: das letzte Kleid, dessen Schleppe eine Art Riesenballon war (da hätte man fast drin wohnen können!). Die Dame wurde dann auch von einem Herrn begleitet und unterstützt (siehe Foto). Diese Kleider haben einen Hauch Märchenland ins Zelt gebracht.

Was tatsächlich auffällt: keine internationalen Gäste lassen sich diesmal am Bebelplatz blicken. Hatte wohl keiner der zeigenden Designer noch genug Geld übrig, um für eine Viertel Million jemanden einfliegen zu lassen, der die erste Reihe schmückt. So geht es mit Leuten wie Udo Walz, Mariella Ahrens oder Armin Morbach in den ersten Reihen auch heute wenig aufregend weiter.

Die nächste Show verdient definitiv den Preis der Eleganz. Guido Maria Kretschmer (www.guidomariakretschmer.de) hatte solch mondäne Kleider über den Laufsteg geschickt, dass es dem ein oder anderen schon mal ein verzücktes „wow“ entlockte. Rote Plissee-Seidenkleider, Chiffonkleider mit Kristallen, Seidensamtkleider im Kimonostil, rosa Seidencrepekleider mit Federkragen – und alles mit ganz viel Glitzer, Glamour, Wasserwellen und Blumenmützen im 50er-Jahre-Stil. Alles für den perfekten Diven-Auftritt. Darüber freut sich nicht nur die Kitzbühler Schickeria! Guido Maria Kretschmer ist eine prima Adresse für den nächsten Auftritt auf dem Roten Teppich. Also nichts für mich. Aber trotzdem ganz bezaubernd!

Und danach: der Reinfall des Tages mit der Show von Suzana Peric (www.suzanaperic.de) um 21 Uhr. Als die Show mit einer Sängerin (deren Name man nicht kennt) begann, die im superknappen weißen Seidenkleid und, äh, super sexy Tanzeinlagen „Pretty Woman“ sang, war ich etwas peinlich berührt. Und es ging tatsächlich so weiter. Musikalisch mit „Diamonds are a girl’s best friend“. Modisch mit superkurzen Seidenkleidern, türkis kombiniert mit senfgelb. Die Folklore-Kleider waren tatsächlich sehr hübsch. Alles andere war wohl einfach so gar nicht mein Einzugsgebiet. Lustig war auch die Tatsache, dass sich die Models immer bei der Begegnung in der Mitte des Laufstegs einen schwarzen Handschuh überreichten. Warum nur? Und als krönender Abschluss kam diese Sängerin zurück, mit weißer Verhüllung, die sie einfach nur ziemlich bescheuert aussehen ließ (siehe Foto). Aber sicher gibt es auch für diese Mode eine Zielgruppe.

Des Abends wird mein Schwächeln nur noch markanter. Ich bin doch tatsächlich nur geschätzte 10 Minuten auf der Kilian Kerner-Aftershowparty im Café Palermo gewesen. War gut voll, auch die Stimmung war okay, nur mein Bett kam mir verlockender vor als Alkohol und Zigarettenqualm. Die Come Together Party von der ProjektGalerie habe ich mir quasi auf dem Heimweg noch angeguckt. Riesenhalle. Skurrile Kunstobjekte. Laute Musik. Und ich muss einfach nur nach Hause.
Morgen ist doch leider schon der letzte Tag. Irgendwie schon leider. Aber irgendwie fühle ich mich doch ziemlich durchgenudelt. Zwei Shows nach und dann heißt es erstmal wieder für die nächsten 6 Monate „adieu, du wunderschöne“.