Der Blogger: Ein Fan in Paris
Noch knapp zwei Stunden, und jetzt auch noch das. Etwa dreißig Leute sind schon da, vielleicht auch vierzig. Er läuft die Wartenden ab, er merkt, wie er beginnt, sie zu fixieren. Er nestelt an seiner Kameratasche und überprüft die Batterie des Apparates. Wäre er länger im Hotel geblieben, hätte er noch Bilder bearbeiten können. Er sieht auf die Uhr. Er ist ohnehin schon ziemlich spät dran, es wäre an der Zeit, wieder Material online zu stellen – der Modeblog, den er betreibt, schreibt sich schließlich auch nicht von selbst. Er beginnt die Wartenden vor sich zu fotografieren.
Phil Oh, 29, aus New York, Amerikaner mit japanischen Eltern, ist Fan. Seine Helden sind allerdings keine Menschen, es sind Marken: Marc Jacobs und H&M, Comme des Garçons und Dior Homme, United Bamboo und KTZ.
Wie ein Groupie fährt er Modemessen und Schauen rund um den Globus hinterher. Und er ist nicht allein. In den vergangenen Jahren ist die Bedeutung von Mode genauso gewachsen wie die der größten Messen in Berlin, London, New York, Paris und Mailand. Waren Fashion Weeks noch vor zehn Jahren nur die Treffen von Modejournalisten und Designern, so sind sie heute Teil der Popkultur. Sie sind ein soziokulturelles Phänomen, ein wichtiges und nicht mehr wegzudenkendes Element der Unterhaltungsindustrie. Nicht umsonst sitzt mittlerweile Hollywood-Prominenz an den Laufstegen und wird eifrig fotografiert. Davon profitieren nicht nur die Stars, deren Wert mit jedem veröffentlichten Foto wächst, sondern auch die Designer, die ihre Mode dadurch besser in der Öffentlichkeit platzieren können. Wer kannte vor zehn Jahren schon deren Namen?
Phil Oh schaut erneut auf die Uhr. Er will nicht wissen, wie spät es ist, schließlich hat er gerade erst nachgesehen – es ist mehr eine Übersprungshandlung, etwas, um seine Nervosität zu bekämpfen. Oh wartet auf Bernhard Willhelm, den Designer aus Ulm, der in Paris lebt und im Moment für eine spanische Schuhfirma arbeitet. Gesehen hat er ihn noch nie. Er hüpft grinsend auf der Stelle.

Bernhard Willhelm
Um ihn herum drücken sich wartende Menschen die Köpfe an der Glasscheibe am Halleneingang platt. Die Türsteher können sie nur mit Mühe daran hindern, die Veranstaltung einfach zu stürmen. Es werden Bilder von jedem gemacht, der jetzt schon hineingelassen wird, ganz egal, ob es sich um eine bekannte Persönlichkeit handelt oder nicht. Die Teilnahme an der Show reicht schon, um eine Berühmtheit für den Moment zu sein. Manche der Wartenden, viele von ihnen Asiaten, skandieren Willhelms Namen: „Bernhard, Bernhard!“ Zwischen Fans und Modellen ist kein Unterschied zu erkennen. Hier ist niemand hässlich oder schlecht angezogen, dick oder unpassend geschminkt. Die Gespräche drehen sich ausnahmslos um Mode, Schauen, Models, Einkaufsmöglichkeiten und, natürlich, um die Einladung zu den Schauen. Wie bekommt man eine? Wen muss man kennen, der jemanden kennt? Auf welchen Partys muss man sein? Fangespräche.
Zwei der Wartenden sehen sogar aus wie Bernhard Willhelm – Star-Klone, wie sie auf jedem Konzert schon lange üblich sind. In der Tat erinnert die Inszenierung von Mode heute an Rock’n’Roll. Eine Schau auf einer der bedeutenden Modemessen hat alles, was ein Konzert auch hat: vor der Halle anstehen, jubelnde Fans, Anhänger, die aussehen wie ihre Idole, Groupies, die Marken und Kampagnen wie Sänger verehren, überinszenierte Schauen in abgewrackten Häusern und stillgelegten Bahnhöfen, alles mit einer ausgefeilten Choreografie und bombastischen Licht- und Toneffekten.
