Eigentlich ist alles wie gehabt: man kann den Tag mit einem Glas Sektchen an der Freixenet Bar beginnen oder sich bei Jade Maybelline die tiefen Ringe unter den Augen wegschminken lassen. Falls man nicht will, dass einem schon morgens die Feierei angesehen wird. Dann wird um kurz vor 11 Uhr in den Showbereich gebeten. Hui, und Schumacher (www.schumacher.de) hat sich da was Tolles überlegt: kleine, bunte Roboter baumeln nebst kugeliger Lampen von der Decke, die zu Beginn der Show nacheinander anploppen. Ein Tütchen mit einem Croissant liegt auf jedem Sitz. Lecker! Die Mode der Düsseldorferin Dorothee Schumacher, die bereits Ende der 80er Jahre ein- bis zweimal tief in die Weiblichkeitskiste griff und mit ihrem Label eine charmante Alternative zu knabenhaften Business-Anzügen schuf, bleibt ihrer Grundlinie treu. Mädchenhaft und sophisticated, Karamelltöne und Pastell dominieren. Schleifen schlingen sich um Hals, Ärmel und Taille. Da sind traumhafte Mohair-Mäntel, cognacfarbenes Leder und hauchzarter Cashmere. Wie Zuckerwatte.

Weiter geht’s mit Lala Berlin (www.lalaberlin.de) um 13 Uhr, eigentlich, denn die Show fängt eine halbe Stunde später an und verschiebt mal eben den Zeitplan des ganzen Tages. Die Designerin, Leyla Piedayesh, habe ich erst kürzlich zum Interview getroffen, was meine Vorfreude auf ihren Strick in Kombination mit außergewöhnlichen Ideen nur steigerte. Leyla ist unkompliziert, innovativ und irgendwie kuschelig – ganz wie ihre Mode. Thema der Kollektion: auf den Spuren des Wilden Westens. Klingt ja irgendwie nach Lasso und Pferd, aber Leyla hat da so ihre ganz besonderen Assoziationen. Natürlich dominiert Strick. Strick, der viel nackte Haut blitzen lässt und den ein oder anderen Busenblitzer nicht vermeiden lässt. Da sind zarte Volants, die entfernt an die schwingenden Röcke der Saloondamen erinnern. Viel viel Schwarz mit einem Hauch von sattem Rot und Grau. Schräg vor mir sitzt übrigens auch Boris Becker und schaut sich die herrlichen Lala Berlin Strick-Cardigans zusammen mit seiner Lilly an. Diese Klassiker gehen auch über’m schicken Abendkleid. Haben will!

Was steht als nächstes auf dem Programm? LAC ET MEL (www.lacetmel.de). Der Leipziger Designer, der seine Kreativschmiede erst Ende letzten Jahres nach Prenzlauer Berg verlegt hat, lockte schon vorab mit der Aussicht auf ein 100.000 Euro teures Diamantenkleid zur Show. Keine Ahnung, ob das tatsächlich über den Laufsteg ging. War’s das letzte zu sehende Kleid? Ich habe es zur Sicherheit mal fotografiert. Ansonsten gibt es hiervon nicht allzu viel Beeindruckendes zu berichten. Die Kombination aus Seide und Silber finde ich zu dick aufgetragen. Und überhaupt reißen mich die Kleider nicht wirklich vom Hocker. Sieht nicht wirklich neu aus. Schade, dabei fand ich die letzte Show von ihm ganz bezaubernd.

Um 17 Uhr steht Strenesse Blue (www.strenesse.com) an. Es ist neben Strenesse Gabriele Strehle die zweite Linie des deutschen Traditionsunternehmens Strenesse und passt irgendwie zu Berlin. Ist frech, frivol, ungeschminkt und ungeniert. Till Brönner eröffnet die Show mit seiner Trompete. Beeindruckend. Dann gehts los. Endlich laufen auch mal paar Männer mit. Es ist eine beeindruckend lange Show mit den unterschiedlichsten Stilen und Farben. Das liegt wohl daran, dass sich die Designerin für diese Kollektion von Berlin inspirieren ließ und dass es hier heißt „sowohl als auch“ und nicht „entweder/oder“. Es gibt alle Längen, bei Röcken, Kleidern und Caban-Jacken. Knappe Boyfriend Pants kommen genauso wie leger sitzende Hosen mit tiefem Schritt. Fischgrat, Tweed, Handstrick mit Riesenzopfmuster. Warme Farben, kühle Ästhetik. Diese Show lässt sich nicht auf einen Nenner bringen. Gut so!
Hier saß Boris übrigens wieder schräg vor mir. Und diesmal haben die Fotografen ein derartiges Aufhebens gemacht, dass ich schon dachte, er geht wieder, weil er so sauer ist. Oder er schlägt gleich jemanden oder so. Aber es blieb friedlich. Neben mir tuschelt eine Dame „Wenn keine Stars da sind, muss man sich eben welche machen.“ Hm. Boris Becker bleibt tatsächlich das bekannteste Gesicht für diesen Mode-Tag.

