Sie waren einst der größte Schauspieler ihrer Generation,dann waren Sie ganz unten. Ist Scheitern eine Befreiung?
Um zu verstehen, was alles falsch lief, musste ich wohl zuerst alles verlieren: Frau, Freunde, Haus, Auto, Karriere. Erst als ich allein in der Dunkelheit stand, habe ich verstanden, dass du ganz allein verantwortlich bist für das, was du tust. Egal wie gut du bist, du musst die Konsequenzen für dein Handeln tragen. Wenn ich zurückblicke, gibt es da wirklich keinen anderen, dem ich die Schuld zuschieben kann. Ich würde gern auf irgendjemanden zeigen und sagen „Sie sind schuld“, aber in Wahrheit war ich in einem Krieg mit mir selber.

Hassen Sie Hollywood?
Es liegt nicht an Hollywood, lag es nie, es war meine Geisteshaltung. Ich lebte all die Jahre hinter einem Panzer und hatte mir eine „Es geht nur um die Ehre“- Mentalität zugelegt. Es war so ähnlich wie ein Ritual auf der Straße. Ich hatte ein paar Probleme in meiner Kindheit, die ich nie verarbeitet habe, deshalb tat ich jahrelang so, als sei ich nicht verantwortlich für mein Handeln. Autorität war ein großes Problem für mich, ich habe immer alles persönlich genommen. Aber ich bin, wie ich bin, eben oldschool. Damals konnte ich einfach nicht differenzieren.

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Wovor haben Sie Angst?
Ich hatte immer Angst davor, dass ich meine Männlichkeit verliere, sollte ich mich verändern. Ich schämte mich, zu einer Therapie zu gehen, tat es aber dann doch. Es wäre damals leichter für mich gewesen, zu einem Priester zu gehen als zu einem Therapeuten. Ich brauchte am Ende dreizehn Jahre, um mich zu ändern, war dreimal in der Woche bei der Therapie. Ich habe das alles durchgemacht, und glauben Sie mir: Es ist kein Spaziergang durch den Park.

Die Rolle des abgehalfterten Wrestlers ist Ihre eigene Geschichte.
Ich nahm die Rolle jedenfalls sehr persönlich, denn der emotionale Aspekt des Film jagte mir Angst ein. Ich musste zu einigen sehr dunklen Plätzen in meinem Leben zurück.

Wenn jemals ein Film über Sie gedreht werden würde – wer sollte Sie spielen?
Sie sollten auf jeden Fall drei Leute nehmen, denn zwei von ihnen würden garantiert sterben. Meine Oma hat immer gesagt, dass Gott einen Plan für jeden hat. Ich wünschte, ich wäre dem gefolgt, den er für mich hat, denn mein eigener hat leider nicht besonders gut funktioniert.