Es ist einfach Rock’n’Roll“, sagt Nick Brown, Sänger der Band Mona, über ihr Debütalbum. Vorsicht, möchte man ihm peinlich berührt zuzischeln, das klingt abgedroschen, blutleer, wie einer anderen Zeit entlehnt. Doch der Mann verzieht dabei keine Miene. Die Band aus Nashville sieht sich in der Tradition von Led Zeppelin, The Clash und Nirvana.

Ihre Songs haben alles, was Rockmusik braucht. Die Gitarren heulen, der Bass treibt von hinten, die Drums knallen, und Nick Brown schrappt über die Strophen, um sich dann mit ungeheurer Kraft durch die Instrumentalwand des Refrains zu bohren. Sie machen da weiter, wo die Kings Of Leon nach „Aha Shake Heartbreak“ aufgehört haben. Rau, ungehobelt, bretternd – mit diesem Sound könnte man Gehwegplatten zertrümmern. Zwischen den dramatischen Songs wie „Lines In The Sand“ oder hymnischen wie „Listen To Your Love“ und „Teenager“ bleibt kein Platz für seichte Balladen oder Effektspielereien. Dass Rock derzeit nicht in der Gunst der Plattenkäufer steht, will Brown nicht hören. Moden kommen und gehen, aber Brown hat eine Botschaft: Er will den Kids zeigen, dass kein Synthesizer der Welt an eine grundehrliche Gitarre herankommt.

Brown, der seine Ray-Ban auch drinnen gern aufbehält, ist selbst dabei Monas größte Waffe. Von der Statur eher ein Zwerg, wächst er in der Musik und im Gespräch um zwei Köpfe. Der unangefochtene Bandleader führt das Wort. Gesegnet mit einer Ausnahmestimme zwischen Bruce Springsteen, Rod Stewart und Caleb Followill und der charmanten Arroganz eines Julian Casablancas beherrscht er die großen Posen spielerisch. Brown ist ein liebenswertes Großmaul, das sich berufen fühlt: „Mir macht es riesigen Spaß, auf der Bühne zu stehen. Du musst dafür geboren sein. Sonst bringst du niemals eine gute Show.“

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Video-Tipp: „Listen To Your Love“ von Mona

Wie gut diese Show ist, dürfen sie im Sommer erstmals auf großen Bühnen beweisen: Mona spielen im Vorprogramm von Morrissey und den Kings Of Leon. Sie stehen im Scheinwerferlicht, doch blenden lassen wollen sie sich nicht. „Ein Hype kann hilfreich sein, aber er kann auch hoffnungsvolle Karrieren ruinieren“, sagt Brown und zieht einen Vergleich: „Was ist die größere Erfindung: das Auto oder die Rakete? Die Rakete ist aufwendiger, schneller, startet mit viel Spektakel. Aber was hat den größeren Nutzen? Was hat langfristige Bedeutung für jeden Einzelnen?“ Soll heißen: Mona sind nicht gestartet, um zu verglühen. Es soll eine lange Reise werden. Auf Dauer, so ist er überzeugt, kann man eh keinem Publikum der Welt etwas vormachen: „Am Ende des Tages musst du immer noch richtig abliefern können.“

Am Abend ihres Promo-Tags spielen sie noch ein kleines Konzert in Berlin. Es ist laut, geradeaus und packt einen vom ersten Ton an. Es ist intensiv und fesselnd. Es ist etwas, von dem man gar nicht wusste, wie sehr man es doch vermisst hat. Es ist einfach Rock’n’Roll.