Der 38-Jährige gewann damit bereits zum zweiten Mal – 2006 hatte er mit Seeed die Trophäe für Berlin erstmals in die Hauptstadt geholt. „Schwarz zu Blau“ heißt sein Ohrwurm-Siegerhit, den er mit einem Orchester voller Affen, äh, Musiker, Trommler und Backgroundsänger inszenierte wie eine gigantische Parade. Die Storyline des Songs scheint direkt aus Fox‘ wildem Leben gegriffen: Nach einer durchzechten Nacht stolpert besagter Sänger durch das dreckig stinkende Berlin und entdeckt zwischen Schnapsleichen und Großstadtchaos die wahre Schönheit eines Morgens danach. „Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein. So dreckig und grau. Du kannst so schön schrecklich sein, deine Nächte fressen mich auf.“ Genau dieser Lokalpatriotismus überzeugte dann auch die breite Zuschauermasse. Vielleicht war es auch – wie Raab es nannte – der Charme des „derartig zeitgeistigen“ Fox und die enorme Popularität des energiegeladenen rappenden Berliner Stadtaffen. Wer weiß das schon…

Video-Tipp: „Schwarz zu blau“ von Peter Fox (offizielles Video)

Dass der BuViSoCo (wie es so schön in Bravo-Schreibweise heißt) Plattform und Sprungbrett für neue unbekannte Bands sein soll, kann man dem Veranstalter nicht wirklich abkaufen. Denn mit Fox, Polarkreis 18, Ruben Cossani, Cassandra Steen und Pascal Finkenauer traute sich kaum ein Land, mit einem bisherigen No-Name-Talent zu starten. Die Rechnung mit der „Nummer sicher“ ging für die Erstplatzierten klar auf (Platz 2: Polarkreis 18/Sachsen, Platz 3: Rage/Nordrhein-Westfalen), aber ob wir die skurrilen Kreaturen von Flowin IMMO et les Freaqz (Bremen) je wieder hören und sehen werden? Hoffentlich nicht.

Fakt ist: Die abendfüllende Programm-Allzweckwaffe Raab hat mit seinem Singsangcontest Pro7 mal wieder Top-Quoten beschert und knapp 2 Millionen Indie-Pop-Rock-Metal-Funk-HipHop-egal-Hauptsache-gerade-angesagt-Anhänger und Fans von mehr oder minder solider musikalischer Darbietung, glücklich gemacht. Da konnte selbst die eigenwillige Vergabe der Kennnummern zum Abstimmen der Kandidaten nicht gegen anstinken. Die Zuschauer von Raabs nationalem Abklatsch des Eurovision Song Contests verstehen es eben doch, wie man gekonnt die eigene Herkunft per SMS mit der gewünschten Band zu einem vierstelligen Code verknüpft, Mathe: 1+.

Alles in allem glich der Contest am Ende doch seinem internationalen großen Bruder: viele Bands, wenig Erfrischendes, phrasenschleudernde Moderatoren (Stefan Raab, Elton und Johanna Klum) und leider keine zertrümmerten Gitarren oder ähnlich erinnerungswürdiges Musikergehabe. Der ungewollte Skandal des Abends passierte dann auch – wer hätte es gedacht – nicht auf der Bühne, sondern bei der Punktevergabe des Landes Baden-Württemberg, als Radiomoderator Hans Blomberg seiner Kollegin Susanka Bersin frech an die Brust grapscht und in Retour eine fernsehreife Ohrfeige kassiert. Was für ein Affentheater!

Anja Greszik