James Morrison klingt, als hätte er gestern Abend ordentlich getankt. Rau und kratzig ist seine Stimme. Überhaupt sieht er mit seinen blauen Jeans, den braunen Stiefeln und seinem neuen Kurzhaarschnitt aus wie der Anti-Popstar. Vielleicht auch deswegen hat der 24-jährige Brite sich auf seinem zweiten Album zunächst ein bisschen an der E-Gitarre versucht. „Damit sieht man doch gleich viel cooler aus“, scherzt er. „Aber es hat einfach nicht funktioniert.“ So kam Morrison ganz schnell zur Erkenntnis: „Wenn etwas nicht kaputt ist, dann versuch nicht, es zu reparieren.“ Und was sollte bei ihm kaputt sein? Beinahe drei Millionen Mal verkaufte sich sein Debüt „Undiscovered“. Also geht „Songs For You, Truths For Me“ den gleichen Weg: schöner Pop und romantische Balladen, in denen Morrison mit seiner souligen Stimme vor allem von der Liebe singt. Ist er also doch ein kitschiger Romantiker? „Ich habe mich selbst gewundert“, lacht er, „aber ich habe keinen dieser Songs geschrieben, weil ich denke, dass er sich gut verkauft, sondern weil ich es genau so meine. Wir leben in einer so angsteinflößenden Welt – ein bisschen Liebe hier und da ist doch nicht schlecht.“ Recht hat er. Nadine Lischick

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