Der Tod und das Mädchen
Anja Plaschg sitzt auf dem Sofa des Konferenzraumes ihrer Plattenfirma und schweigt. Sie raucht selbst gedrehte, mit Filter bestückte Zigaretten, trinkt dazu Tee. „Eigentlich gibt es nichts zu erzählen. Es ist schon alles über mich geschrieben worden“, sagt die 18-jährige Österreicherin mit unvermittelt lauter Stimme. Den Rummel um ihre Person kann sie offensichtlich noch nicht verstehen.

Fast zwei Jahre habe sie an den schwerelos-melancholischen Stücken ihres Debütalbums „Lovetune For Vaccum“ gearbeitet. Ursprünglich wollte sie es „Songs For The Death“ nennen. Begleitet von minimalistisch-melodiösem Pianospiel und elektronischem Rhythmuszittern singt und schreit sie sich darauf mit gespenstisch versponnener Stimme den Schmerz aus dem Körper, als müsse sie sich von innerem Kummer erlösen. Woher dieser Kummer komme, wollen wir wissen. Sie schweigt. Nichts klingt geschminkt oder theatralisch, nichts von Produzentenhand nuanciert. „Die Musik musste einfach aus mir raus“, sagt der Teenager schüchtern und holt tief Luft durch seine Zigarette.

Plaschg wuchs auf einem Bauernhof in der Steiermark auf. Seit früher Kindheit spielt sie Piano, später lernte sie Geige, und Computerbeats weckten ihre Neugier. Unter dem Pseudonym Soap & Skin veröffentlichte sie vor etwas mehr als zwei Jahren ein hinreißend trauriges Lied auf dem Berliner Elektrolabel Shitkatapult. Ihr Kunststudium in der Wiener Meisterklasse des deutschen Malerstars Daniel Richter brach sie kürzlich ab. Nun liegen ihre Träume in der Musik. Zum Thema Inspiration haucht sie ein knappes „Klassik und Techno sind meine Einflüsse“ aus. Dann schweigt sie wieder. Anja Plaschg redet nicht gern. Sie muss nicht reden. Ihre Lieder sagen alles. Sie erzählen von ihrer Kindheit. Von ihrem melancholischen Verhältnis zur Natur und den Schattenseiten ihres jungen Lebens. Von Irrsinn, Tod, Delirium und dramatischen Träumen. Von ihrer zerbrechlichen Seele, die sich mit jedem Ton und jedem Wort nach außen kehrt.
Michael Leuffen