Die Botschaft kam nicht an: Die britische Wohltätigkeitsvereinigung Reprieve veröffentlichte eine Liste von Liedern, die in Guantanamo sowie Gefängnissen in Afghanistan, Marokko und im Irak von US-Militärs und der CIA als psychologische Folter eingesetzt werden. Doch der Ernst des Themas geriet zur Nebensache. „Offensichtlich fühlen sich die Leute eingeladen zu kommentieren, welche Lieder für sie eine Qual wären“, sagt Chloe Davis, Mitarbeiterin von Reprieve. Mit der Initiative zero dB ruft Reprieve nun zum stillen Protest auf. Anhand selbst erstellter Videoclips, in denen man einfach nur schweigt, kann auf der Internetseite Zerodb.org jeder Solidarität mit den Gefolterten zeigen. Auch Musiker will Reprieve mobilisieren, vor allem jene, deren Lieder missbraucht wurden.

Schweigeminuten auf Festivals sollen zum Nachdenken anregen. „Wir wollen verdeutlichen, dass es sich nicht um einen Witz handelt“, sagt Davies. „Es ist ein großer Unterschied, ob Sie Musik auf Ihrem iPod hören oder dabei monatelang in völliger Dunkelheit bei eisigen Temperaturen an einem Balken aufgehängt werden.“ Handlungsbedarf bestehe nach wie vor: „Derzeit werden im Namen des Kampfs gegen den Terror weltweit mehr als 27000 Menschen von den Vereinigten Staaten gefangen gehalten. Selbst wenn Obama Guantanamo schließt, wird das nicht das Ende des Problems sein.“
Sascha König