Das Geschäft mit der Mode ist dem mit der Musik allerdings nicht ebenbürtig – längst liegt die Musikindustrie hinten. So machte die Bekleidungsindustrie in Deutschland nach Angaben des Modeverbands German Fashion im vergangenen Jahr 56 Milliarden Euro Umsatz. Davon entfallen auf das Entwerfen und Schneidern von Mode 17 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der deutsche Markt für Tonträger, immerhin nach den USA, Japan und Großbritannien der viertgrößte der Welt, setzte im Jahr 2007 mit 1,6 Milliarden Euro nur einen Bruchteil dieser Summen um.
In der Modeindustrie werden noch Träume verkauft. Die Musikindustrie hingegen, deren größte Stars Überbleibsel aus den Achtzigern sind, hat gewaltig an Sexyness verloren, seit jeder selbst im Wohnzimmer CDs aufnehmen kann. Und wo sonst als in der Mode arbeiten nur schöne Menschen? Wo sonst kann man scheinbar so einfach Geld verdienen wie als Model? Wo sonst reist man so oft um die Welt? Wo sonst ist man immer gut angezogen? Es ist kein Zufall, dass Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ Quotenbringer sind.

Dabei sind die großen Schauen im Grunde auch nichts anderes als eine Welttournee. Das Einzige, was es nicht gibt, sind Zugaben. Das allerdings ist auch ganz gut so, denn niemand hat Zeit, länger auf einer Schau zu bleiben als unbedingt nötig.
Sobald eine Veranstaltung zu Ende ist, springt das Publikum von den Sitzen, als sei es auf der Flucht – schließlich müssen alle sofort weiter zur nächsten Schau. Die ausgesperrten Fans tun es ihnen gleich, obwohl sie natürlich auch weiterhin ausgesperrt bleiben. Steht man zu lange, sieht es so aus, als habe man sonst keinen Termin, was nichts anderes bedeutet als: Man ist unwichtig.
Wie wichtig hingegen solche Events sind, liegt auf der Hand. Sie geben Mode jene Bedeutung, die sie heute hat. Dabei funktionieren die Schauen nach einem einfachen Prinzip: Je weniger Leuten Einblick gewährt wird, desto interessanter wird das Produkt. Je mehr Prominenz in der so genannten Front Row sitzt, der ersten Reihe, desto höher das Medieninteresse, desto bekannter der Name des Designers.
Allerdings kann er noch so gut sein, ohne Anna Wintour wird seine Karriere nicht besonders gut laufen. Die Britin ist seit 1988 Chefin der amerikanischen „Vogue“. Namen wie Marc Jacobs, Peter Som, Derek Lam oder Michael Kors sind heute geläufig, weil Wintour sie praktisch im Alleingang förderte. Mittlerweile sind Fans wie Phil Oh allerdings fast ebenso wichtig.
Sein Blog Streetpeeper.com präsentiert Menschen in Klamotten aus diversen Städten. Er kann über die kleinste Berliner Designfirma fachsimpeln, aber er bekommt kein Geld dafür. Seinen Jahresurlaub nutzt er regelmäßig, um Modedesignern möglichst nahe zu sein. Vor der Halle in Paris tritt Oh jetzt von einem Bein auf das andere. Bilder macht er mehr aus Zeitvertreib als aus echtem Interesse, schließlich hat er alle interessanten Menschen in der Warteschlange schon fotografiert. Er ist etwas ratlos. Soll er noch mal um den Block laufen, sich anstellen, oder doch besser direkt zu Vivienne Westwood gehen? Sie wird in ihrer Schau das Pop-Prinzip auf die Spitze treiben: Pamela Anderson wird Teile der Kollektion präsentieren. Wäre er doch nur etwas länger im Hotel geblieben. „Ich muss dringend an meinem Blog arbeiten“, sagt Oh.
