Früher war die Fotowelt noch überschaubar: Wer beherzt zur Sache gehen wollte, der schulterte seine voluminöse Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven. Wer zum Schleppen keine Lust hatte, dem blieb eigentlich nur der Griff zur Kompaktkamera – mit deutlichen Einschränkungen in Sachen Bildqualität und Kompromissen bei den Gestaltungsmöglichkeiten. Heute, im digitalen Fotozeitalter, ist das Problem ein anderes. Wer zum Fotohändler geht, wird geradezu erschlagen vom Angebot. Die Palette reicht vom 89-Euro-Billigmodell bis hin zur viele Tausender teuren Profi- Bildermaschine. Zur qualvollen Wahl stehen Designminis, Brennweitenmonster, Alleskönner, Handschmeichler, Outdoor-Typen, Showtalente – fast scheint es so, als gäbe es für jeden nur erdenklichen Zweck eine eigens geschaffene Digitalkamera. Doch welches Modell passt zu welchem fotografischen Anspruch? Tut es der schicke Zwerg im Edel- Look, soll es nicht lieber doch gleich ein semiprofessioneller Superzoomer sein – oder führt der Weg zu technisch hochwertigen Bildern unausweichlich über eine digitale Spiegelreflexkamera? Wir bringen am Beispiel der sehr breiten Lumix-Modellpalette von Panasonic Licht in die Sache. Vor der Kaufentscheidung sollten Sie sich zunächst über Ihren fotografischen Anspruch und das „Einsatzgebiet“ der Kamera im Klaren sein – sonst kaufen Sie womöglich ein für Ihre Zwecke völlig über- oder unterdimensioniertes Modell.

Lesen Sie hier die Tipps des Profis:

PROFIL I: SCHNAPPSCHÜSSE, PARTYS, FAMILIENFOTOS
Wer nur bei Festen seine Freunde fotografiert oder die Entwicklung seiner Kinder im Bild festhält, der kommt mit einer einfach ausgestatten Kompakten durchaus hin und wäre mit einem semiprofessionellen Modell eher überfordert. Hier gilt die Devise: Klein muss sie sein und möglichst preiswert. Zu diesem Einsatzprofil passen Einsteigermodelle wie die Panasonic Lumix LS60 oder (für ein etwas höheres Budget) Edelminis wie die Lumix FX30. Die Bildsensoren solcher Modelle bringen sechs und mehr Megapixel auf die Waage – das lässt auch größere Abzüge fürs Familienalbum zu. Auch die Zoombereiche dieser Modelle sind ausreichend dimensioniert. Tipp: Achten Sie weniger auf den Tele- als auf den Weitwinkelbereich (steht meist in Millimetern vorne drauf). Vor allen Dingen auf Partys und überall, wo es eng wird, werden Sie ein 28-Millimeter- Zoom wie das der FX30 zu schätzen wissen: Sie bekommen einfach mehr aufs Bild. Und reicht der in dieser Klasse meist bescheidene Telebereich nicht aus, dann können Sie immer noch das digitale Zoom aktivieren und ihr Motiv ein wenig näher ranholen. Die sehr kleinen Gehäuse bieten zwar einen enormen „Tragekomfort“, machen aber das Handling der Kamera stellenweise eine wenig kompliziert.

PROFIL II: KREATIVE URLAUBS- UND REISEFOTOS Sie wollen mehr als nur hin und wieder auf den Auslöser drücken, sind aber andererseits kein Fotofreak mit jahrelanger Dunkelkammer- Erfahrung? Dann sollten Sie sich die passenden Modelle für unser zweites Einsatzprofil anschauen: die Lumix LX2 und die Lumix TZ3.Hier fällt die Kaufentscheidung besonders schwer, denn die beiden Kandidaten liegen preislich auf ähnlichem Niveau (449 und 499 Euro), sind aber in ihrer Ausstattung und Bedienung grundverschieden. Das Besondere an diesen Digitalen sind ihre hoch flexiblen Zoomobjektive und Bildsensoren. Während die TZ3 einen riesigen Brennweitenbereich zwischen 28 und 280 Millimetern überstreicht, ermöglicht die LX2 neuartige Digitalbilder im Cinemascope- Format – beide Kameras sind also die perfekten Begleiter für mobile Fotografen, die möglichst viele Brennweiten für eine aktive und bewusste Bildgestaltung benötigen. Mit ihren 10- (LX2) beziehungsweise 7,2-Megapixel-Bildsensoren bieten beide Kandidaten mehr als genug Vergrößerungsreserve und sind unterm Strich noch immer ausnehmend kompakt – trotz ihrer großen Zoomreserven. Wermutstropfen: Wie die Minis vom Einsatzprofil I bieten auch die LX2 und die TZ3 keinen Sucher. Der Fotograf muss also stets den Monitor für die Bildgestaltung verwenden – das kann bei extrem heller Umgebung die Ablesbarkeit erschweren und saugt außerdem schneller den Strom aus dem Akku.

PROFIL III: AMBITIONIERT FOTOGRAFIEREN ALS HOBBY
Wer schon zu analogen Zeiten aktiv durch den Sucher geschaut, womöglich bereits den einen oder andern Diafilm belichtet hat und Fotografie als sein Hobby bezeichnen würde, der sollte eine Klasse höher einsteigen und sich nach einer digitalen Spiegelreflexkamera oder einem top ausgestatteten Kompaktmodell mit Superzoom umschauen. Hier finden sich zusätzlich zum Display nicht nur (optische oder elektronische) Sucher, sondern auch mehr manuelle Einstellmöglichkeiten. Dem ambitionierten Anwendern sind damit kaum noch fotografische Grenzen gesetzt. Auch das Handling wird mit zunehmender Größe angenehmer, da viele Tasten und Knöpfe nur einer Funktion zugeordnet sind und der Fotograf sich nicht durch viele Menü-Ebenen klicken muss. Panasonic bietet mit der Lumix L1 eine außergewöhnliche Spiegelreflexkamera an, die viele Fotografen durch ihren ausnehmenden Werkzeugcharakter überzeugt. Alles kann man manuell steuern, und selbstverständlich lassen sich die erstklassigen Objektive von Leica auswechseln – eine waschechte Systemkamera eben. Da der Bildsensor der L1 deutlich größer als der von Kompaktkameras ist, ermöglicht sie gerade in schwierigen Lichtsituationen eine noch höhere Bildqualität. Einen anderen Weg geht Panasonic mit der FZ50. Sie ist zwar kaum kompakter als eine Reflex, verfügt aber „nur“ über ein fest angebautes Objektiv. Doch das hat es in sich, denn es reicht von 35 bis 420 Millimeter. Damit deckt die FZ50 fast jedes nur erdenkliche Motivgebiet ab und liefert mit ihrem 10-Megapixel- Sensor Postervorlagen.

Frank Späth