PRINZ: Herr Trosse, reiten Sie mit ihrem Internetmusiksender nicht ein totes Pferd?
Trosse: Die Art und Weise, wie Menschen heute Medien konsumieren, hat das traditionelle Musikfernsehen überholt. Dieses Pferd kann so nicht mehr weiter geritten werden. Zumindest müsste ihm die Mähne anders gebunden oder eine Schleife verpasst werden.

PRINZ: Sie wollen also ein hübsches totes Pferd reiten?
Trosse: Nein. Fakt ist: Es wurde noch nie so viel Musik gehört wie heute. Nur die Art und Weise, wie man damit ein Geschäft macht, hat sich geändert. Das gilt auch für Musikfernsehen. MTV war in den Neunzigern großartig, spektakulär – eine Revolution. Und jetzt braucht es eben wieder eine Revolution, um Musikfernsehen in eine neue Epoche zu tragen.

PRINZ: Wie sieht Ihre Revolution aus?
Trosse: Die denkbar schlechteste Idee wäre, ein Musikfernsehen à la carte zu machen: Lieber Nutzer, hier hast du 48344 Musikvideos, such dir eins aus. Da stehe ich dann davor wie die Kuh, wenn es blitzt. Unsere Entwicklung Putpat.tv ist so angelegt, dass ich schnell auf das komme, was ich konsumieren möchte. Alles lässt sich zusammenfassen als die Idee, dass wir den Nutzer vom Diktat eines Programmdirektors befreien wollen, ohne ihn dabei allein zu lassen.

PRINZ: Ein personalisierbares Internetradio mit Videos.
Trosse: So kann man es beschreiben. Last FM meets MTV 2.0, wenn man so will.

„Um Musikfernsehenin eine neue Epoche zu tragen, braucht es eine Revolution“

PRINZ: Bleibt die Frage nach der Revolution.
Trosse: Die kann ich Ihnen noch nicht verraten. Nur so viel: Sie funktioniert brutal einfach. Unser Weg von einer allumfassenden Ich-kann-sonst-was-veranstalten-Bedienung zu einer ganz simplen Oberfläche war lang. Aber genau das war uns besonders wichtig, weil die Menschen Putpat.tv nicht nur am Rechner konsumieren sollen, sondern auch auf dem Fernsehgerät.

PRINZ: Ich habe früher selbst viel Musikfernsehen geschaut. Aber ganz ehrlich: Ich komme inzwischen gut ohne aus.
Trosse: Weil es Musikfernsehen in der Güte, wie es die Kommunikationsfrage der Neunziger beantwortet hat, momentan nicht mehr gibt. Aber bald wieder, mit uns.

PRINZ: Wer wird Putpat.tv schauen?
Trosse: Für die um die 30-Jährigen wird es eine Wiederentdeckung sein. Eine junge Generation, die Musikfernsehen gar nicht kennt, wird es komplett neu entdecken. Und Leute, die mit Musikfernsehen nie was am Hut hatten, weil es nicht ihren Geschmack getroffen hat, können wir auch bedienen. Da gibt es Inhalte, die nicht mal annähernd ausgeschöpft wurden. Den Klassikbereich, Jazz und sogar Volksmusik. Zielgruppen noch und nöcher.

PRINZ: Was nehmen Sie – außer den Clips – aus dem alten Musikfernsehen mit?
Trosse: Es geht darum, das Beste von damals mit den besten Möglichkeiten von heute zu verbinden. Es gilt, nicht nur den aktuellen Output an Musikvideos zu sehen, sondern auch alte zu entdecken. Content, der schon lange von der Musikindustrie abgeschrieben wurde.

PRINZ: Empfehlungen spielen beim Entdecken von Musik eine große Rolle, gerade Empfehlungen von Freunden. Wird es eine Putpat-Community geben?
Trosse: Ja, aber das schieben wir nicht so in den Vordergrund. Wir wollen nicht „just another music community“ sein. Es gibt genügend Plattformen, die sich darauf fokussieren. Wir haben erst mal nur die Antwort fürs Musikfernsehen gefunden. Wir wollen ja auch nicht die gesamte Welt beherrschen, sondern nur einen bestimmten Teil.

Interview: Sascha König