Ihren Tourbus haben Wir Sind Helden ein bisschen umgebaut. Im hinteren Teil befindet sich nun ein abschließbares Eltern-Kind-Abteil mit großem Bett für Judith Holofernes und Pola Roy sowie einem Babybettchen für ihren gemeinsamen Sohn Friedrich. Außerdem immer dabei: ein Baby-Roadie. „Wir haben den Kleinen in unseren Touralltag integriert“, sagt Judith, „fast ist es so, als wäre er immer da gewesen.“ Auf der Bühne werden aber weiterhin nur die Erwachsenen spielen. Schließlich brauchen die vier auch ordentlich Platz, um sich gepflegt austoben zu können. Die Konzerte dieser Band, die sich in Hamburg zusammenfand, seit vier Jahren erfolgreich ist und Pate stand für Epigonen wie Silbermond und Juli, sind äußerst lebhaft, um nicht zu sagen: mitreißend. Obwohl ihnen hin und wieder der Ruf allzu ausgeprägten Gutmenschentums vorauseilt, sind ihre Shows alles andere als „hippie“ oder „öko“. Die Helden rocken. „Endlich ein Grund zur Panik“, „Die Reklamation“ oder „Gekommen, um zu bleiben“ werden packend, druckvoll und mit überraschenden Wendungen vorgetragen. Und dann gibt es da natürlich auch Lieder wie „Müssen nur wollen“ oder „Denkmal“, bei denen Judith getrost Fläschchenpause machen könnte, während das Publikum die Texte auswendig parat hat. Ein Menschen verbindendes und erbauendes Freudenfest also, so ein Helden- Konzert. Und beinahe so beseelend wie ein Besuch beim Dalai Lama, den Holofernes sehr verehrt und mit dem sie jüngst in Hamburg die Bühne teilte.

Steffen Rüth