In meiner Heimatstadt war ich Kurierfahrer, aber die chemie- und lügenverseuchte Tour de France meide ich, wo es nur geht. Nun habe ich mich zum Mental Cycling angemeldet. Der Kurs soll den Körper trainieren und gleichzeitig durch ruhige Musik für Entspannung sorgen. Also Spinning zum neuen Album von Enya? Ich bin gespannt. Tatsächlich bin ich fast der einzige von rund 20 Stramplern, der nicht von einem atmungsaktiven Trikotsponsor ausgerüstet ist. Egal ob Radsportler oder Hausfrau: Niemand in diesem kleinen Kursraum mit Discokugel trägt T-Shirt, Turnhose und Chucks wie ich.

Trotzdem erklären mir meine Trainingskameraden und Trainer Michael gerne die Einstellungen des Rades und geben hilfreiche Tipps für Rücken und Knie, die ich sofort umsetzen kann. Denn jetzt setzt Michael ein Headset auf, drückt auf ein paar Knöpfe des DJ-Pults und startet seine CD. Zu psychedelisch-tranciger Musik und englischen Kommandos erklimmen wir neunzig Minuten lang imaginäre Berge und rasen mit geschlossenen Augen Abfahrten herunter. Ich komme ins Schwitzen, mache das aber lieber weiterhin im Freien zu Metallica. Mit meiner Gazelle.
Jannes Vahl