Auf einmal war die eigene Kindheit da, früh am Morgen, im überfüllten Kino. Dabei spielte der Film im Thailand der 80er Jahre. Sechs junge Regisseure hatten ihn gemeinsam fabriziert und waren damit zum internationalen Forum des jungen Films eingeladen worden. Für viele Berlinale-Besucher ohnehin die Sektion, die ihnen die Welt am nächsten bringt – in diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf Filmen aus Korea, den USA, Rumänien und den Niederlanden. Mit Laien inszenierte Eugenie Jansen in „Calimucho“ die märchenhafte Geschichte eines Wanderzirkus, in „The Exploding Girl“ von Bradley Rust Gray werden enge Freunde zu Liebenden.
Während vor acht Jahren lediglich 10 Prozent der Forums-Beiträge im weltweiten Vertrieb waren, sei das Verhältnis heute genau umgekehrt, erklärte Christoph Terhechte, Leiter des Internationalen Forums des jungen Films. Eine höchst erfreuliche Entwicklung, die den aktuellen, auch im Filmmarkt zu spürenden Schwierigkeiten aufs Angenehmste widerspricht. Dabei ist auch in diesem Jahr die globale Krise das zentrale Thema im Forum, vor allem aber geht es immer wieder um ganz persönliche Krisen. Etwa in „Eoddeon gaien nal“ (The Day After), einem leisen koreanischen Film über eine Frau, die nach der Scheidung lernen muss, über ihre Blessuren zu sprechen. Überhaupt ist Korea gleich vier Mal vertreten, außerdem hat sich Ulrike Ottinger dorthin begeben, sie sucht „Die koreanische Hochzeitstruhe“. Ganz eigene Bilder von der Wende, der Zeit unmittelbar davor, hatte Thomas Heise in seinem Archiv; „Material“ ist somit eine im Jahre 20 nach dem Mauerfall höchst aktuelle Collage. „Mitte Ende August“ bringt Milan Peschel und Marie Bäumer als Paar auf die Leinwand. Allein vier Forums-Beiträge beschäftigen sich mit Südafrika. Sie gehen auf die nach den Gewaltexzessen in Südafrika im vergangenen Jahr gegründete Initiative „Filmmakers against Racism“ zurück. Einen realistischen, oft erschreckenden, manchmal sehr persönlichen und immer im besten, positivsten Sinne aufwühlenden Einblick in die große, weite Welt – das bietet auch in diesem Jahr das Forum. Die schönsten Premieren gibt es immer im Delphi, mit den ausführlichsten Gesprächen, auch noch weit nach Mitternacht.