Ziemlich oft sitze ich in einem Testwagen und denke: Na ja, hier wurde das Rad aber auch nicht wirklich neu erfunden. Der Toyota iQ hingegen gehört zur vergleichsweise raren Spezies, die beweist, dass man mit intelligentem Design und cleveren technischen Innovationen auch heute noch Nischen finden kann. Ein Querparker, der Platz für drei Erwachsene und ein Kind bieten soll: ganz schön smart. Der Grund für diese Quadratur des Kreises: Toyota hat für den iQ nicht nur bestehende Teile aus dem Konzernbaukasten geholt, um daraus ein neues Auto zu bauen, wie es sonst immer gern gemacht wird. Nein, der weltgrößte Autohersteller aus Japan hat seinen jüngsten Spross diesmal völlig neu konstruiert – von der Vorderachse über den Tank und die Sitze, von der Klimaanlage über das asymmetrische Armaturenbrett. So können, ich habe es erlebt, dank der Asymmetrie auf der Beifahrerseite tatsächlich zwei Erwachsene recht bequem hintereinander sitzen – und das auf einer Grundfläche, die kaum größer ist als die des Smart. Da der iQ noch dazu glatte 1,50 Meter hoch ist, fühlen sich auch Sitzriesen wie ich durchaus wohl.Auf Anhieb überrascht hat mich, dass der iQ dank seines cleveren Designs deutlich erwachsener als seine Stadtfloh-Konkurrenz daherkommt – er ruht fest und sicher auf breiten Beinen, signalisiert dank hochwertiger Materialien Seriosität, bietet mit allen elektronischen Antriebsschlupf- und Stabilitätsprogrammen sowie neun Airbags eine beruhigende Sicherheit und offeriert im Interieur neben dem (aufpreispflichtigen) Navi-System auch ein MP3- sowie ein WMA-Audiosystem.Erstaunt hat mich auch der Wendekreis. Der beträgt nämlich nur 7,80 Meter, möglich gemacht durch ein neu konstruiertes Lenkgetriebe. Mit solchen Abmessungen und Techniken ist der iQ im Stadtverkehr unschlagbar wendig: Parkplätze liegen nur so am Weg, und man schlüpft mühelos in sie hinein. So könnte sich der Großstädter mit dem Kauf eines IQs quasi auch ein bisschen Zeit zurückerwerben.Doch meine Lust am iQ erschöpfte sich bei den Fahrten durch Mailands innerstädtische Gassen nicht nur in seiner Handlichkeit und dem Design. Unter der kleinen Motorhaube ist auch genügend Temperament gebündelt. So kann man ihn zum Beispiel bei Ausfahrten mit Picknickkoffer auf dem Rücksitz über längere Strecken ermüdungs- und stressfrei bewegen. Dafür sorgen ein 1-Liter-Benziner mit 68 PS sowie ein 1,4-Liter-Dieselmotor mit 90 PS Leistung.Ich bin angetan: Der iQ ist ein völlig anderer Kleinwagen, und er beweist, dass solch kleine Autos nicht nur city-, sondern auch langstreckentauglich sein können. Dass die Neukonstruktion dafür aber ihren Preis hat, war zu befürchten.
Jürgen Lewandowski