Schließlich hat er einen Vorsprung zu verteidigen. Blogs im Internet sind nicht nur schneller als Magazine, sie geben vor allem die Meinung der Straße wieder. Wie ihre Bedeutung wächst, sieht man daran, dass das „Time Magazine“ 2007 einen Blogger namens Scott Schuman (thesartorialist.blogspot.com) auf die Liste der Top 100 jener Menschen setzte, die weltweit stilprägend wirken. Branchenkenner rechnen damit, dass der Einfluss von Blogs auf die milliardenschwere Modeindustrie weiter zunehmen wird. Große Ketten wie H&M und Gap schalten dort bereits Werbung, andere Firmen richten ihre PR-Strategien zunehmend auf Blogger aus.

In der Halle laufen gerade die letzten Vorbereitungen. Sie ist komplett in Weiß gehalten. Models laufen mit ernstem Blick durch das alte Fabrikgebäude, um sich ihre Laufwege und Schrittfolgen einzuprägen, Brocken von elektronischer Musik vibrieren durch den Raum, Techniker arbeiten am Soundcheck. Bernhard Willhelm hockt auf einer Treppe und sieht sich die Arbeiten an. Um ihn herum ein Hofstaat aus Menschen, oft nickend, manchmal etwas zu laut lachend, stets dankbar für alles, was Willhelm tut.
Er ist der Star, keine Frage. Die Models, alle hübsch anzusehen und doch so austauschbar wie die Stühle in der Halle, sind die Girlanden um ihn herum. Fotografen drängeln sich auf einem eigens für sie aufgebauten Podium, sie rufen und streiten lautstark, stoßen andere Fotografen weg, kämpfen um die beste Position. „Bernhard, ein Bild! Ein Bild, Bernhard!“ Willhelm tut ihnen den Gefallen, er setzt sich in Pose. Dutzende Blitzlichter gleichzeitig, tausend Bilder desselben Moments.
Als die Schau später schließlich beginnt, wie bei Rockkonzerten üblich mit Verspätung, werden fünfhundert Zuschauer in der Halle sein, auch Phil Oh, obwohl er keine Einladung hatte. Er wird ganz hinten stehen, aber das ist schließlich besser als nichts.
War das Glück? „Ausdauer“, wird er gehetzt nach der Schau sagen. „Ausdauer.“ Keine Zeit mehr, um ein längeres Gespräch zu führen. Schnellen Schrittes geht er zu seinem Motorroller. Er muss weiter. Zur nächsten Schau.
Philipp Kohlhöfer
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Die Modesdesignerin: Premiere in New York
Knapp 20 Minuten vom Bryant Park entfernt, wo Designer wie Calvin Klein oder Marc Jacobs bei der New Yorker Fashion Week ihre Shows in großen weißen Zelten zeigen, steht Meike Vollmar in einer Nebenstraße in Chelsea, deren Zufahrt von einer Baustelle versperrt ist. Die Berlinerin ist nach New York gekommen, um hier zum ersten Mal ihr Label Macqua vorzustellen. Im Eyebeam, einer Mischung aus Club und Künstleratelier. Vollmar steht vor dem Eingang des Backsteingebäudes, eine Stunde hat sie noch bis zur Show.
Die 30-Jährige sieht aus wie eins ihrer Models: Sie ist groß, trägt ein Kleid aus der eigenen Kollektion und silberfarbene Sandalen. Sie macht sich Sorgen, dass die Zuschauer wegen der Baustelle zu spät kommen könnten. Trotzdem sagt sie entschieden: „Wir fangen höchstens mit zehn Minuten Verspätung an. Schließlich kommen wir aus Deutschland.“
Backstage laufen die Vorbereitungen für die Show nicht anders als bei den großen Labels. Hairstylisten pusten die Haare der Models in die Luft, das Make-up-Team trägt den Look der heutigen Show auf: orangefarbenen Lippenstift, leicht silbern umrandete Augen und dunkle Brauen. Da Macqua seit Ende 2007 Teil der Icon Fashion Group ist, einem Investor aus Berlin, der junge Designer unternehmerisch unterstützt und viele Kontakte in New York hat, kann sich das Label bei der heutigen Show ein hoch professionelles Team leisten. Kabuki, Head Of Make-up, der schon am Set von „Sex And The City“ gearbeitet und Gwen Stefani für ihr CD-Cover geschminkt hat, kümmert sich mit einem sechsköpfigen Team um die zarten Gesichter der Models, sieben Hairstylisten um deren Frisuren. Jedem der 16 Models steht eine Anziehhilfe zur Seite, um einen reibungslosen Kleiderwechsel während der Show zu garantieren.

