Man braucht schon einen gewissen Sinn für Romantik, vielleicht sogar Toleranz für Kitsch, um am neuen Werk der Rüschenrocker aus Las Vegas Freude zu haben. Wenn Brendon Urie davon singt, wie Sonne und Mond turtelnd Tee trinken, hört man das Einhorn förmlich um die Ecke traben. Trotz märchenhafter Theatralik ist „Pretty. Odd.“ musikalisch ein Glanzritt, dem kein Stilsprung zu gewagt ist. Kaum zu zügelnde Melodien galoppieren über Harfen- und Glockenklänge, Streicher, Pfeifereien, Swing und Berge aus Beatles-Sounds. Das Umsatteln hat sich für die einstigen Emos gelohnt.
Sascha König