Julie Delpy, die schöne Zarte, die durch Regisseure wie Krzysztof Kieslowski und Filme wie „Before Sunrise“ berühmt wurde, wird mit ihrem neuesten Streifen die Geschichte der adligen Serienmörderin Erzsébet Báthory erzählen. Für das um 1600 angesiedelte Drama verpflichtete Hauptdarstellerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Delpy auch Daniel Brühl. Der war bereits in ihrem Regiedebüt „2 Tage Paris“ dabei. Der Dom zu Meißen, jenes kunsthistorisch bedeutsame Wunderwerk aus dem 13. Jahrhundert, war einer der Drehorte für „Die Gräfin“ – auch optisch dürfte dieser Film also überaus reizvoll werden. Immerhin ein Drittel der beinahe 60 Beiträge im Panorama, DIE Sektion für Fans des Arthouse-Kinos, werden Dokumentarfilme sein. José Padilha, 2008 Gewinner des Goldenen Bären für die Doku „Tropa da Elite“ über brutale Praktiken der brasilianischen Militärpolizei, beschäftigt sich in „Garapa“ mit dem Welthunger. Ebenso aktuell: Michael Winterbottom und Mat Whitecross hinterfragen den Trend zur Privatisierung von Gesellschaftsvermögen. Andere Filme, etwa „Der Knochenmann“, wollen in erster Linie unterhalten. Jene österreichische Produktion tut dies jedoch mit bitterbösem Humor. Und tollen Darstellern: Josef Bierbichler, Birgit Minichmayr und Josef Hader. Jan Henrik Stahlberg und Marcus Mittermeier, ausgewiesene Könner im Satire-Fach, zeigen „Short Cut to Hollywood“. Unterhaltend und erschreckend zugleich wird „The Yes Men fix the World“. Andy Bichlbaum und Mike Bonanno geben über gefakte Websites vor, Repräsentanten großer, weltweit agierender Konzerne zu sein und sorgen so auf Konferenzen für eine eigenwillige Art von Globalisierungskritik.
Vor 30 Jahren als „Info-Schau“ begründet, hat sich das Panorama längst zur zweitwichtigsten Berlinale-Sektion nach dem Wettbewerb entwickelt. Als eine der fünf „Celebration Presentations“ wird Gus van Sants „Milk“ präsentiert: Sean Penn spielt hier den ersten bekennenden schwulen Stadtrat San Franciscos, Harvey Milk, der 1978 erschossen wurde. Gleich drei John-Hurt-Filme gehören zur kleinen Celebration-Reihe, in „An Englishman in New York“ ist Hurt der ältere Quentin Crisp. Schon einmal, 1975, war Hurt in die Rolle des Exzentrikers geschlüpft. In „Resident Alien“ von 1990 tauchen beide auf, außerdem Sting, der Crisp 1987 besungen hatte.