Die New Yorker Casting-Agentin Natalie Joos, geadelt durch ihre Zusammenarbeit mit Designer Helmut Lang und der italienischen „Vogue“, hat Meike Vollmar bei der Suche nach den passenden Models geholfen. 120 Mädchen hat sie gemeinsam mit ihr zwei Tage vor der Show gecastet, um die herauszupicken, die am besten zum leichten und doch kühlen Stil der Kollektion passen. Jetzt hastet Natalie mit dem Handy am Ohr hinter der Bühne umher. „Wo bleibt Evelyn?“, ruft sie. Fünf Minuten vor Showbeginn ist eines der Models immer noch nicht da. Ohne sie gerät der gesamte Ablaufplan durcheinander, zwei Outfits könnten nicht gezeigt werden. Derweil hocken die anderen Models betont gelangweilt zwischen den Kleiderständern auf dem Boden und tippen in ihre Handys und Blackberrys. Sie wirken nicht aufgeregt, eher etwas kraftlos und müde. Eugenia hat ihre Gazellenbeine zum Schneidersitz verschränkt und isst Salatblätter aus einem Pappbecher. „Das ist heute schon meine dritte Show“, meint sie. „Meine Füße tun mir weh.“ Doch sie freut sich auf die Show des Berliner Labels: „Die Sachen von Macqua gefallen mir so gut, dass ich mich heute in Kleidern statt in Geld bezahlen lasse.“
Auch Make-up-Chef Kabuki ist begeistert von Meike Vollmars Entwürfen: „Macqua ist der Geheimtipp der Fashion Week“, erzählt er. „Berlin ist ja sowieso gerade total angesagt.“ Ein Vorteil, den das Label für sich nutzt? „Auf jeden Fall“, sagt die Designerin, während sie einem Model einen Gürtel umbindet. „Die Leute bekommen leuchtende Augen, sobald sie hören, dass man aus Berlin kommt. Aber auf diesem Hype kann man sich nicht ausruhen.“

Ihr Wille, sich international durchzusetzen, hat sich bereits ausgezahlt. In Japan hängt die Mode ihres 2004 gegründeten Labels in Luxusboutiquen zwischen Balenciaga und Chanel. Mit der Show in New York will sie Kunden aus anderen Teilen der Welt finden. Angekündigt haben sich Redakteure der „New York Times“, Style.com, „Vogue Taiwan“ und Einkäufer aus Brasilien. „Wenn New York im Herbst und Frühling die Modenschausaison eröffnet, haben die Einkäufer noch am meisten Geld und sind offen für Neues. Einen Monat später in Paris würden wir in der Masse untergehen“, erklärt Stephanie Taranu, Pressesprecherin von Macqua. In New York hat sie ein besseres Gefühl, obwohl auch hier ein Restrisiko bleibe: „Natürlich sorgt man sich, ob die Mode ankommt, und hat Angst, sie könnte kein Interesse wecken.“ Doch der Gedanke, dass der Stil von Macqua genau zu einer Stadt wie New York passt, beruhigt Meike Vollmar: „Meine Mode ist perfekt für Großstädter, die ständig auf dem Sprung sind. Ein Macqua-Kleid kann man im Büro, Restaurant oder beim Cocktail-Empfang tragen.“ Vor allem will sie aber eins in New York zeigen: „Mode aus Berlin kann elegant, luxuriös und sexy sein. Die Stadt hat modisch mehr zu bieten als Jogginghosen, bedruckte T-Shirts und Neonsonnenbrillen.“ Heute hat sie die Chance, sich das erste Mal vor internationalem Publikum zu beweisen. Das ist in etwa so, wie wenn ein deutscher Independent-Film in Hollywood Premiere feiert.
