Wenn sich eine Band nichts mehr beweisen will, macht sie nur noch langweilige Sachen. Das ist der größte Irrtum im Popgeschäft. Travis wollen sich schon lange nichts mehr beweisen. Und genau deshalb ist ein Album wie „The Boy With No Name“ überhaupt möglich: klar strukturiert, schlicht und hymnenreich. Sicherlich weniger ambitioniert als die zwei Vorgänger aber auch weniger angestrengt. Was mit dem regnerischen Opener „3 Times And You Lose“ beginnt, geht nahtlos in den Diana Ross Beat des süffisanten „Selfish Jean“ über, um schließlich in der butterweichen Echo Streicher Ballade „Closer“ zu münden. Ach, was haben wir „The Man Who“ und „Why Does It Always Rain On Me“ aus dem Jahr 1999 geliebt! Hier ist sie wieder, die schmetterlingsleichte Mischung, die zwischen Piano Melancholien und Gitarrenpop Schmeicheleien immer ihre Mitte findet und auf Dishar-monien verzichtet. Die Sprache der Bauch Herz Region ist die der makellosen Melodien. Wie genial, dass sich die schottischen Biedermänner um Fran Healy auch auf ihrer fünften CD nur vordergründig als Familienmenschen präsentieren, die sich an Babyaugen, zwitschern den Vögeln und Banjoklängen ergötzen in Wirklichkeit aber unterwandern sie mit ihrem ironischen Unterton schlau die Britrock Plattitüden der Stunde. Travis braucht kein Mensch mehr? Das dachte ich ehrlich gesagt auch vor diesem Album.