Als Top-Favorit der diesjährigen Verleihung galt Rap-Überflieger Lil Wayne mit bombastischen acht Nominierungen; die Jury gönnte ihm jedoch „nur“ vier (Beste Rap-Solodarbietung, Bester Rap-Song, Bestes Rap-Album und Beste Darbietung eines Duos oder einer Gruppe/Rap). Enttäuscht dürfte der 24-Jährige trotzdem nicht sein, toppte er damit doch immerhin die ebenfalls als Favoriten gehandelten Coldplay (sieben Nominierungen). Wenig überraschend, aber dennoch verdient, waren die drei goldenen Grammophone für die Briten, die für den heimischen Glasschrank den Preis für Bester Song, Best Pop Performance und Best Rock Album (Viva La Vida) absahnten.

Der Top-Abräumer des Abend war jedoch – und ja, das war wirklich überraschend – Robert Plant, Ex-Leadsänger der Band Led Zepplin. Insgesamt fünf Mal durften der Rock-Veteran und seine Country-Kollegin Alison Krauss die Trophäe entgegen nehmen, u.a. in der Königskategorie Bestes Album („Raising Sand“) und für die Beste Aufnahme des Jahres „Please Read The Letter“. Bei den weiblichen Acts fielen die Würfel in diesem Jahr gleich mehrfach für die britische Sängerin Adele („Chasing Pavements“), die als Beste Neue Künstlerin und Beste weibliche Gesangsdarbietung/Pop ausgezeichnet wurde und damit Platingrößen wie Leona Lewis, Kate Perry und Pink aus dem Rennen stach.

Der bewegendste Augenblick des Abends galt ohne Zweifel der US-Sängerin und Oscargewinnerin Jennifer Hudson, deren tränenreiche Performance zur Hommage an ihre Familie wurde. Erst vor wenigen Monaten waren ihre Mutter, ihr Bruder und ihre kleiner Neffe brutal ermordet worden. Tapfer stellte sich Hudson ihrem Schicksal und sorgte mit dem ruhigen, aber stimmgewaltigen Song „You Pulled Me Through“ und ihrer Dankesrede zu Ehren ihrer Verwandten für minutenlange Standing Ovations und mindestens ebenso lange Gänsehaut bei den mehreren Millionen Fernsehzuschauern weltweit.

Video-Tipp: Jennifer Hudsons stimmgewaltige Performance von „You Pulled Me Through“

Im Rückblick betrachtet stellt sich nach der Verleihung wohl nicht die Frage, WER alles da war, sondern wer NICHT erschienen ist. Selbst die hochschwangere M.I.A. hatte es sich nicht nehmen lassen, an dem Tag des eigentlichen Geburtstermin ihres Kindes gekonnt rappend über die Bühne zu hopsen, pardon: zu kugeln. So wagemutig war nicht jeder. Denn: Das mehrfach nominierte Popsternchen und Teilzeitbühnenluder Rihanna sagte kurz vor der Veranstaltung ihren Auftritt unter ominösen Umständen ab. Amerikanischen Medienberichten zufolge soll sie einen handfesten Streit mit Dauerfreund Chris Brown gehabt haben. Letzterer verbrachte die Nacht statt auf dem roten Teppich hinter schwedischen Gardinen. Als Ersatz sprangen dafür spontan Grammy-Dauergast Justin Timberlake, Soul-Ikone Al Green, Boyz II Men und Keith Urban (eigentlich nur bekannt als Ehemann von Nicole Kidman) ein, um ein genreübergreifendes „Let’s Stay Together“ ins Mikro zu trällern.
Anja Greszik

Insgesamt wurden die „Grammy Awards“ in sage und schreibe 110 Kategorien verliehen. Die wichtigsten Gewinner gibt’s hier im Überblick!

Top-Kategorien:
Beste Single: „Please Read the Letter“ (Robert Plant und Alison Krauss)
Bestes Album: „Raising Sand“ (Robert Plant & Alison Krauss)
Bester Song: „Viva la Vida“ (Coldplay)
Bester neuer Künstler: Adele

Pop:
Beste Gesangsdarbietung Pop: Adele („Chasing Pavements) und John Mayer („Say“)
Beste Darbietung eines Duos oder einer Gruppe/Pop: Coldplay („Viva la Vida“)
Beste Zusammenarbeit mit Gesang/Pop: Robert Plant und Alison Krauss („Rich Woman“)
Bestes Gesangsalbum/Pop: „Rockferry“ (Duffy)
Bestes Gesangsalbum/Traditioneller Pop: „Still Unforgettable“ (Natalie Cole)

Rock:
Beste Solo-Gesangsdarbietung/Rock: „Gravity“ (John Mayer)
Beste Darbietung eines Duos oder einer Gruppe/Rock: „Sex on Fire“ (Kings of Leon)
Beste Hard-Rock-Darbietung: „Wax simulacra“ (The Mars Volta)
Beste Metal-Darbietung: „My Apocaylpse“ (Metallica)
Bester Rock-Song: „Girls in their Summer Clothes“ (Bruce Springsteen)
Bestes Rock-Album: „Viva la Vida or Death and All His Friends“ (Coldplay)
Bestes Alternative-Album: „In Rainbows“ (Radiohead)

Dance:
Beste Dance-Aufnahme: „Harder Better Faster Stronger“ (Daft Punk)
Bestes Electronic-/Dance-Album: „Alive 2007“ (Daft Punk)

R&B:
Beste weibliche Gesangsdarbietung/R&B: Alicia Keys („Superwoman“)
Beste männliche Gesangsdarbietung/R&B: Ne-Yo („Miss Independent“)
Beste Darbietung eines Duos oder einer Gruppe/R&B: „Stay with Me (By the Sea)“ (Al Green und John Legend)
Bester R&B-Song: „Miss Independent“ ( Ne-Yo)
Bestes zeitgenössisches R&B-Album: „Growing Pains“ (Mary J. Blige)
Bestes R&B-Album: „Jennifer Hudson“ (Jennifer Hudson)

Rap:
Beste Rap-Solodarbietung: Lil Wayne („A Milli“)
Beste Darbietung eines Duos oder einer Gruppe/Rap: „Swagga like us“ (Jay-Z featuring Kanye West und Lil Wayne)
Beste Zusammenarbeit Rap/Gesang: „American Boy“ (Estelle feat. Kanye West)
Bester Rap-Song: „Lollipop“ (Lil Wayne)
Bestes Rap-Album: „Tha Carter III“ (Lil Wayne)

Country:
Bester Country-Song: „Stay“ (Sugarland)
Bestes Country-Album: „Troubadour“ (George Strait)