Früher einmal, da reichte die Aussicht auf ein schnelles Auto und ich konnte für einen Moment meine Sorgen vergessen. Ihnen einfach davonfahren. Das Dilemma, das mir schwant: Die PS-Stärke, die ein Auto dafür in diesen Zeiten braucht, verträgt sich nicht mehr mit meinem ökologischen Gewissen.

In Palermo wartet die neue Porsche-Boxster-Modellreihe darauf, von uns Journalisten getestet zu werden. Es regnet in Strömen, als ich vor meinem Test-Boliden stehe. Er wirkt bulliger, breiter, ernstzunehmender. Knallgrün ist er, wie der 911er der 70er Jahre. Und auch seine Augen ähneln die des großen Bruders. Die ledernen Sportsitze empfangen mich, als wären sie für mich maßgeschneidert. Und sie bieten ein neues Komfort-Feature: Eine Heizung, die auch über eine Lüftung verfügt. Leider kann ich ihm heute sein Kunststoffmützchen nicht abnehmen, um das Wohlfühlklima noch auf die Spitze zu treiben. Ich schnalle mich also an und drehe den Zündschlüssel. In diesem Moment hätte ich normalerweise das erste leise Glucksen von mir gegeben. Doch noch ist da nichts. Die Sorgen rumoren weiter in meinem Kopf.

310 PS bringt der neu entwickelte Sechszylinder auf die Straße, 15 PS mehr als sein Vorgänger. Ich schalte auf den „Sport-Modus“ und trete das Gaspedal. Der Porsche-typische heisere Sound massiert mein Herz. Hach, am liebsten würde ich die Augen schließen.

Auf den nassen rumpeligen Straßen Siziliens kann ich den Flitzer dann aber nicht so recht von der Leine lassen. Obwohl er dank einer breiteren Spur und neu abgestimmten Fahrwerk schön stabil und mit Grip auf der Straße liegt. Was ich sofort glaube: Laut Hersteller schafft mein froschfarbener Freund den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 5,2 Sekunden. Angeblich verbraucht er dabei auch weniger Treibstoff als bisher: 9,2 Liter sollen es nun mit dem neu entwickelten Porsche Doppelungsgetriebe sein. Soll ich das lobend erwähnen? Ich weiß nicht..
Ich schalte in den „Sport Plus“- Modus und der Boxster prescht nochmal mit forscherem Organ davon. Zackig und sicher bringt mich der Mittelmotor-Roadster zum Hotel.

Beim Dinner frage ich den Chefentwickler, wann denn der erste Elektro-Porsche kommt und bekomme keine klare Antwort. Er fragt nur: „Wann hätten Sie ihn denn gerne?“ Und ich setze ihn für das kommende Weihnachtsfest auf die Wunschliste. Plötzlich ist da ein Gefühl, das mich tatsächlich für einen kurzen Moment alles vergessen lässt: kindliche Vorfreude.

Carmen Meyer