Dort gehe ich nun also hin und soll so tun, als würde ich mich prügeln. Natürlich nicht irgendwie, sondern so wie Bruce Lee oder Lara Croft. Im Stuntfighter-Fachjargon heißt das „publikumswirksam kämpfen“. Als erstes brauche ich Bauchmuskeln wie Bruce und Lara. Der Trainer trommelt auf meinen Bauch, und ich soll heroisch brüllen: „Fester! Schneller! Ist das schon alles?“ Ich brülle nicht, denn ich bin kitzelig und muss lachen. Das passiert mir noch ein paar Male. Denn jetzt üben wir, mit grimmigem Blick an unserem Trainingspartner vorbeizuschlagen, der im Gegenzug schmerzverzerrt nach hinten taumelt. Mein heiteres Wesen steht mir in diesen Momenten des Kampfes leider im Weg: Ich kichere und gluckse. Nichts ist komischer, als in die Luft zu hauen und dabei Geräusche zu machen.

Als Höhepunkt denken alle Trainingspaare sich eine Action-Choreografie aus. Die Profis im Kurs wissen, wie sie sich zur Kamera stellen müssen, damit die Kampf- und Stuntszenen täuschend echt aussehen. Klar, sind doch ohnehin alles Schauspieler hier. Die arbeiten bestimmt bei ,Alarm für Cobra 11‘. Ich kann mittlerweile zwar schon ganz toll schreien, aber der Tritt in den Magen meines recht sympathischen Trainingspartners fällt einfach zu schüchtern aus: Ich könnte ihm schließlich ernsthaft weh tun. Am Ende der Stunde bin ich zwar nicht fitter, fühl mich dafür aber gut unterhalten. ,Cobra 11‘ ist bei Weitem nicht so lustig wie Stuntfighting.
Hanna Klimpe