Dass die besten Geschichten gar nicht das Leben schreibt, weiß Eugene McGuinness schon mit 22 Jahren nur zu gut. Er macht keinen Hehl daraus, dass die meisten Geschichten in seinen Songs frei erfunden sind. Er hat eine blühende Fantasie: Zu schillernden Popklängen nimmt uns der Londoner Debütant mit in den „Moscow State Circus“, zur „Nightshift“ oder auf eine Zeitreise in die dreißiger Jahre – seine Ballade „Those Old Black And White Movies Were True“ ist entwaffend schön. McGuiness‘ Sound kommt uns von Franz Ferdinand und Co bekannt vor, ist jung und vielseitig, da liegt der Griff zum Wunderkind-Stempel nahe. Erinnert das breite stilistische Repertoire des Engländers nicht an den jungen Damon Albarn? Und so intelligent, ums Eck gedacht und voller Ironie textete zu Beginn seiner Karriere doch höchstens Beck, oder? Aber so leicht lässt sich Eugene McGuinness nicht abstempeln, einordnen und in eine Kiste packen. Dafür müsste man den frappierend kreativen Briten nämlich erst einmal aufspüren und einfangen in seinem Fantasieland zwischen Moskau, der Nachtschicht und den alten, wahren Schwarzweiß-Filmen.
Nico Cramer

Video-Tipp: „Moscow State Circus“ von Eugene McGuinness