Als Thomas Godoj im vergangenen Jahr zum Sieger der fünften Staffel von „DSDS“ gekürt wurde, war fast ein Drittel aller Fernsehzuschauer live dabei. So blieb auch nach sechs Jahren der Hype um die RTL-Castingshow ungebrochen. Die Godoj-Mania griff gleich zum Start der Staffel um sich und sorgte dafür, dass er von der ersten Top-15-Show bis zum Finale die höchsten Anruferzahlen bekam – das gelang zuvor nur Mark Medlock. Und so hofft RTL auch in diesem Jahr wieder darauf, genau solch einen Publikumsmagneten zu finden, der die Zuschauer zum Einschalten und Anrufen animiert. Sollte der wider Erwarten nicht dabei sein, bleibt ja noch die bewährte Allzweckwaffe Dieter Bohlen.

Dessen so genannte „Hammer-Sprüche“ („Wenn die Kelly Clarkson morgens aufs Klo geht und in die Schüssel pinkelt, klingt das immer noch besser als dein Gesang“) verleiten die kritisierten Kandidaten nicht nur zu den immer gleichen Pöbeleien („Ey, du kannst ja selber nisch singen, Dieda!“), nein, sie erfüllen auch einen überaus wichtigen Zweck. Dank Sprüchen wie „Was ist der Unterschied zwischen euch und einem Eimer Scheiße? Der Eimer!“, über die sich nicht nur Jugendschützer regelmäßig echauffieren und die fleißig in der Boulevard-Presse abgedruckt werden, ist „DSDS“ stets in den Medien präsent. Eine Jury ohne Dieter Bohlen ist daher undenkbar. Und so verwundert es auch wenig, dass Neu-Juror Max von Thun bereits nach nur einem Casting die Sendung wieder verließ. Wem der Dieter nicht passt, der muss halt gehen.

Ersatz wurde in Musik-Manager Volker Neumüller gefunden. Das ebenfalls neue dritte Jury-Mitglied ist MTV-Moderatorin Nina Eichinger (wenn die nicht über Talent beurteilen kann, wer dann?). Außer der Jury-Besetzung hat sich auch das Konzept verändert. Der „Recall“ besteht jetzt aus vier statt drei Sendungen. Die Kandidaten werden darin von 120 auf letztlich 15 Personen reduziert. Diese 15 kommen in die „Jetzt oder nie“-Show, aus der die zehn Teilnehmer der Mottoshows hervorgehen – gewählt durch Telefon- und Juryvoting. Und letztlich dauert es dann nicht mehr lange, bis Deutschland seinen sechsten „Superstar“ feiern kann. Dessen Karriere ist zu 60 Prozent jedoch von eher kurzer Dauer – oder erinnert sich noch jemand an Elli Erl oder Tobias Regner? Und selbst Alexander Klaws verdient mittlerweile seine Brötchen nicht mehr als Sänger, sondern als Darsteller in einer grauenvollen Telenovela (ja, „Anna und die Liebe“ ist Ekel erregend schlecht!).

So bleibt abschließend nur zu sagen: Nein, Deutschland braucht eigentlich keinen neuen „Superstar“ – vor allem, wen er von Dieter Bohlen produziert wird. Doch immerhin sorgen die ganzen talentfreien Freaks in den Casting-Shows (es wird trotz Auftrittsverbot sicherlich auch ein Wiedersehen mit Menderes geben) für ein wenig Schadenfreude – und die ist ja bekanntlich die schönste.
André Depcke

Die Final-Entscheidung von 2008 (welch Theatralik!)

Nach der fünften Casting-Teilnahme bekam Kandidat Menderes Auftrittsverbot

Deutschland sucht den Superstar, samstags, RTL

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