Mit den Oscars als bester Film, dem für die beste Regie und sechs weiteren Awards war der Film „Slumdog Millionär“ der große Gewinner des Abends in Hollywood. Der in 13 Kategorien nominierte „Benjamin Button“ gewann nur drei Oscars. Im Rennen als bester Schauspieler behielt Sean Penn als Harvey „Milk“ die Nase vorn vor seinem als Favoriten gehandelten Freund Mickey Rourke, der mit „The Wrestler“ das Comeback des Jahres hingelegt hatte. Erwartungsgemäß dagegen die Oscars an Kate Winslet (die die zum 15. Mal nominierte Meryl Streep ausstach) und den verstorbenen Heath Ledger, der in „The Dark Knight“ seine letzte Rolle als Joker gespielt hatte. Beste Nebendarstellerin wurde Pénelope Cruz.

Feierlaune statt Wirtschaftsdepression war angesagt in L.A. bei der 81. Verleihung der Oscars – auch wenn Präsentator Hugh Jackman („Australia“) witzelte, nächstes Jahr werde alles etwas kleiner und er werde dann in „New Zealand“ spielen. Mit einer Art Revue, die an glamourösere Hollywood-Zeiten erinnerte, schnurrte eine Verleihung ab, mit der sich die Filmindustrie selbst zelebrierte. Zu dieser Retro-Show passte es, dass die Nominierten aller vier Schauspieler-Oscars von jeweils 5 ehemaligen Gewinnern und Film-Legenden präsentiert wurden. Beeindruckend! Zu den ebenfalls emotionalen Momenten der etwas glatten Show gehörten: Penélope Cruz, den Tränen nah, die ihre Dankesrede zur Hälfte in Spanisch hielt. Der Auftritt der Familie des zu früh verstorbenen Heath Ledger. Der Dank des 82jährigen Jerry Lewis, der den Jean Hersholt Award für seine humanitären Leistungen bekam. Die Erinnerung an alle verstorbenen Filmschaffenden, allen voran Paul Newman. Und die fassungslose und überglückliche Kate Winslet, die zugab, die Oscar-Rede schon als 8jährige mit einer Shampoo-Flasche geübt zu haben… „Der Baader Meinhof Komplex“ ging übrigens in der Rubrik „Bester fremdsprachiger Film“ leer aus, aber aus deutscher Sicht waren die Awards trotzdem erfreulich: Jochen Alexander Freydank gewann den Kurzfilm-Oscar für „Spielzeugland“.
Michael Schömburg

Hier alle Gewinner:
Bester Film: Slumdog Millionär
Bester fremdsprachiger Film: Departures (Japan)
Beste Hauptdarstellerin: Kate Winslet (Der Vorleser)
Bester Hauptdarsteller: Sean Penn (Milk)
Beste Nebendarstellerin: Penélope Cruz (Vicky Cristina Barcelona)
Bester Nebendarsteller: Heath Ledger (The Dark Knight)
Beste Regie: Danny Boyle (Slumdog Millionär)
Beste Kamera: Slumdog Millionär
Bestes Originaldrehbuch: Milk
Bestes adaptiertes Drehbuch: Slumdog Millionär
Beste Filmmusik: Slumdog Millionär
Bester Song: „Jai Ho“ (Slumdog Millionär)
Bester Schnitt: Slumdog Millionär
Bestes Szenenbild: Der seltsame Fall des Benjamin Button
Bestes Kostümdesign: The Duchess
Bester Ton: The Dark Knight
Beste Toneffekte: Slumdog Millionär
Beste visuelle Effekte: Der seltsame Fall des Benjamin Button
Bestes Make-up: Der seltsame Fall des Benjamin Button
Bester animierter Spielfilm: Wall-E
Bester animierter Kurzfilm: La Maison en Petits Cubes
Bester Kurzfilm: Spielzeugland
Bester Dokumentarfilm: Man on Wire
Bester Dokumentar-Kurzfilm: Smile Pinki