Alcatraz gilt als Ort, dem man entfliehen will. Sie aber zieht es geradezu hin … Ich war schon als Zehnjähriger dort und unglaublich beeindruckt. Ich erinnere mich, wie erstaunt ich über die ganze Insel gegangen bin. Seitdem habe ich oft an Alcatraz gedacht, vor allem in schwierigen Situationen. Ich habe es auf meinen Weg mitgenommen.

Dann trugen Sie die Idee, darüber zu schreiben, 17 Jahre mit sich herum? Als ich mit meinem Buch „Kannst du“ auf Lesereise war, habe ich nachts eine Dokumentation über die Gefängnisinsel gesehen. Plötzlich wusste ich, dass ich darüber schreiben möchte. In welcher Form war mir damals noch nicht klar.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wohin sich Benjamin Lebert gerne zurückziehen würde.

Nahe liegend wäre es gewesen, den Roman in San Francisco anzusiedeln. Ihr Erzähler flieht aber aus Hamburg nach New York. Er arbeitet in einem Imbiss und entflammt für Alcatraz. Mein Roman handelt von verschiedenen Fluchten. Und egal, ob aus dem Alltag oder aus einem Gefängnis: Nach einem Ausbruch wäre für mich persönlich New York immer ein Endpunkt. Das liegt in der Geschichte der Stadt begründet, aber auch an den daran geknüpften Empfindungen: New York ist der Ort, an dem man wieder auftaucht, wenn man geflüchtet ist.

Sie selbst haben Kurse für kreatives Schreiben an der New Yorker Universität gegeben. Das war ein weiterer Grund: Ein kleiner Imbiss, in dem ich gefrühstückt habe, war fester Bestandteil meines New Yorker Lebens. Hier habe ich sicherlich einige Dialoge aufgefangen und mitgenommen. Trotzdem ist der Imbiss im Roman ein anderer. Er ist eine erfundene Insel im Trubel der Stadt, auf die man sich zurückziehen kann.

Wohin würden Sie sich jetzt am liebsten zurückziehen? Früher war ich tatsächlich auf New York konzentriert. Durch mein vieles Unterwegssein hat sich das verloren. Nun wohne ich in Hamburg, aber Orte erscheinen mir nicht mehr so wichtig. Denn egal, wohin ich auch gehe, meine Sehnsüchte nehme ich ohnehin immer mit. Zum Teil wiegen die ziemlich schwer, aber das ist auch okay.

Interview: Tina Rausch