Männer bleiben bekanntlich immer Kinder. Wer daran zweifelt, sollte nur mal den Paradiesvogel Mika live erleben: Was der Brite auf der Bühne präsentiert, gleicht einem riesigen, überdrehten Kindergeburtstag und schillert in allen Regenbogenfarben. Nur dass Mika eben nicht mit Autos spielt, so wie andere Jungs. Er umgibt sich eher mit allerhand buntem und unterhaltendem Spielzeug. Er und seine Band verwandeln sich schon mal in Kleintiere: Mika schlüpft ins Hahnengefieder, seine Schlagzeugerin ins Kaninchenkostüm. So verkleidet necken sie sich, springen wie wild gewordene Gummibälle umher und streifen überdimensionale Luftballons. Mika hämmert mit aller Leibeskraft auf eine alte Blechtonne ein. Rechts und links am Bühnenrand feuern derweil kleine Maschinen Seifenblasen ins Publikum und verleihen dem ganzen Kindergeburtstag ein bisschen den Esprit einer Christopher-Street-Day-Parade. Mika spielt nur allzu gerne mit dem Thema Sex und wackelt bei jedem zweiten Takt lasziv mit Po und Hüfte. All das passt einfach hervorragend zum Kaugummipop von Songs wie „Grace Kelly“ oder „Lollipop“. Bei all der Gaudi ist Mikas Bühnenshow natürlich ernst zu nehmen. Neben seinem Talent für gute Unterhaltung hat der Lockenkopf schließlich auch noch ein Händchen für gute Musik. Er ist verliebt in Pop. Und die Songs seines Debütalbums „Life In Cartoon Motion“ erinnern – vor allem wegen Mikas Falsettgesang – nicht selten an Freddie Mercury. Bei all diesen Voraussetzungen ist eine gute Show für Mika ein Leichtes. Ein Kinderspiel sozusagen. Aber erwachsen werden ist ja sowieso was für Spießer.

Nadine Lischick