Johan Cruyff hält nichts von ihnen. Das hat die niederländische Fußball-Legende den Jungs durch die Tulpe mitgeteilt. „Wir haben ihn auf einer Gala gefragt, ob er unsere Musik mag“, schmunzelt Gitarrist Phil Tilli, „und er sagte nur: ,Nun, jeder hat seinen eigenen Geschmack.‘“ Paul Weller ist da ungleich überzeugter vom Oranje-Quintett mit dem nordirischen Sänger Felix Maginn. „Fucking smashing tunes!“: Das Urteil des Britpop-Papas prangt auf jedem Exemplar des Debütalbums „Shorland“. Mit Weller teilten sie sich ein Studio, man lernte sich beim Bier im Pub kennen und schätzen. Ihr neuer Mentor nahm sie anschließend mehrfach mit auf Tour. Die Songs von Moke können es durchaus mit den Werken des Modfathers aufnehmen. Ihr Britpop klingt sehr viel abgeklärter als das oft etwas inhaltslose Geschrammel vieler 19-jähriger Genre-Kollegen. Moke spielen mit Versatzstücken aus Post-Punk und New Wave. Man hört Joy Division und die Editors, erkennt die Reife der Musiker. Sänger Maginn ist gerade 40 geworden.

Video-Tipp: „Last Chance“ aus dem aktuellen Album „Shorland“

Große Melodien verraten die internationalen Ambitionen einer Band, die außer mit Weller bereits mit den Kooks, Razorlight und Keane tourte. „Es war nie eine Option, nur in Holland zu bleiben“, sagt Maginn. Was auch an der Indierock-Szene dort liegt. „Es existiert überhaupt keine lebendige Szene“, lacht Tilli, „zumindest keine, von der ich wüsste. Stattdessen gibt es eine Menge Euro-Techno-Trash-Typen wie die Vengaboys, die auf der ganzen Welt Erfolg haben und den Ruf unseres kleinen Landes ruinieren.“ Auch der Kleidungsstil von Moke – schwarz, eng, gern mit Krawatte – hat für viel Verwirrung in ihrer Heimat gesorgt. „Das war wie eine Revolution“, erinnert sich Tilli an die Anfangszeit. „Die Leute in Holland denken immer noch, dass sich Bands nur in anderen Ländern so anziehen. Sie glauben, dass Holländer nicht so aussehen dürfen wie wir.“

Karl Lagerfeld war anderer Meinung und stattete Moke mit seiner Kollektion aus. „Wir mögen die Anzüge sehr“, sagt Maginn. „Sie sehen aus wie das, was wir vorher auch schon getragen haben.“ Das „Esquire Magazin“ verlieh ihnen dafür den Titel der „bestangezogenen Band“. Ihr Erscheinungsbild betrachten sie als einen wichtigen Teil des Gesamtkonzepts. „Wenn ich kein Mitglied von Moke wäre“, so Tilli, „und ich würde ein Foto von ihnen sehen, dann würde ich selbst zu mir sagen: Die sehen aus wie eine verdammt gute Band. Die schaue ich mir mal im Internet an.“ Das sehen nicht alle so. „Ach, Johan Cruyff hört doch überhaupt keine Popmusik“, sagt Tilli. Jeder hat seinen eigenen Geschmack. Moke treffen unseren.
Tim Sohr