Der zweite Pop-Frühling

Wer miterleben möchte, wie sich Amy Winehouse ein Bier zapft und einen Kneipennachmittag mit Ehemann und Freunden verbringt, der kommt am besten in den Pub „The Hawley Arms“ im Londoner Stadtteil Camden. Robin Miriam Carlsson alias Robyn ist auch dort, sie beachtet die Kollegin mit der Turmfrisur allerdings ebenso wenig wie die übrigen Gäste. Die 28-Jährige, die im schwedischen Pop seit anderthalb Jahrzehnten eine feste Größe ist, hat Bedeutenderes in London zu tun, als sich am hellichten Tag die Kante zu geben. „Ich fahre meine Karriere wieder an“, sagt sie, „und dazu gehört trommeln, trommeln, trommeln.“ Um 4 Uhr morgens ist sie aufgestanden, hergeflogen, tagsüber Interviews, abends Konzert im proppenvollen 500-Leute-Club Dingwalls, am nächsten Tag heim. „Lustigerweise bin ich für die meisten Nicht-Schweden eine ganz neue Entdeckung.“ Doch Kenner wissen: Robyn war vor zehn Jahren die nordeuropäische Teenpopkönigin. „Show Me Love“ hieß ihr Großraumdisco-Welthit von 1997.
Jetzt macht Robyn lieber alles selbst. Schreibt ihre eigenen Lieder, die fesselnd nach einer Kombination aus Janet Jackson, Gwen Stefani und TLC klingen, und hat ihre eigene Plattenfirma. „Ich hatte die Schnauze voll von der ganzen überproduzierten Soße. In meinen Songs ist mir die Melodie am Allerwichtigsten, da bin ich eine typische Schwedin“, sagt sie und nippt an ihrer Cola light, die ihr viel besser schmeckt als Bier.
Gut zu wissen:
1. Auf dem Basement-Jaxx-Album „Crazy Itch Radio“ singt Robyn den Song „Hey U“.
2. Mit zwölf sang sie ein Lied für die schwedische TVShow „Lilla Sportspegeln“.
3. 1998 ging sie mit den Backstreet Boys auf USTournee.
4. Ihr Hit „Show Me Love“ (1997) war im Kultfilm „Fucking Åmål“ zu hören.
5. Robyn hat 12 368 Myspace Freunde. Einer von ihnen: Roberto Blanco.

Steffen Rüth