Mittlerweile ist es 15.30 Uhr, aber Evelyn, das verschollene Model, ist immer noch nicht da. Über einen Monitor kann man sehen, wie sich die Zuschauer im Innenraum mit ihren Einladungskarten Luft zufächeln. Fast alle Plätze sind besetzt. Natalie Joos mahnt: „Wir müssen jetzt anfangen, die Mädchen müssen bald los zur nächsten Show.“ Sie gibt das Startzeichen: „Everybody put your shoes on and line up!“ Die Models stellen sich hintereinander am Eingang zum Laufsteg auf; eines der Mädchen wird zweimal über den Catwalk laufen, um wenigstens eines von Evelyns Outfits zu zeigen. „One more minute!“, ruft Meike. Ein letztes Mal überprüft sie, ob auch alle Outfits sitzen. Als die Musik einsetzt, schubst Natalie das erste Mädchen auf den Laufsteg.

Die 18-jährige Hanne Gaby Odiele aus Belgien, um die sich bei der Fashion Week alle Designer reißen, eröffnet die Show in einem kurzen weißen Seidenkleid. Ihr blondes Haar wippt auf und ab, während sie den O-förmigen Catwalk abschreitet. Die Zuschauer zücken ihre Kameras und machen sich Notizen über hoch taillierte Hosen, gold glänzende XL-Blazer, plissierte Stoffe und Dekadenz made in Germany. Knapp 20 Minuten dauert die Show, danach verneigt sich Meike kurz vor ihrem Publikum und kommt strahlend zurück hinter die Bühne. Jubel bricht aus. Meike wird gefeiert wie ein Rockstar. Zuschauer stehen Schlange, um sie zu beglückwünschen – ein Kamerateam des deutschen Nachrichtensenders N-TV bittet sie zum Interview.
Drei Monate später in Berlin
Die Show in New York hat sich ausgezahlt. Mittlerweile hat Uma Thurman bei einem Fotoshooting Macqua getragen, es sind Kunden aus Korea, Amerika und Paris hinzugekommen, und die deutsche „Vogue“ hat über das Label berichtet. „Es kommt mir vor, als müsse man sich erst vor dem Rest der Welt beweisen, bevor man in Deutschland ernst genommen wird“, meint Meike Vollmar. Schade findet sie es, dass Deutschland in Sachen Mode noch nicht über das nötige Selbstbewusstsein verfügt. Bei der Fashion Week in Berlin wird sie im Frühjahr deshalb nicht teilnehmen, sondern lieber wieder in New York zeigen. „In Berlin zeigen die bekannten Designer nur alte Kollektionen oder Zweitlinien. Dem internationalen Publikum kann man aber nichts vormachen. Die haben die Shows schon längst in Paris oder New York gesehen. So wird Berlin nie eine Modemetropole. Es geht ja schließlich nicht darum, nur die Berlin-Mitte-Crowd zu bespaßen.“ Letztere ist es auch, die Meike manchmal den Spaß an der Mode verdirbt. „Berlin hat den Ruf, in Bezug auf Mode offen und tolerant zu sein. Das ist aber nicht wahr. Ein dekadenter Style wird nicht akzeptiert, auch wenn sich bei der Fashion Week alle hip und stylish fühlen. Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis die Leute sagen: Du siehst toll aus in deinem Kleid und mit deinem roten Lippenstift, statt: Bist du horny, oder was?“
In New York hat sich Meike jeden Abend herausgeputzt, heute trägt sie Leggins, Schlabberpulli und Ugg-Boots. „Es hat so einen Spaß gebracht, einfach mal die Mode zu feiern. Warum geht das hier nicht? Ich fordere: Don’t dress down anymore, Germany!“
Aileen Tiedemann