„Pimp My Life“ heißt der Spitzentitel des kommenden Frühjahrs bei Onkel&Onkel. Die Illustratorin Silke Werzinger erkundet darin, wie Menschen sich im Internet selbst darstellen – und verdankt ausgerechnet Adolf Hitler, dass sie in dem jungen Berliner Verlag erscheint. „Er hätte es wahrscheinlich als entartete Kunst bezeichnet“, grinst der Verleger Volker Oppmann. „Aber ich find’s toll.“

Als er Onkel&Onkel vor einem Jahr gründete, wusste Oppmann, dass mit Literatur allein kein Geld zu verdienen ist. Deshalb setzte der Skandinavist und Literaturwissenschaftler auf Geschenkartikel: Sein „Führerquartett“ versammelt alle schwarzen Peter der Weltgeschichte in einem Spiel. Dass so etwas polarisiert, war klar. Selbst in Amerika, England, Israel, Tschechien, Polen und der Türkei berichtete die Presse über das Quartett mit Hitler, Franco und Kumpanen. Als im Sommer 2008 bei Madame Tussauds der Kopf des Wachshitlers fiel, sorgte auch das für kostenlose Werbung. Mehr als 6000 verkaufte Exemplare geben Oppmann nun die Freiheit, sein Programm so auszubauen, wie er will: mit skandinavischer Literatur, deutschen Debüts und jungen Grafikarbeiten à la „Pimp My Life“.

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Um seinen Traum vom eigenen Verlag zu verwirklichen, erhielt Oppmann Geld aus der Verwandtschaft. Nun kümmert er sich im „Patenonkelprogramm“ selbst um den kreativen Nachwuchs. „Literatur, Malerei, Design: Ich möchte Talenten Raum bieten, ihre Projekte zu entwickeln – mit möglichst wenig Einschränkungen.“ Wer also wissen will, wie man eine Schwarzwälder Kirschtorte auf dem Grill zubereitet: In dem in Frischhaltefolie verpackten Buch „Natural Born Grillers“ wird es erklärt. Seinen Ein-Mann-Verlag stemmt Oppmann mit Praktikanten: „Große Verlage sind schwerfällig – wir reagieren spontan.“

Tatsächlich zog Onkel&Onkel auf der Frankfurter Buchmesse an allen vorbei. Während die Branche über das E-Book noch diskutierte, bot der Verlag als weltweit erster aktuelle Literatur auf iTunes an und hat dazu das Programm „Texttunes“ entwickelt. Allein in der ersten Woche luden sich 5000 User Tor Åge Bringsværds Roman „Puder“ auf ihre Computer und iPods. „Viele Verlage sehen das E-Book als Konkurrenz zum gedruckten Buch“, sagt Oppmann. „Ich verstehe es als Ergänzung. Wir werden künftig all unsere Romane zeitgleich in beiden Versionen anbieten.“ Andere Verlage dürften genau beobachten, ob dieses Geschäftsmodell der Zukunft aufgeht.

Tina Rausch