Fulminanter, nackter Abschluss: Kaviar Gauche (www.kaviargauche.com). Das sind Alexandra Fischer-Röhler und Johanna Kühl. Erste Kollektion 2004, dann folgte ein rasanter Aufstieg, gerade international. Sie haben den ersten Karstadt New Generation Award im Sommer 2007 gewonnen. Sie sind spezialisiert auf Brautmode und Taschen. Heute zeigen sie Letzteres. Und zwar an der Hand von so nackten Mädchen, dass einigen Männern im Raum sicher ganz heiß geworden ist. Wo’s ja sowieso schon so heiß in diesem Zelt war. Jedenfalls gab es einen Glitzer-Catwalk, gedämpftes Licht, keine Scheinwerfer. Hätte sicher auch kein gutes Licht auf all die nackten Popos geworfen Ein Slip war immer dabei, hautfarben, die Brüste wurden von Haarteilen verdeckt oder auch nicht. Diese Show war eindrucksvoll. Nur habe ich die Taschen gar nicht wirklich angeguckt, muss ich gestehen. Nach guten 10 Minuten war’s auch schon vorbei. Das war mal tatsächlich richtig reduziert. Eine Show, die einem im Gedächtnis bleibt!

So jetzt flugs nach Hause, was essen, in die höheren Stiefel rein und weiter zur Beck’s Fashion Experience Party.
Schon zum siebten Mal zeigen Nachwuchstalente unter dem Biersiegel von Beck’s. Keine schlechte Symbiose. Das funktioniert
Im ehemaligen Fernmeldeamt, ein ziemlich schrammeliger Ort (eigentlich eine für Berlin doch sehr typische Partylocation), zeigen sieben im Vorfeld auserwählte Jungdesigner, was sie können. Diesmal mit zwei Designern aus Antwerpen, Ann Eckers und Julia Kim, Gudrun Klöpsch aus London, Prose Studio / Miriam Lehle aus Schorndorf, Kamilla Richter / Katrin Switala aus Bielefeld, Miriam Schaaf aus München und Michael Dominik Sontag aus Berlin (ihn sehen ich, glaube ich, auch gleich bei Designer for tomorrow noch mal! Da wird ihm ein gewisses Talent nicht streitig gemacht werden können!). Die Jury hat immerhin Adriano Sack in den eigenen Reihen. „Meiner Meinung nach ist die Beck’s Fashion Experience der wichtigste Nachwuchspreis in der langsam erblühenden deutschen Modelandschaft“ sagt Adriano Sack, Modejournalist. „Mir hat es großen Spaß gemacht, an der diesjährigen Auswahl der Finalisten mitzuwirken.“
Irgendwie dachte ich ja, da würde ein Sieger gekürt, aber nein, sie waren alle Sieger. Ann Eckers dicken Strickkreationen fand ich jedenfalls beeindruckend und auch die Hosenanzüge mit raffinierten Schnitten von Michael Sontag gefielen mir.
Leider habe ich nicht die Zeit, mich durch alle Beck’s Geschmacksrichtungen durchzutrinken, weil ich noch bei Adidas vorbeischauen will

Die Adidas House Party (zu Ehren des 60. Geburtstags von Adidas Originals) findet auf der Torstraße statt. Der Türsteher will uns nicht reinlassen. Prima. Ist zu voll. Nach fünf Minuten des frierenden Wartens waren wir endlich drin. Und es war tatsächlich viel zu voll. Es sah aus wie im Wohnzimmer zu Großmutters besten Zeiten. Viele coole Leute. Der Pizzalieferdienst bringt Pizza, worum sich die Menschen fast prügeln. Hätte ich mich mal doch durch mehr Beck’s-Sorten probiert, dann würde mir das hier sicher mehr Spaß machen. Adidas versteht es einfach, coole Partys zu machen. Mit dieser Erkenntnis geht’s nach Hause. Schlafen!

Jetzt geht’s auch gleich schon wieder los: mit den Designer for tomorrow von P&C. Ganz besonders toll heute: Sisi Wasabi, Marcel Ostertag und Michalsky in der Zionskirche. Ich bleibe dran…