Was ist L/WP?
Es steht für Life/Work Planning und ist ein Verfahren, mit dem Menschen herausfinden, welche Art von Arbeit sie am liebsten tun. Es bietet Werkzeuge, mit denen der Arbeitsmarkt nach dem passenden Job durchsucht werden kann. Entwickelt wurde das Verfahren Ende der 60er Jahre von dem amerikanischen Arbeitswissenschaftler Richard N. Bolles. Mittlerweile werden die Kurse an 19 deutschen Hochschulen von vielen Arbeitsagenturen gefördert.

Was ist das Besondere daran?
Die rigorose Praxisorientierung. Es gibt viel mehr Stellen, als angenommen. Studien sagen aus, dass drei von vier Stellen nie ausgeschrieben werden, also ganze 75 Prozent! L/WP zeigt, wie man gerade diese noch nicht ausgeschriebenen Stellen findet.

Wie sieht das praktisch aus?
Es gibt effektive Methoden, schnell und mit wenig Kostenaufwand den Arbeitsmarkt empirisch zu untersuchen. Hier übernimmt der Suchende Aufgaben, die nach traditionellem Denken eher dem Arbeitgeber zugeschrieben werden. Als Suchender erforscht er beispielsweise, wie durch seine Einstellung Kosten eingespart oder mehr Umsatz gemacht werden kann. Für viele ist die engagierte Auseinandersetzung mit dem Unternehmen vorab ein wichtiges Einstellungsargument.

Können Sie das konkretisieren?
Über im Seminar eingeübte „Informations- Gespräche“ lernt man, direkt in die ausgewählten Unternehmen „hineinzugehen“, um dort mit Schlüsselpersonen zu reden. Und das ohne eine schriftliche Bewerbung vorab. Geht nicht? Die statistische Erfolgsquote solcher „Interviews“ liegt seit 1997, dem ersten Kurs an der Uni Bremen, bei über 82 Prozent! Übrigens: Personalabteilungen werden eher selten angesprochen, denn die Entscheidungsträger sitzen oft woanders.

Welche Vorteile bietet L/WP?
Die Gespräche schlagen mehrere Fliegen mit einer Klappe: Ich erhalte vor Ort einen viel genaueren Eindruck vom Unternehmen, habe bei den Verantwortlichen ein Gesicht und bleibe in Erinnerung, zeige Engagement, rede mit Branchen-Kennern und bekomme Informationen, Tipps und Links, die in keiner Anzeige stehen. Oft genug erfolgt ein Jobangebot bereits nach den ersten Gesprächen.

Interview: Frank Slottke