Meist tauchen sie tagsüber auf. Mit ihren leistungsstarken Kleinbooten kommen sie aus allen Himmelsrichtungen und werfen ihre Wurfanker mit den Strickleitern über die niedrigste Stelle der Reling. Ihr schwächster Moment ist der, wenn sie an Bord klettern wollen. Dann brauchen sie beide Hände. In diesem Augenblick muss man zuschlagen. Ebenfalls mit beiden Händen. Aber zusätzlich mit Axt, Spaten, Enterhaken. Nur wilde Entschlossenheit der Crew kann das Entern verhindern. Wichtig in aller Aufregung ist nur eins: dabei nie den eigenen Kopf über Bord stecken! Sonst geht er schnell verloren. Hilfreich sind von Fall zu Fall auch Elektrozäune rund ums Schiff. Die zehntausend Volt starken Stromstöße sind nicht tödlich, aber wirksam. Kein Pirat wird es wagen, sich einem zweiten Stoß auszusetzen. Andere Schiffe wappnen sich mit Hochdruck- Wasserstrahlen.

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Piraterie trifft alle Teilnehmer der Seefahrt. Besonders schutzlos sind Einzelfahrer oder die Mini-Crews auf Yachten. Dann helfen nur Tricks: Eine Zwei-Personen- Crew vervielfacht ihre Mannschaftsstärke, indem sie sich ständig anders kleidet, Kommandos nach unten brüllt, mit den Töpfen klappert. Der Einzelskipper sollte sich ständig mit einer nicht vorhandenen Person unter Deck unterhalten und so vortäuschen, nicht allein zu sein. Dabei sollte er nicht vergessen, auch mal herzlich zu lachen, damit der Eindruck von Arglosigkeit entsteht.

Auch wirkungsvoll: Ein Weltumsegler hat sich bereits zu Hause Tonaufzeichnungen angefertigt, die den Lärm einer Riesenmannschaft und große Geschäftigkeit wiedergeben. Wer so etwas nicht an Bord hat, weil sein Glaube an das Gute im Menschen stärker ist als die Vernunft, der könnte zumindest einen Topf voll Benzin auf das Angreiferboot werfen und es mit einer Signalpistole entzünden. Die Wirkung ist nicht nur verblüffend, sondern auch ein wunderschönes Fotomotiv für den Vortrag daheim. Man kennt das ja: Sonst glauben einem die Sesselpupser in der Heimat wieder nichts. (Weitere Tipps von Rüdiger Nehberg in: „Überleben ums Verrecken – Das Survival Handbuch“, Piper.)